Die Autorin Elke Pupke wurde im Jahr 1954 in dem Seeheilbad Bansin auf der Insel Usedom geboren, das mit Heringsdorf und Ahlbeck zu den „drei Kaiserbädern“ zählt. Zunächst hat sie eine Ausbildung als Bibliothekarin absolviert und führte viele Jahre ein eigenes Hotel auf der Insel. Mittlerweile ist sie auf Usedom als Reiseleiterin tätig, hält Vorträge und verfasst Broschüren für Touristen.

Einen schönen guten Tag, Frau Pupke, mich interessiert als erstes, wann Ihnen die Idee zu Ihrem ersten Kriminalroman Die Toten von Bansin kam? Ist der Gedanke, ein Buch über Usedom zu schreiben, über Jahre gereift? Denn immerhin haben Sie bereits durch Ihre Ausbildung zur Bibliothekarin einen Bezug zu Büchern gehabt und genügend eigene Erfahrungen konnten Sie auch in dem Roman verarbeiten.

Lust, ein Buch zu schreiben, hatte ich schon immer. Aber erst vor etwa zwei Jahren fand ich die Zeit dazu. Mein erstes Manuskript wurde vom Hinstorff Verlag abgelehnt, es war nicht spannend genug, es gab nur einen Toten, aber noch viel mehr „Usedom-Beschreibung und –geschichte“. Aber die Ablehnung war so formuliert, dass sie mich anregte, eine neue Geschichte zu erfinden, die dann auch angenommen und relativ schnell gedruckt wurde. Ich hatte natürlich das Glück, dass mein Krimi in die Reihe der „Ostseekrimis“ vom Hinstorff Verlag passt.

Dass Verlage ein Buch ablehnen, das später ein Bestseller wird, passiert in letzter Zeit leider immer häufiger. So war es nicht nur Ihr Glück, dass der Hinstorff Verlag Ihren Krimi gedruckt hat, sondern auch das Glück vieler Leser. Er spürt förmlich auf jeder Seite Ihre Liebe zu der Ostseeinsel Usedom und an vielen Stellen sieht er vor seinem geistigen Auge die Schönheit der Landschaft oder versucht sie sich zumindest vorzustellen. Sie selbst sind Bansin immer treu geblieben. Könnten Sie sich vorstellen, der Insel den Rücken zu kehren?

Niemals. Ich kriege schon Heimweh, wenn ich vier Wochen weg bin und atme auf, wenn ich wieder über die Brücke auf die Insel fahre.

Nach der Lektüre Ihres Romans kann ich das verstehen. Sie beklagen darin unter anderem, dass in Deutschland jeder als Reiseleiter tätig werden kann, weil keine Prüfungen vorgeschrieben sind. Sie haben immerhin einen anerkannten Abschluss als Touristikfachkraft. Wie sieht denn die Tourismusbranche diesen Umstand?

Es gibt leider viele „schwarze Schafe“, die es denen, die von dieser Tätigkeit leben wollen, sehr schwer machen. Sie verderben nicht nur die Preise, sondern auch den Ruf, denn es heißt dann bei den Reiseunternehmen nicht, Herr X oder Frau Y, sondern „die Reiseleiter auf Usedom“ sind inkompetent. Eine Ausbildung ist gar nicht unbedingt notwendig, ein Hobbyhistoriker, der fundiertes fachliches Wissen und etwas Organisationstalent besitzt, sich auf der Insel genau auskennt und sich gut ausdrücken kann, würde auch eine entsprechende Prüfung bestehen, so wie es in anderen Ländern üblich ist.

Da bleibt nur zu hoffen, dass diese Forderung bei uns auch in naher Zukunft umgesetzt wird.
Ihnen lag es offensichtlich am Herzen, dem Leser über Usedom geschichtliche Hintergründe zu vermitteln. Interessieren sich auch die Urlauber für die Lebensumstände der Insulaner, wie sie zu DDR-Zeiten waren?

