Alt genug, um glücklich zu sein von Florian Langenscheidt und André Schulz

Alt genug, um glücklich zu seinJeder Mensch möchte gerne lange leben, und das möglichst bei bester Gesundheit und im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Mit einem Erfolgsrezept können Florian Langenscheidt und André Schulz in ihrem Sachbuch „Alt genug, um glücklich zu sein“ zwar nicht dienen, doch steigt ihrer Meinung nach die Wahrscheinlichkeit auf ein langes und glückliches Leben mit einer guten Vorbereitung. Unstrittig ist, so der Stand der Forschung, dass glückliche Menschen länger leben. Eine Untersuchung hat ergeben, dass die Lebensweise entscheidend ist und zu viel rauchen oder essen, gepaart mit zu wenig Bewegung, ist auf jeden Fall kontraproduktiv.

In vierundzwanzig Kapiteln vertiefen die Autoren das Thema und beginnen mit einer kleinen Exkursion in die Epigenetik, deren Strukturen durch unsere Lebensweise Einfluss auf die Nachkommen nehmen. Nach einer philosophischen Betrachtungsweise stellen sie mit Bedauern fest, dass eines der größten Gesellschaftsprobleme unserer Zeit die „chronische Berührungsarmut“ ist, auf deren Folgen sie hinweisen. Interessante Gedanken zu Freiheit, Körperbewusstsein und der sich im Alter verändernden Liebe sind weitere Punkte.

Florian Langenscheidt und André Schulz schreiben, dass sich mit den Jahren das Zeitempfinden verändert. Sie machen auf die Folgen für Menschen aufmerksam, die keine Dankbarkeit empfinden können. Nach ihrem Verständnis sollte jeder Augenblicke bewusst wahrnehmen und sich bestmöglich auf das künftige Rentenalter vorbereiten, wozu sie mit ihrem Buch eine Hilfestellung geben. Die Folgen des Alleinseins werden von ihnen beleuchtet, sie weisen auf die Bedeutung von Humor auf die Gesundheit hin, geben Ratschläge im Umgang mit Krisen und sind davon überzeugt, dass sich jeder auch im hohen Alter neue Ziele stecken sollte.

Unterbrochen werden die Kapitel von einem farblich abgesetzten Mittelteil mit Gastbeiträgen. Diese befassen sich unter anderem mit der Demenz, dem Essverhalten, Depressionen, seelischen Schmerzen oder auch dem Sterbeprozess. Zudem sind die Kapitel mit auflockernden „Haftnotizen“ gespickt. Leider müssen in der heutigen Zeit nicht wenige Menschen im Alter ihre Rente mit einem Minijob aufbessern und für sie ist das Geldverdienen nicht nur ein Nebeneffekt ihrer Arbeit, wie die Autoren an einer Stelle anmerken. Hinzu kommt, dass in naher Zukunft noch mehr Menschen im fortgeschrittenen Alter auf Nebeneinkünfte angewiesen sein werden, was einige an die physische Belastungsgrenze bringen wird.

Der Leser gewinnt in dem Sachbuch „Alt genug, um glücklich zu sein“ verblüffende Erkenntnisse und erhält eine Vielzahl nachdenklich stimmender Anregungen wie beispielsweise die Idee eines Seniorenwohnprojekts. Durch die Lektüre setzt er sich unweigerlich mit dem Thema auseinander und ihm werden dadurch erst einige Zusammenhänge bewusst. Florian Langenscheidt und André Schulz haben den Sachverhalt mit Augenzwinkern in einem lockeren Schreibstil dargestellt und stets mit nachvollziehbaren Beispielen aus dem alltäglichen Leben verdeutlicht. Zudem amüsieren einige ihrer ironischen Kommentare. Zu empfehlen ist das Sachbuch gerade auch jüngeren Lesern, die allerdings aufgrund ihres noch nicht so ausgeprägten Erfahrungsschatzes ein anderes Verständnis für die Thematik aufbringen als ein weiser Mensch, der es mit Ruhe, Bedacht und Muße genießen wird.

Alt genug, um glücklich zu sein von Florian Langenscheidt und André Schulz

Alt genug, um glücklich zu sein
Heyne Verlag 2020
Hardcover mit Schutzumschlag
400 Seiten
ISBN 978-3-453-20733-2

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Bildquelle: Heyne Verlag


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