Das Buch Die Zeckenbürstenkatzentreppe von Andreas Schumacher beinhaltet eine Sammlung von insgesamt neunundzwanzig Kurzgeschichten und Dialogen: So fliegt ein Student nach einem eBay-Kauf nach Manila und in einer weiteren Erzählung tüfteln drei Studenten an einem neuen Geschäftskonzept. Ein Mann beobachtet seine Nachbarn mit einem Fernglas, ein anderer findet auf der Suche nach seinem Sozialversicherungsausweis allerhand Verstaubtes und wieder jemand anderes hat beim Anblick zweier „junger Dinger“ Lust auf einen Dreier. In einer Geschichte geht es um eine Beschwerde nach dem Besuch eines Irrgartens, in einer weiteren um einen verschwundenen Schüler und eine andere gibt einen kuriosen Mailverkehr wieder. Der Weg in den Urlaub stellt sich für eine Familie als der alltägliche Wahnsinn dar, ein Dichter begegnet in seinem Heizungskeller einem Waldschrat und ein Gerichtsvollzieher begibt sich vor seinem Urlaub zu einem letzten Auftrag. Ein Alkoholiker verbringt seine Tage in einer Nervenheilanstalt, ein Bauer findet anstelle einer Frau den Tod und noch ein weiterer Toter ist nach einer Unterhaltung mit seinen Pflanzen zu beklagen. Drei Männer besuchen eine Gastro-Messe, während drei andere einen Kaugummiautomaten zu überlisten versuchen. Die Vermittlerin beim Arbeitsamt hat ihre liebe Not mit einem Langzeitarbeitslosen, eine Frau beschattet ihren Ehemann und weiß am Ende nicht mehr, wer wen beschattet.

Andreas Schumacher bedient sich in den Erzählungen durchweg einer eher gewählten Ausdrucksweise. Teilweise sorgt er beim Leser wie in einer Verwechslungskomödie für Verwirrung und manchmal wartet er mit einem überraschenden und verblüffenden Ende auf. Er macht gerne Anspielungen, spottet und verhöhnt. Beispielsweise nimmt er Kaffeefahrten auf die Schippe und macht sich über Texte lustig, die sich lediglich wegen ihrer arrangierten Form Gedicht schimpfen. Auch die „kleinen Alkoholprobleme“ der Piloten und die Niedriglöhne der Zeitarbeiter spricht er an. Andreas Schumacher schreibt von dubiosen Geschäftspraktiken, Nassauern und Kindern, die von ihren Eltern gedrillt werden. Einige der verrückten, schrägen und makabren Geschichten geben Gespräche in Alltagssituationen wie in einer Autowaschstraße oder einem Fahrstuhl wieder und zeigen menschliche Schwächen auf. Wie in allen Büchern vom Chaotic Revelry Verlag erwartet den Leser auch in Die Zeckenbürstenkatzentreppe wieder eine Aneinanderreihung chaotischer Erzählungen, womit sich der Inhalt dem schrägen Durcheinander des Covers anpasst. Doch sind die Texte auf hohem Niveau und Liebhaber dieser eher ausgefallenen Literatur werden begeistert sein und sich köstlich amüsieren.

Andreas Schumacher, Die Zeckenbürstenkatzentreppe, Chaotic Revelry Verlag 2013, broschiert, 277 Seiten, ISBN 978-3-9815811-3-3, Preis: 12,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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