Nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten zieht Sophie Kaiser von Berlin auf die Insel Usedom, wo ihre Tante Berta im Ortsteil Bansin lebt. Sophie wird stolze Besitzerin der Pension „Kehr wieder“, die schon lange im Familienbesitz ist. Doch Die Toten von Bansin halten die Bewohner in Atem: Gerd Töpfer steht mit seinem Auto auf einem Bahnübergang und wird von einem Zug überrollt. War es Selbstmord? Der Bankangestellte Manfred Jahn stürzt einen Steilhang herunter, woran seine alkoholsüchtige Frau Christine Schuld sein könnte. Schließlich gibt es mit dem schwulen Sören Mager einen dritten Toten innerhalb von zwei Monaten zu beklagen. Er wird überfahren und man spekuliert, ob es nur ein bedauerlicher Unfall gewesen ist.

Tante Berta vermutet, dass Die Toten von Bansin irgendetwas verbindet und es einen Zusammenhang geben muss. Mit dem alten Fischer Paul Plötz, seinem Gehilfen Arno Potenberg, Sophies Geliebtem Frank Sonnenberg und seiner Ehefrau Jenny kommen die Dorfbewohner gerne bei einem Glas Bier, einer Tasse Kaffee oder einem Gläschen Grog zusammen und überlegen mit Sophie, ihrer Freundin Anne und deren Mitarbeiterin Inka, was sie unternehmen können. Sogar die aus Köln stammende Urlauberin Steffi, die gleich für längere Zeit in Bansin bleibt, zeigt Interesse an den Todesfällen. Doch damit nicht genug. Vielen Bewohnern, auch Sophie und Arno, wird mit Sabotageakten übel mitgespielt. Niemand hat eine Erklärung für das Verhalten von Christine Jahn, die dem Alkohol verfallen scheint und auch nicht für das von Dr. Markus Moll, ein trockener Alkoholiker, der offensichtlich wieder rückfällig geworden ist. Für die Geschehnisse im Hotel „Seeresidenz“, das Alexander Brinkmann leitet, hat ebenfalls niemand eine Erklärung. Irgendjemand muss ein Interesse daran haben, die Bansiner in den Ruin oder Tod zu treiben und die Angst macht sich breit, denn auch der Polizist Fred Müller ist ratlos.

Der Kriminalroman Die Toten von Bansin fordert durch die vielen handelnden Personen die volle Aufmerksamkeit des Lesers. Indem Elke Pupke ausführlich deren Lebenssituation beschreibt, erreicht sie, dass viele verdächtig sind und als Täter infrage kommen. So führt die Autorin den Leser immer auf neue Fährten und der Kreis der Verdächtigen erweitert sich ständig. In kursiv gedruckten Absätzen lässt sie einen Täter in der Ich-Form zu Wort kommen, was jedoch keinerlei Rückschlüsse auf seine Person zulässt.

Als Reiseleiterin von Usedom war es Elke Pupke offensichtlich ein Anliegen, dem Leser neben einer spannenden Lektüre auch viel vom Brauchtum und Lebensgefühl der Insulaner zu vermitteln. Sie beleuchtet viele geschichtliche Hintergründe, schreibt von den Enteignungen zu DDR-Zeiten und der damaligen Situation der Fischer, erwähnt lokale Speisen und die Abtragung der Steilküsten, die sie dem Eingriff des Menschen in die Natur zuschreibt. Die Lebensweisen der Inselbewohner gibt sie sehr authentisch wieder und abgesehen von der „Seeresidenz“ und dem „Kehr wieder“ existieren alle anderen erwähnten Gebäude wie das Wasserschloss Mellenthin, die Ahlbecker Seebrücke oder auch das Niemeyer-Holstein-Museum. Sogar das Sturmhochwasser zu Silvester 1913/14 ist verbrieft. Mit dem Krimi Die Toten von Bansin ist es Elke Pupke gelungen, die Themen Schuldgefühle und Rache spannend umzusetzen und gleichzeitig jede Menge Lokalkolorit dieses wunderschönen Seeheilbades in den Roman einfließen zu lassen.

Elke Pupke, Die Toten von Bansin, Hinstorff Verlag 2013, Taschenbuch, 303 Seiten, ISBN 978-3-356-01603-1, Preis: 12,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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