Zechenbrand ist der zweite Buer-Krimi von Margit Kruse mit der taffen Hobbyermittlerin Margareta Sommerfeld, die inzwischen von der Verkäuferin in der Süßwarenabteilung bei Hertie in ein Geschäft für Damenoberbekleidung gewechselt hat. Ihre leidenschaftliche Beziehung mit Karol aus dem Roman Eisaugen fand ein jähes Ende, als sich dieser nach seinem beruflichen Aufstieg in eine Affäre mit seiner Sekretärin gestürzt hat und Margareta ist wieder einmal solo. Deshalb verbringt sie viel Zeit bei ihrem Bruder, der in einer alten Zechensiedlung in Hassel neben der stillgelegten Zeche Bergmannsglück lebt. Die Gebäude der ehemaligen Zeche sollen abgerissen werden, denn auf dem Gelände will die Wessel Rohr & Co.KG aus Dortmund eine neue Produktionsstätte errichten. Eine Bürgerinitiative der Anwohner möchte die historischen Gebäude erhalten, um dort eine Begegnungsstätte einzurichten.

An einem Samstagnachmittag ist Margareta in die Hasseler Zechensiedlung bei ihrem Bruder Gisbert, der sie wieder einmal verkuppeln will, zum Grillen eingeladen. Als das Grillfeuer bereits erloschen ist, kommen Kevin, der Sohn des Nachbarn Norbert Koslowski, und seine Kumpels aus dem Stadion zurück, um mit einem Kasten Bier den Sieg von Schalke 04 an einem Lagerfeuer auf dem ehemaligen Zechengelände zu feiern. Am nächsten Tag wird Kevin erschlagen auf dem Zechengelände aufgefunden. Margareta, die den freundlichen Jungen mochte, fasst den Entschluss, den Mörder zu finden. Kurze Zeit später wird im alten Verwaltungsgebäude der Zeche die Leiche des Stadtplaners Heribert Stempel aufgefunden und manch einer vermutet, dass die Morde mit der geplanten Firmenansiedlung zu tun haben.

Nach der Lektüre des Kriminalromans Zechenbrand könnte man meinen, dass Margit Kruse die letzte Bastion der „Kumpel“ in einer Zechensiedlung, wie es sie früher überall im „Kohlenpott“ gab, entdeckt hat. Denn bei einigen ihrer Charaktere scheint die Zeit vor dreißig Jahren stehen geblieben zu sein. Aber auch in Zeiten des Strukturwandels im Ruhrgebiet gibt es sie immer noch, diese kuriosen Menschen, die das Herz auf der Zunge tragen. Die Autorin beschreibt auf humorvolle Weise und sehr authentisch das Leben der Bewohner in einer typischen Zechensiedlung und schildert ihre Probleme und Ängste. Wie bereits in dem Kriminalroman Eisaugen ist auch dieser spannungsgeladene Fall eine Mischung aus Krimi und Milieuschilderung. Obwohl der Roman viel Lokalkolorit aufweist, werden auch Leser, die nicht aus dieser Region stammen, von der sympathischen Protagonistin Margareta Sommerfeld hingerissen sein. Wer allerdings die Orte der Handlung kennt, oder sogar dort aufgewachsen ist, wird von dem Kriminalroman Zechenbrand von Margit Kruse begeistert sein.

Margit Kruse, Zechenbrand, Gmeiner Verlag 2013, Paperback, 307 Seiten, ISBN 978-3-8392-1382-7, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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