Durchaus, die Fragen nach dieser Zeit werden immer wieder gestellt und Gäste aus den „alten Bundesländern“ haben oft erstaunliche Vorstellungen davon. Dass diese Leute mir immer wieder die DDR erklären wollten, war für mich ein Anlass, eine Broschüre mit dem Titel „Ferienscheck und FKK“ zu schreiben, in der ich die Zeit von 1945 bis 1990 objektiv und durch Fakten belegt schildere.

Falsche Vorstellungen von einer Region gibt es wohl überall, ich kenne das vom Ruhrgebiet. Wie steht es mit dem Brauchtum und Aberglauben, das Sie ebenfalls angesprochen haben. Ist der Aberglauben auf den Inseln noch weit verbreitet?

Eigentlich nicht. Aber gerade Seefahrer und Fischer neigen natürlich zum Aberglauben, da sie oft von Zufällen und den Launen der Natur abhängig sind. Und ein bisschen Spuk mag doch jeder.

Da haben Sie Recht. Auch von den Fischern am Mittelmeer ist das überliefert. Wenn wir schon das Thema „Fischer“ ansprechen: Von vielen in Ihrem Roman angesprochenen Speisen habe ich selbst noch nie gehört. Werden sie denn in den Lokalen auf der Insel angeboten? Bayern hat beispielsweise Spezialitäten, die über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind.

Hauptnahrungsmittel ist natürlich Fisch, besonders der Hering, früher ein „Arme-Leute-Essen“, den man heute in den besten Restaurants auf der Speisekarte findet. Typisch für Pommern sind auch süß-sauer zubereitete Speisen. Es gibt aber auch Gerichte, die man in Gaststätten eigentlich nicht anbieten kann und die nur innerhalb der Familie weitergegeben werden. Wie eben „Pellkartoffeln mit Stipp.“

Themenwechsel Naturschutz: An mindestens zwei Stellen haben Sie darauf hingewiesen, dass die Steilküsten immer weiter abgetragen werden. Den Mensch, der zu viel in die Natur eingreift, sehen Sie als Verursacher. Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern?

Da bin ich nicht kompetent, aber ich habe den Eindruck, dass es meist schief geht, wenn der Mensch massiv in die Natur eingreift.

Rein gefühlsmäßig sehe ich das auch so.
Sie schreiben von der gelebten Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. In unseren Städten kennt man häufig nicht einmal den Nachbarn und interessiert sich nicht für die Sorgen anderer. In Ihrem Roman wird einer Touristin aus Köln von Sophie sogar ein Sonderpreis eingeräumt und sie überlässt Steffi nicht nur großzügig ihr Appartement, sondern auch noch ihren Wagen. Ist das realistisch?

Pommern sind eigentlich eher zurückhaltend und etwas misstrauisch und schließen nicht schnell Freundschaften. Aber wenn jemand ihr Vertrauen gewonnen hat, kann der sich auf ihre Treue und Hilfsbereitschaft absolut verlassen. Steffi hatte das Glück, dass der Fischer Plötz sie mochte und sie hat durch ihre natürliche und humorvolle Art auch die Zuneigung von Berta gewonnen. Die anderen verlassen sich auf Bertas Menschenkenntnis: wen sie an den Stammtisch bringt, der gehört dazu und wird als Freund behandelt.

Da könnte ich fast auf die Inselbewohner neidisch werden, denn diese Charakterzüge sind den Menschen im Ruhrgebiet abhanden gekommen, wo eine Stadt in die andere übergeht.
Kommen wir zu meiner letzten Frage: Im März 2014 erscheint bereits Ihr nächstes Buch. Dürfen sich die Leser auf einen weiteren Kriminalroman freuen und wird der Schauplatz wieder „Ihre“ Insel sein?

Ja, natürlich. Die Verbrechen geschehen wieder in Bansin und die meisten der Hauptfiguren, die den ersten Roman überlebt haben, sind wieder dabei.

Dann freue ich mich mit vielen Lesern quasi auf eine Fortsetzung. Ich danke Ihnen vielmals für die Zeit, die Sie sich für dieses Interview genommen haben und wünsche Ihnen noch viele glückliche Jahre in Bansin auf Usedom!

Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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