Margareta Sommerfeld hat sich von ihrer Mutter Waltraud zu einer Tagestour mit dem Bus nach Bad Sassendorf überreden lassen. Sie selbst hat die vierzig zwar schon überschritten, aber zwischen den deutlich älteren Mitreisenden fühlt sie sich deplatziert. Umso mehr sticht ihr ein Mann ins Auge, der in ihrem Alter und dazu ungewöhnlich elegant gekleidet ist. Als Simon von Brehden zeigt er Interesse an der reichen, über siebzigjährigen Brigitte Hoffmann, doch Margareta erkennt in ihm ihren früheren Klassenkameraden Harald Kleinschnittger. In den nächsten Tagen recherchiert sie seinen Wohnort und erfährt von seiner Nachbarin Susanne Mackenrodt, dass sein Architekturbüro kurz vor der Insolvenz steht. Margareta besucht ihn und will wissen, warum er als gut aussehender, junger Mann Interesse an älteren Frauen hat. Nachdem sie die Nacht bei ihm verbracht hat, händigt er ihr einen Wohnungsschlüssel aus. Doch als Margareta ihn zum vereinbarten Termin besucht, findet sie ihn mit einer Drahtschlinge um den Hals tot im Heizungskeller vor.

Kommissar Helmut Blauländer und sein Kollege Kornblum von der Kripo Gelsenkirchen eilen, von Margareta telefonisch benachrichtigt, zum Wohnhaus des Toten und sind wenig begeistert, wieder mit der Hobbydetektivin zusammenzutreffen. Die hat jedoch schon vor dem Eintreffen der Beamten das Notizbuch von Harald an sich genommen und ist fest entschlossen, seinen Mörder zu finden. Ihr erster Weg führt zu einer Adresse in Geldern, wo Gräfin Carolin von Tiefsbach ein Café betreibt. Ihr Angestellter Arpad Horvat flößt Margareta Angst ein. Von der Gräfin erfährt sie, dass diese vor vier Monaten Simon von Brehden, alias Harald Kleinschnittger, einen Koffer voll Geld gab, mit dem er sich auf Nimmerwiedersehen aus dem Staub gemacht hat. Haralds Aufzeichnungen führen Margareta weiter zu Tanja Breuker, die ihm Liebesbriefe geschrieben hat. Da er ihre Liebe nicht erwiderte, zählt auch der Vater von Tanja, Oskar Breuker, zu den Verdächtigen, weil er möglicherweise seiner Tochter eine Schmach ersparen wollte. Doch auch Susanne Mackenrodt, bei der Harald häufig zum Essen war, könnte aus Eifersucht gemordet haben. Letztlich steht auch noch die für ihr Alter attraktive Brigitte Hoffmann von der Busfahrt auf Margaretas Liste, mit der sich Harald verlobt hatte und die schon die Hochzeitsglocken läuten hörte.

Die Figur ihrer Protagonistin musste Margit Kruse nicht erst erfinden, denn sie ist schlicht und ergreifend aus dem realen Leben gegriffen. Margareta hat nichts Besonderes oder Auffälliges an sich, sie ist weder eine Punkerin, noch zaubert sie in brenzligen Situationen ungewöhnliche Ideen aus dem Hut, wie es einige Ermittler erstaunlicherweise können. Sondern sie ist ein Mensch wie du und ich und jeder kann sich auf Anhieb mit ihr identifizieren. Die Autorin verzichtet in ihrem Roman auf halsbrecherische Schlägereien und atemberaubende Schießereien und vermag doch den Leser mit dem Plot über einen Heiratsschwindler und ihrer bildhaften Beschreibung der Geschehnisse zu fesseln. Für diesen Ruhr-Krimi hat sie Buer, ein Stadtteil von Gelsenkirchen, als Handlungsort gewählt und die Gelsenkirchener Kripo mag ihr verzeihen, dass der Romankommissar gegenüber der privaten Ermittlerin so wenig ausrichten konnte. Mit dem Buch Hochzeitsglocken ist Margit Kruse ein guter unterhaltsamer Roman mit authentischen Darstellungen gelungen, wobei lediglich der klischeebehaftete Auftritt eines Hartz IV Empfängers in Doppelrippunterhemd und mit von Bierschaum verklebtem Mund ein bedauernswerter Fehlgriff ist.

Margit Kruse, Hochzeitsglocken, Gmeiner Verlag 2014, Paperback, 282 Seiten, ISBN 978-3-8392-1601-9, Preis: 11,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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