Gebete an den Alligator und die Klimaanlage von Johannes Witek

Gebete an den Alligator und die Klimaanlage
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Ein Buch – siebenundachtzig Geschichten. Die meisten erreichen den Leser in einer Gedichtform, einige wenige auch als Prosa. Da erkennt ein Mann erst zu spät, was er an einer Frau hatte. Ein anderer beobachtet erst eine Frau im Theater, wie sie mit Gegenständen schmeißt. Später wird er selbst Opfer ihrer Wut.

Johannes Witek spricht in seinen Erzählungen häufig Menschen an, die sich völlig einem System untergeordnet haben. Sie merken nichts mehr, sehen nichts mehr. Die Regeln der Gesellschaftsordnung, denen sich alle zumindest dem Schein nach unterwerfen, kritisiert er scharf und wirft immer wieder die Frage nach der Sinnlosigkeit überhaupt auf. Er fragt nach den Träumen der Menschen. Stellt den Wunsch nach Frau, Kind und Skiurlaub in Kitzbühel infrage und hält diese Leute für Spießer. Johannes Witek zeigt auf, wie Schicksalsschläge den Menschen formen und wie er sich dadurch verändert. An einer Stelle behauptet er, dass der gesunde Menschenverstand ein Fehler in einer Welt ist, die nicht aus Vernünftigen besteht. Er merkt an, dass einige Menschen die Hoffnung auf ein baldiges Ableben eines Angehörigen haben. Und er spricht die Lüsternheit an, die selbst oder gerade noch am Schafott anzutreffen ist. Zu bedenken gibt er, ob wirklich nichts von nichts kommt und ob unsinnige Tierexperimente sein müssen.

Die Gedichte oder Erzählungen in Gebete an den Alligator und die Klimaanlage von Johannes Witek sind auf den ersten Blick nicht zu verstehen. Und das meiste, was er in seinem Buch schreibt, ist für den Leser auch auf den zweiten Blick nicht zu verstehen. Johannes Witek beschreibt völlig Surreales und vermischt in seinen Sätzen lauter Dinge, die überhaupt nicht zusammen gehören. So kann der Leser lediglich raten, was der Autor ausdrücken will. Doch meistens wird ihm nicht einmal das gelingen, weil er sich bei bester Fantasie keinen Reim darauf machen kann. Gebete an den Alligator und die Klimaanlage von Johannes Witek sind auf jeden Fall nichts für zarte Gemüter, denn hier geht es mit viel Scheiße, Pisse, Kotze, Menstrualschleim und stinkender Galle zur Sache!

Johannes Witek, Gebete an den Alligator und die Klimaanlage, Chaotic Revelry Verlag 2011, Paperback, 274 Seiten, ISBN 978-39812457-7-6, Preis: 12,95 Euro.

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5 Gedanken zu “Gebete an den Alligator und die Klimaanlage von Johannes Witek

  1. Obwohl es am Ende heißt, dass man Witeks Texte nicht verstehen kann, hat sich die Rezensentin doch offenbar einen sehr passenden und sinnvollen Reim auf alles machen können. Für mich macht der Anfang der Rezension jedenfalls den Eindruck, als ob Beatrix Petrikowski ziemlich gut verstanden hat, worum es Johannes Witek geht. Vielleicht will Sie es nur nicht wahrhaben?

  2. Hallo Uli! Ich glaube schon, dass Beatrix Petrikowski verstanden hat, dass sie doch verstanden hat! Es ist schon mit etwas kritischem Menschenverstand zu verstehen, worum es Johannes Witek geht. Nämlich um die Spießbürger in unserer Gesellschaft, um die Mitläufer, die nicht sehen und hören können oder wollen. Nur: Die Mehrzahl der Gedichte könnte auch in einer mir nicht verständlichen Sprache geschrieben sein und ich verstände dann nicht mehr und nicht weniger.
    Besorge dir das Buch und lies es! Und ich bin auf deine Meinung gespannt!

  3. Nun ja, das Leben ist halt nicht immer eindeutig und verständlich. Das meiste spielt sich eben im Kopf ab. Schön, dass es Autoren gibt, die diese surrealen Phasen des Alltags in Worte fassen können.

    Ich habe das Buch gelesen und bin begeistert!

  4. Ich achte Autoren, die für Individualisten schreiben und nicht nur billige Schlager produzieren, um mal einen Vergleich mit der Musikszene anzubringen. Johannes Witek schreibt nicht für die breite Masse, und darum geht es ihm auch nicht. Er schreibt sich viel Kummer und Enttäuschung auf hohem geistigen Niveau von der Seele, was zumindest ich so interpretiere. Und trotzdem kann ich einigen Textstellen nicht folgen und weiß nicht, was er damit ausdrücken will. Im wirklichen Leben hat er seine Balance offensichtlich auch noch nicht gefunden und das spiegelt sich in seinen Texten wieder.

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