In London kommt das gesellschaftliche Leben teilweise zum Erliegen und es müssen zum Schutz der Bevölkerung nächtliche Ausgangssperren verhängt werden. So beschreibt es zumindest Jonathan Stroud in seinem Jugendroman Lockwood & Co. – Die Seufzende Wendeltreppe.

Lucy Carlyle bewirbt sich bei Lockwood & Co., einer Agentur für übersinnliche Ermittlungen. Der Chef Anthony Lockwood und George, der im Sekretariat arbeitet, sind wie Lucy noch nicht erwachsen. Nach einer Prüfung bekommt sie die Stelle und gemeinsam übernehmen sie einen ersten Fall im Haus von Mrs Hope, wo ein Geist Mr Hope die Treppe hinuntergestürzt haben soll. Sie führen den Auftrag unter Einsatz ihres Lebens aus und entdecken ein Medaillon mit einer geheimnisvollen Inschrift. Doch ihr Einsatz endet mit einem Hausbrand, für den sie verantwortlich gemacht werden. George recherchiert im Grundbuchamt, dass eine frühere Bewohnerin des Hauses, Miss Annabel E. Word, vor neunundvierzig Jahren spurlos verschwunden sein soll. Ihr damaliger Freund Hugo Blake wurde des Mordes verdächtigt, doch konnte ihm nichts nachgewiesen werden.

Mr Barnes von der BEBÜP, der Behörde zur Erforschung und Bekämpfung übersinnlicher Phänomene, lässt den Kindern durch die Anwälte von Mrs Hope ausrichten, dass sie eine Entschädigung für den entstandenen Schaden am Haus in Höhe von sechzigtausend Pfund verlangt, die innerhalb von vier Wochen zu zahlen sind. Da verspricht ihnen der reiche Mr Fairfox neben der Tilgung ihrer Schulden eine gute Entlohnung für einen gefährlichen Auftrag. In seinem Herrenhaus würde es im Roten Zimmer und auf der seufzenden Wendeltreppe spuken. Allerdings würden alle zu Tode gekommen sein, die sich eine Nacht dort aufgehalten hätten. Mit Eisenketten, da die Geister gegen Metall allergisch sind, und Degen bewaffnet machen sich Lucy, Anthony und George auf zum Herrenhaus.

Der Jugendroman Lockwood & Co. – Die Seufzende Wendeltreppe von Jonathan Stroud richtet sich an junge Leser ab 12 Jahren. Die Protagonistin Lucy erzählt von den Abenteuern in der Ich-Form und der Leser erfährt über ihr Alter lediglich, dass sie noch keine fünfzehn ist. Anders als in der Realität leben die Kinder nicht in einer Familie oder besuchen eine Schule, sondern Lucy arbeitete zuvor sogar schon für eine andere Agentur. Ungewöhnlich ist auch, dass sich die Kinder untereinander zunächst gesiezt haben und grundsätzlich von allen Erwachsenen so angesprochen werden. Die Handlung des Romans spielt in der Gegenwart, was beispielsweise an der Kleidung – Rock und Legging – von Lucy festgemacht werden kann.

Ein Glossar erklärt die befremdlichen Begriffe wie Maladigkeit, Anderlicht, Geisterstarre oder Griechisches Feuer, denn Jonathan Stroud hat sich für seinen Roman einer „geistreichen“ Fantasie bedient. Wenn es auch die Geistergestalten nicht gibt, so sind die Figuren der drei „Geisterjäger“ authentisch. Zwei Handlungsstränge werden schließlich zusammengeführt, nachdem sich die Ermittlungen immer weiter verdichten. Am Ende steht eine Vertuschung, wie sie leider auch in der politischen Realität anzutreffen ist. Die im Buch erwähnte Pest hat es tatsächlich gegeben: 1665/66 raffte eine große Epidemie allein in London 70.000 Menschen, ein Fünftel der damaligen Bevölkerung, dahin. Der Leser kann sich auf ein spannungsgeladenes Buch und ein hervorragendes Lektorat freuen.

Jonathan Stroud, Lockwood & Co. – Die Seufzende Wendeltreppe, cbj Verlag 2013, Hardcover mit Schutzumschlag, 432 Seiten, ISBN 978-3-570-15617-9, Preis: 18,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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