Marina Heib

Foto ©Thomas Leidig

Marina Heib ist im Saarland geboren und lebt seit 1988 in Hamburg. Nach ihrem Abitur hat sie Orientalistik und Philosophie studiert und schreibt heute Kriminalromane und Drehbücher. Außerdem hält sie Lesungen aus ihren bereits erschienenen Werken. Nach ihren Kriminalromanen Der Bestatter, (vormals unter dem Titel Weißes Licht erschienen), Eisblut, Tödliches Ritual und Puppenspiele ist Parasiten der fünfte Fall für die Sonderermittler um Christian Beyer.

Einen schönen guten Tag Frau Heib! In Ihrem neuesten Thriller Parasiten geht es unter anderem auch um diese für uns Menschen lästigen Tierchen. Wie konnten Sie die Empfindungen so detailliert beschreiben, die ein davon befallener Mensch hat? Sie haben für Krankenhausserien Drehbücher geschrieben. Haben Sie aus dieser Quelle vielleicht Informationen geschöpft?

Nein, da habe ich andere Quellen benutzt. Ich recherchiere immer sehr viel, um präzise zu schreiben. Als Quellen nutze ich das Internet, Fachliteratur und je nach Thema auch Gespräche mit Betroffenen und Fachleuten, damit ich ein möglichst realistisches Bild habe.

In dem Buch geht es ja in erster Linie um die Machenschaften der Schlepperbanden, die Frauen in die Prostitution zwingen. Sie haben erschreckend genau und in allen Einzelheiten geschildert, wie diese Banden die Nöte der Frauen ausnutzen und wie diesen dann ihr Wille mit Drogen kaltblütig gebrochen wird. Wie sie auf den Märkten den Zuhältern zum Kauf angeboten werden und wie erniedrigt sie sich fühlen. Und alles das ist möglich, weil an allen Schaltstellen die Korruption blüht. Das klingt alles sehr authentisch und nicht danach, dass Sie sich diese Schilderungen aus dem Ärmel geschüttelt haben.

Auch zu diesem Thema habe ich lange recherchiert. Es gibt ausreichend Infos, die frei zugänglich sind, auch einige sehr wertvolle Bücher über Zwangsprostitution und internationalen Menschenhandel. Die diesbezüglichen Schilderungen in meinem Buch Parasiten sind nicht frei erfunden, sondern entsprechen leider genau der schrecklichen Realität.

Ich kann mir vorstellen, dass es irgendetwas gegeben haben muss, was Sie letztlich veranlasst hat, über dieses Thema zu schreiben. Einen Auslöser für erste Recherchen. Das könnte sowohl für die Parasiten gelten, von denen vielleicht irgendwo die Rede war oder über die ein Fernsehbeitrag ausgestrahlt wurde. Aber auch für den Frauenhandel, um den es primär in Ihrem Buch geht.

Manchmal gibt es bei den Themen, die ich wähle, keinen aktuellen Auslöser. Aber es sind immer Themen, die mich beschäftigen, die mich erschüttern, und die menschliches Verhalten aufzeigen, das ich nicht verstehen und/oder nicht akzeptieren kann. Die Frage „wie kann ein Mensch so etwas tun?“ beschäftigt mich immer wieder, etwa bei den von mir in den anderen Büchern behandelten Themen wie Kindesmissbrauch oder Folter. Im Falle der Zwangsprostitution liegt der Fall allerdings klar: es geht um Geld, um sehr viel Geld. Zu welcher gefühllosen Menschenfeindlichkeit die Gier nach Geld allerdings führen kann, halte ich für außerordentlich erschütternd.

Ihnen war es sicher auch ein Anliegen, auf die sozial-politische Situation in Moldawien aufmerksam zu machen. Sind Sie selbst schon dort gewesen und haben die Armut und Hoffnungslosigkeit der Einwohner aus nächster Nähe gespürt?

Ich wäre sehr gerne nach Moldawien gefahren, um meine eigenen Eindrücke zu sammeln. Leider ging das nicht, aber ich konnte mich auf die Erfahrungen einer Freundin stützen, die schon einmal da war und selbst Schriftstellerin ist, also sehr genau beobachtet und sinnlich beschreibt. Das half mir sehr.

Mit dem Altmeister Alfred Hitchcock teilen Sie die Vorliebe für bestialische und schockierende Morde. Sie schreiben darüber, er hat sie in seinen Filmen umgesetzt. Bekanntlich war Hitchcock aber selbst eher ängstlicher Natur und hat alles vermieden, was ihn in eine Situation wie eine der Rollen seiner Darsteller gebracht hätte. Ähneln Sie ihm auch in diesem Punkt und vermuten „hinter jeder Ecke“ einen Mörder?

Glücklicherweise nicht! Ich finde, ich bin nicht sehr ängstlich, und auch wenn ich mir dessen bewusst bin, dass grausame Dinge jederzeit und überall geschehen, halte ich dennoch eine gewisse Naivität in mir aufrecht, die auch an das Gute glaubt. Sonst kann man kein glücklicher Mensch sein.

Was macht eine Krimi-Autorin in ihrer Freizeit? Liest sie ebenfalls Krimis? Wenn ja, gibt es da Vorbilder? Oder braucht man eher einen Gegenpol, leichte Unterhaltung, quasi als Ausgleich?

Natürlich lese ich sehr viel, auch Krimis. Ich mag sehr gerne die Bücher von Jo Nesboe, die ich wahnsinnig spannend finde. Und auch unter unbekannten Autoren findet man häufig Perlen. Ein Vorbild jedoch habe ich nicht. Ich finde, jeder muss seinen eigenen Stil und seine eigene Sprache finden.

Verraten Sie unseren Lesern noch zum Schluss, ob schon ein nächstes Projekt in Angriff genommen wurde und was sie da erwartet?

Ich arbeite gerade an einem klassischen Thriller, in dem ein harmloser, durchschnittlicher Mensch, also kein Polizist oder ein ähnlicher Fachmann fürs Kriminelle, ohne sein Zutun in eine lebensbedrohliche Situation gerät und sich daran beweisen muss. Details will ich aber noch nicht verraten.

Ich danke Ihnen für das Interview und die Zeit, die Sie sich dafür genommen haben und wünsche Ihnen für Ihre berufliche und private Zukunft alles Gute!

Herzlichen Dank!

Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.