Jonis Hartmann lässt in seinem Buch Romanino den jungen Sebastian von einer Brücke in den Tiber springen. Er ist fest entschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen. Seine letzten Gedanken gelten Laura, der Treulosen, der Gattin des Kaisers. Für sie hätte er in Rom gegen jeden Gladiator gekämpft. Doch nun? Was ist aus ihm geworden, wie sieht er heute aus? Geschunden und zermartert. Sein Vater war Senator, das sollte er auch werden. Laura ist an allem schuld. Nun versucht er verzweifelt, sich unter Wasser zu drücken, was ihm nicht gelingen will. Zu allem Überfluss hat auch noch Crudus den Aufschlag aufs Wasser gehört und eilt ihm mit seinem Boot zur Hilfe. Crudus hofft auf die Aufnahme bei den Tiberschiffern und muss sich deshalb einer Prüfung unterziehen. Es gilt, eine geheime Fracht ungesehen den Tiber hinaus zu transportieren. Ihm soll ein Bündel von der Brücke geworfen werden, das er mit seinem Boot aufzunehmen hat.

Bott, der ausgezeichnet mit dem Degen umgehen kann, ist von krankhafter Geistesschwäche befallen und befindet sich auf der Flucht vor Menigund, seiner streitbaren Gemahlin. Er hofft, bald auf dem Kaiserthron zu sitzen.

Der Gaukler Mundo trifft auf einen Transvestiten, der ihn erst zärtlich umfasst, dann jedoch niederdrückt. Zu spät wird ihm klar, dass er in eine Falle gelockt wurde. Er wird gequält und gefoltert und letztendlich im Hause von Mamone erstochen. Dieser ist Besitzer eines Hurenhauses, in dem offensichtlich Morde nichts Ungewöhnliches sind. Vivat auf die Lust, ein Ave auf jeden Mord! Mamone will von den Weisen wissen, wer in seinem Haus jemanden so grausam zerstückelt hat. Doch erhält er darauf keine Antwort.

Dem halbblinden Krüppel Tassilo wurde seine Gefährtin ausgespannt und er musste tagelang mit ansehen, wie die Beiden es miteinander trieben, bis sie vom Blitz erschlagen wurden. Nun will sich Tassilo zum dritten Forum aufmachen, doch keiner zeigt ihm den Weg. Ein Kind gibt ihm schließlich eine Wegbeschreibung, doch kommt Tassilo nie beim dritten Forum an. Wütend lechzt er nach Vergeltung.

Sebastian findet sich im Hurenhaus von Momone ein und ist berauscht von den Eindrücken. Er geht am Tiber entlang und wird von dem nach Rache dürstenden Tassilo von der Brücke gefegt. Die Strömung treibt ihn schnell weiter und Crudus gelingt es nicht, sein Bündel rechtzeitig zu packen.

In Romanino malt Jonis Hartmann ein düsteres Bild von Rom: es wimmelt nur so von Abfällen, Fäkalien und Tierskeletten. Er fragt an einer Stelle, was das nur für ein Volk ist und hält alle für Heuchler. Wenn sich keiner um etwas kümmert, ist es auch kein Wunder, dass alles möglich ist. „Anarchie, denn die Republik besteht aus Egoismus.“
Es ist nicht einfach, den Gedankengängen des Autors zu folgen und noch schwieriger, den Kern seiner Aussagen zu erfassen. Für den Leser bleiben bezüglich der einzelnen Schicksale einige Fragen offen. Es tauchen Begriffe aus der griechischen Mythologie auf, die nicht jedem geläufig sind. Da muss man schon nachschlagen. Oder wer kennt Hekatomben? Eine begriffliche Erklärung auf der jeweiligen Seite oder am Ende des Buches wäre angebracht gewesen. Immerhin schließt sich aber der Kreis mit Sebastian, der die ersten Seiten mit seinem missglückten Selbstmord in Romanino von Jonis Hartmann füllt, und die letzten, als er unfreiwillig in den Tiber stürzt.

Jonis Hartmann, Romanino, Chaotic Revelry Verlag 2011, Paperback, 72 Seiten, ISBN 978-3-9812457-5-2, Preis: 12,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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