Wer möchte nicht gelegentlich in seinem Leben die Zeit zurückdrehen können und eine kleine Korrektur der Weichen vornehmen? Vermeintlich begangene Fehler ungeschehen machen? Søren Jessen hat in dem Jugendbuch God Game seiner Fantasie freien Lauf gelassen und dem Protagonisten genau diese Möglichkeit gegeben.

Der 14-jährige Mads Petersen lebt mit seinen Eltern Eva und Ole, die als angehende Oberärzte aber kaum Zeit für ihn haben, in Dänemark. Als nur mäßiger Schüler besucht er die siebte Klasse, wird von seiner Lehrerin Frau Holst häufig verwarnt und zum Direktor bestellt. Während Mads in Carolines Gegenwart nervös wird, fürchtet er sich vor seinem Mitschüler Karloff, der als Schläger gilt und dessen Vater eine Gefängnisstrafe absitzt. Mads hat das Interesse an Büchern verloren, kennt dafür alle Computerspiele und zieht sich lieber Hardstyle hörend in sein Zimmer zurück.

Zufällig stößt er in einem Laden für Computerspiele auf eine CD mit der Aufschrift „Alles“. Da sie keinerlei Anleitung zum Spiel enthält, kann er sie umsonst mit nach Hause nehmen. Doch schnell wird Mads klar, dass damit für ihn alle Menschen auf der Welt zu Spielfiguren werden. Er hat damit die Macht, wie Gott die Zukunft zu beeinflussen. So nimmt er kleine Veränderungen im Leben seiner Mitmenschen vor und muss feststellen, dass das unabsehbare Folgen haben kann und kleinste Korrekturen zu Katastrophen führen können. Zu seiner Überraschung und Erleichterung kann er mit dem Programm sogar in der Zeit zurückgehen und neue Veränderungen vornehmen. Er manipuliert immer mehr und verliert bald den Überblick und die Kontrolle.

God Game von Søren Jessen ist für 13 bis 16-jährige Jugendliche geschrieben und vieles wird ihnen an Mads nur allzu vertraut vorkommen. Von seinen Eltern wird er immerzu wegen der Unordnung in seinem Zimmer ermahnt und von der Lehrerin bekommt er einen Brief, den die Eltern unterschreiben müssen. Wer den Film Und täglich grüßt das Murmeltier kennt, wird Parallelen dazu entdecken. Denn Mads durchlebt auch viele Situationen immer wieder aufs Neue und weiß schon vorher, was gleich passieren wird.

Søren Jessen wartet in seinem Buch aber nicht nur mit fiktionalen Spekulationen auf, wie der Möglichkeit die Zukunft zu beeinflussen, sondern macht den jungen Leser auch auf den Hunger in Afrika und Asien aufmerksam. Der Autor macht bewusst, dass sich viele Menschen stressbedingt wie Hamster in einem Laufrad abmühen. Viele Eltern haben heute zu wenig Zeit für ihre Kinder, denn anstelle von liebevoll zubereitetem Essen wird nur noch auf Backmischungen und Fertigessen zurückgegriffen. Wenn einmal von dem doch recht abrupten Schluss abgesehen wird, für den sich der Autor noch etwas Fantasie hätte aufsparen können, ist das Jugendbuch God Game rundum perfekt und spannend und zieht Jungen und Mädchen gleichermaßen in seinen Bann.

Søren Jessen, God Game, Gabriel Verlag 2012, Klappenbroschur, 240 Seiten, ISBN 978-3-522-30317-0, Preis: 12,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

3 Kommentare

  1. Liebe Beatrix Petrikowski,

    als Übersetzerin des besprochenen Buches freue ich mich über die positive Rezension! (Noch mehr würde ich mich freuen, wenn ich auch in den bibliographischen Angaben auftauchen würde … :-))

    Zu Ihrem Kritikpunkt mit dem „abrupten Schluss“ möchte ich anmerken, dass das durchaus vom Autor so gewollt ist: Mads kommt völlig unvermittelt und plötzlich an das Game heran – und genau so unvermittelt und plötzlich wird er es auch wieder los.

    Ansonsten aber danke für das Lob, das freut auch Søren Jessen sehr.

    Herzliche Grüße,
    Marieke Heimburger

  2. Da es uns grundsätzlich nicht möglich ist, die Übersetzungen eines Buches zu bewerten, haben wir auf diesbezügliche Hinweise verzichtet, womit wir
    selbstverständlich die Arbeit eines Übersetzers nicht abqualifizieren wollen!

    Es ist in Ordnung, wenn Mads so plötzlich das Game verliert, wie er es auch bekommen hat. Ungewöhnlich war, dass die Spannung, die ja auf einem hohen Level war, so abrupt abgebrochen ist. Ich will es mal mit einem Vergleich ausdrücken: Von einem Gipfel kann man abstürzen oder idealerweise absteigen, wobei das bei geübten Bergsteigern durchaus flott gehen kann. Der Autor hätte dem Leser vielleicht zum Adrenalinabbau noch ein wenig mehr Zeit lassen können, um quasi von seiner Anspannung „runter“ zu kommen.

  3. Das hört sich interessant an und wandert auf meinen Stapel zu lesender Bücher…

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