Angst von Georg Psota und Michael Horowitz

AngstWer unter einer wie auch immer gearteten Angst leidet, befindet sich in bester Gesellschaft, denn zahlreiche Prominente haben unter den verschiedensten Ängsten gelitten oder werden noch von ihnen heimgesucht, wie Georg Psota und Michael Horowitz in ihrem Ratgeber Angst deutlich machen. Eine Angst auslösende Bedrohung und die unmittelbar darauf einsetzende Reaktion, oft auch Schrecksekunde genannt, ist über Tausende von Jahren an die jeweils nächste Generation vererbt worden. Die schnelle Reaktion ist dem limbischen System zu verdanken, das, vereinfacht ausgedrückt, mit dem Neocortex und dem Hirnstamm verschaltet ist. Unbestritten ist, dass eine Angst auslösende Situation nützlich und überlebenswichtig sein kann. Erst eine übertriebene Gefahreneinschätzung stellt ein Problem dar und ist eine ernst zu nehmende Angsterkrankung, die unbehandelt in einer Depression enden oder zu einer Sucht führen kann.

Die Autoren erläutern in knapper Form die Funktionen des Klein-, Stamm- und Großhirns sowie des limbischen Systems und geben einen kurzen Überblick über die Entwicklungsgeschichte des menschlichen Gehirns. Sie schreiben, welche Aufgaben die Transmitter Serotonin und Oxytocin als körpereigene Botenstoffe erfüllen und erläutern die Begrifflichkeiten Stress und Burnout. Zu den Panikattacken, deren häufigste Form die Ausbildung einer Phobie ist, zählen nicht nur die Angst vor Spinnen, Schlangen, Dunkelheit oder Trennung, sondern beispielsweise auch die Magersucht, und es entsteht ein Teufelskreis, der sich oftmals über Jahre manifestieren konnte.

Georg Psota und Michael Horowitz wissen auch davon zu berichten, dass Adolf Hitler in „perverser Machtausübung“ mit der Angst der Menschen gespielt und sie so bewusst manipuliert hat. Der Diktator verstand es unter anderem mit Amphetaminen angereicherten Pralinen, ihnen ihre Ängste zu nehmen. Ohne Rezept war allen Pervitin zugänglich, das 1937 patentiert wurde. Wie die Autoren weiter ausführen, blieb das nicht ohne Folgen, denn bei den nachfolgenden Generationen wurde eine Zunahme der Angsterkrankungen verzeichnet.

Zu unterscheiden sind elementare und erworbene Ängste, wobei die frühe Kindheit prägend ist. Unbewältigte Ängste können bei Jugendlichen zu Mager- oder Brechsucht führen. Erstmals in der Geschichte der Menschheit tritt die Angst auf, zum „alten Eisen“ zu gehören. Georg Psota und Michael Horowitz erklären die Ursachen dieses Phänomens und was unter den vielfältigen Verhaltens- und Psychotherapien zu verstehen ist. Sie widmen sich den Wirkungsweisen von Valium und Antidepressiva, wobei sie auch Placeboeffekte nicht ausklammern.

Der Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, Georg Psota, und der Journalist Michael Horowitz informieren in ihrem Ratgeber umfassend und allgemeinverständlich mit zahlreichen Fallbeispielen über die Angst, die sich unterschiedlich äußern kann. Kritische Worte finden sie zur allgegenwärtigen Medienpräsenz und führen hierzu eine erschreckende Studie zur Verhaltensauffälligkeit von Kindern an. Eine weitere, nachdenklich stimmende Studie zu den Ängsten der Deutschen erwähnen sie ebenfalls, allerdings findet sich an keiner Stelle zu einer genannten Studie im Buch ein direkter Nachweis der Quelle, wohl aber eine Liste der verwendeten Literatur.

Erschreckend sind die Ausführungen über viele Kindersoldaten, denen Drogenmischungen verabreicht wurden und vermutlich immer noch irgendwo auf der Welt verabreicht werden, um sie für den Kampf einzustimmen und ihnen ihre berechtigten Ängste zu nehmen. Wenn unsere Vorfahren, die Kriege, Massenmorde und Folgen der Atombomben überstanden haben, ihre Ängste an unsere Gene weitergegeben haben und diese Ängste nun in uns weiterleben, ist es umso bedeutungsvoller, Kenntnisse über die Ausbildung einer Angst zu erzielen, wobei die Lektüre helfen kann, rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Georg Psota und Michael Horowitz, Angst, Residenz Verlag 2018, Hardcover mit Schutzumschlag, 214 Seiten, ISBN 978-3-7017-3437-5, Preis: 22,00 Euro.

Bildquelle: Residenz Verlag

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