Das Buch mondo kranko von Jonis Hartmann vereinigt 45 Kurzgeschichten unterschiedlichster Art, deren tieferer Sinn sich nur den wenigsten Lesern erschließen mag. Da wird eine Straßenbahn im Wasser versenkt und an einem Dünenrennen nimmt ein Pilot mit einer Taucherbrille teil, dem bei einer Bremsung die Kastration droht. Strandkörbe bewegen sich von allein, eine Fußballfrau vergräbt Eier und ein Mann erlebt einen Overkill, als er vor dem Fernsehen einschläft. Ein anderer Mensch nimmt in einem Schwimmring Kurs auf Calais, Finger steigen in einen Bus und einem pferdeähnlichen Mensch kommen Karotten aus den Ohren. Jonis Hartmann schreibt von turmhohen Mohnblumen und einer Riesenwelle, von einem grünen Himmel und einem einstürzenden Einkaufszentrum. Ein Großvater kreuzt Enten, bis alle die gleiche Scheckung aufweisen und ein Musiker lässt sich von einem Mädchen drei Finger mit einem Beil abschlagen. In weiteren Geschichten stopft sich ein Student Papierblätter in den Mund, ein Straßenmusiker nimmt das ihm zugedachte Geld nicht an sich und ein anderer gibt sich einmal als Sturmbannführer, dann als Wachtmeister und schließlich als Rundfunkmitarbeiter aus. Wo gerade noch ein Foyer stand, ist plötzlich alles verlassen und verschwunden und bei einem Saufgelage unter Freunden an einem See soll einer von ihnen den Suizid gewählt haben, was dann wohl doch nicht der Fall ist.

Wer nach dieser Inhaltsangabe nicht weiß, was ihn in dem Buch mondo kranko erwartet, ist wahrscheinlich auch nach der Lektüre des Buches nicht schlauer. In einigen der Kurzgeschichten ist zweifellos ein kritischer Ansatz zu erkennen, wenn der Autor etwa von einer schmalen Lohntüte redet und kritisiert, dass sich die Mitmenschen um nichts scheren. Oder wenn er von einem Mann schreibt, den seine Frau mit seinem besten Freund betrogen hat. Jonis Hartmann macht an einer Geschichte deutlich, dass sich Paare oft nur Uninteressantes und Abgeschmacktes zu erzählen haben und dokumentiert an einem anderen Beispiel den Reiz des Verbotenen.

Der Leser sollte sich auf jeden Fall ein Fremdwörterlexikon bereitlegen, denn Fremdwörter sind in dem Buch reichlich gesät. Um nur eine kleine Auswahl zu geben: Tamirande, Hominiden, Sukkubus fugit, Vokuhilas, Arboretum, Parapluies, Trautonium, Apotheose, Assassine. Aus dem Faust ist dem Autor nicht nur das Gretchen bekannt, sondern auch das aus drei Köpfen bestehende Gebilde Phorkyas. Eine gewisse Kreativität kann Jonis Hartmann bei neuen Wortschöpfungen, in einem Fall von nicht wirklich existierenden Arzneien, nicht abgesprochen werden. Er verfügt zweifellos über ein breit gestreutes Allgemeinwissen, was ihn jedoch nicht davon abgehalten hat, Kumpel in einem Fahrstuhl über Tage fahren zu lassen. Niemand ist allwissend, doch zu seiner Info: Der Kumpel wird in einem Förderkorb in den Schacht gelassen.

Welche Botschaft auch immer der Autor an den Leser vermitteln möchte, sie wird nur in den seltensten Fällen ankommen. Die Geschichten sind einfach zu schräg und zusammenhanglos. Was beim Leser zurück bleibt, ist lediglich die Melodie des bekannten Liebesliedes Besame Mucho, das in der letzten Geschichte Erwähnung findet.

Jonis Hartmann, mondo kranko, Chaotic Revelry Verlag 2013, Paperback, 184 Seiten, ISBN 978-3-9815811-1-9, Preis: 12,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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