Homöopathie von Sven Sommer

Homöopathie
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Sven Sommers Ratgeber Homöopathie, mit dem Untertitel „Alltagsbeschwerden selbst behandeln“, beginnt mit einer Einführung in die Homöopathie, ihrer Entdeckung und praktischen Anwendung. Er lässt einige Antworten auf häufige Fragen folgen und gibt Beispiele dafür, wie ein geeignetes Mittel gefunden werden kann. In alphabetischer Reihenfolge werden Stichwörter und Krankheitsbilder genannt, wobei positiv hervorzuheben ist, dass bei der Auffindung eines Mittels auch Wert auf die geistigen Symptome gelegt wird. Der Autor macht deutlich, dass Schnupfen nicht gleich Schnupfen ist und unterschieden wird nach der Art der Absonderung. Auch weist er darauf hin, was zur Besserung oder Verschlechterung geführt hat. Dass es dabei zu nicht unerheblichen Wiederholungen kommt (Myristica wird genannt bei A wie Abszess und B wie Eiterbildung), lässt sich wohl bei einem Werk dieser Form nicht vermeiden. Schließlich folgen in ebenfalls alphabetischer Aufstellung eine Auswahl an homöopathischen Mitteln mit ihren charakteristischen Einsatzgebieten und homöopathische Begriffe.

Sven Sommer bezieht sich in seinem Ratgeber Homöopathie auf eine Vielzahl neuer, noch nicht lange erprobter Mittel. So sind sie weder in der Materia medica von Boericke zu finden, noch im Repertorium von Kent, das für viele Homöopathen die „Bibel“ ist. Um alle gemachten Angaben zu überprüfen, müsste eine computergestützte Repertorisation zu Hilfe genommen werden.

Was aber schon sofort ins Auge fällt, ist die Empfehlung von D-Potenzen, weil ein Fehler in der Mittelwahl da nicht so schwer wiegt. Das ist zweifellos richtig, nur stellt sich da die Frage, ob man die Mittelwahl nicht besser gleich jemandem überlässt, der sich damit auskennt. So wird die Homöopathie allenfalls in eine Ecke gedrängt, in der man einfach nur herumexperimentiert, was ihr nicht gerecht wird. Sven Sommer empfiehlt auch die Einnahme von zwei oder drei Mitteln, sollten mehrere Mittel zutreffen. Hier wäre es angebrachter, die Suche nach dem am besten geeigneten Mittel fortzusetzen, getreu dem Entdecker Hahnemann: „Macht es nach, aber richtig.“ Was die Empfehlung einer wiederholten Einnahme desselben Mittels anbelangt, so hat ebenfalls Hahnemann dazu in seinem Organon, § 247, unmissverständlich klar gemacht, dass dies nicht ratsam ist und schlimmstenfalls eine gegenteilige Wirkung zur Folge hat. Warum bei Überempfindlichkeit und Gereiztheit Chamomilla in der C 30, Colocynthis aber in der D 12 Potenz verabreicht werden soll, bleibt das Geheimnis des Autors. Und ob Coffea bei übermäßigem Kaffeegenuss überhaupt noch hilft, ist ebenfalls fraglich. Die Aussage, dass die Pockenimpfung voll und ganz dem Heilprinzip der Homöopathie entspricht, ist so nicht korrekt. Denn die Impfung erfolgt während einer Phase, in der ein Mensch gesund ist, eine homöopathische Behandlung aber während eines Krankheitsprozesses. Das ist ein Unterschied. Letztlich bleibt auch zu fragen, ob jemand einen Herpes Zoster (Gürtelrose) nach einer so verkürzten Wiedergabe über die Homöopathie selbst behandelt.

Unter den wenigen im Anhang aufgelisteten Büchern ist ausgerechnet Medizin der Zukunft von George Vithoulkas, der als einer der größten Homöopathen unserer Zeit gilt und der sich ausschließlich für die klassische Homöopathie einsetzt. Deren Anhänger scheint Sven Sommer in seinem Ratgeber Homöopathie aber nicht zu sein.

Sven Sommer, Homöopathie, Gräfe und Unzer Verlag 2010, Softcover, 256 Seiten, ISBN 978-3-833-81839-4, Preis: 12,99 Euro.

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