Gegen die Welt von Jan Brandt

Gegen die WeltDaniel Kuper scheint ein normaler Junge zu sein, der in einem beschaulichen Dorf namens Jericho aufwächst, dort die Schule besucht, Freundschaften knüpft und wieder löst, sowie ein gewisses Interesse an Mädchen besitzt. Diese Eigenschaften, gepaart mit viel Schabernack und Fantasie im Kopf, macht ihn zu einem gewöhnlichen Teenager. Jedoch ereignen sich im Verlauf der Geschichte merkwürdige Ereignisse: unter anderem das Auftauchen eines Kornkreises, der Selbstmord eines Mitschülers und ganze Häuserreihen beschmiert mit Hakenkreuzen. Als Übeltäter dieser merkwürdigen Geschehnisse wird Daniel ausgemacht, der nun in einen Kampf zwischen sich und seiner Umwelt verwickelt ist.

Dies ist in groben Zügen der Inhalt von Brandts Debütroman Gegen die Welt, und weist schon beim ersten Hören auf eine spannende und fesselnde Geschichte hin. Brandts Sprache wirkt von Anfang an sehr einfach, und ermöglicht es dem Leser schnell sich zurecht zu finden. Mit Hilfe der Sprache gelingt es Brandt, den Leser schon auf den ersten Seiten an sich zu binden. Die hinzugefügten Spielereien und Doppeldeutigkeiten geben der Geschichte eine Tiefe, die den Leser unweigerlich realisieren lässt, wie sich die Welt Daniels verändert. Jan Brandt wechselt hierbei zwischen der Sicht der verschiedenen Dorfbewohner und Daniels. Der häufige Perspektivwechsel weist anfängliche Störungen auf, da der Lesefluss des Lesers unterbrochen wird. Es gibt zahlreiche Kapitel in denen die Hauptfigur, wenn überhaupt, eine Randnotiz ist, und andere Personen seines näheren Umfeldes von Bedeutung sind. Diese Kapitel lassen eine große Schwäche erkennen, da sich Jan Brandt in seine Nebencharaktere vernarrt und nach meinem Geschmack zu viel „Liebe für das Detail“ an den Tag legt. So ähnelt diese Beschreibungswut dem Versuch einer ausufernden Archivierung aller Geschehnisse rund um die Haupthandlung, wodurch diese an Schärfe verliert und sich in Beliebigkeit aufzulösen droht.

Der Roman ist gespickt mit Entwicklungen. So verändern sich zu einem die Gemüter von einer gewissen Heiterkeit in eine bedrückende Stimmung, und vor allem Daniel, der von der Rolle eines gewöhnlichen Teenager in die eines Dorf-Irren gedrängt wird. Als dieser wird er von seiner Umwelt verstoßen und als Sündenbock für das entstandene Unglück ausgemacht. Dabei entsteht eine unverwechselbare Tragik, da Daniel alles korrigieren will, daran jedoch fast schon kläglich scheitert und sich noch stärker im Netz der Verwirrungen verheddert.

Zu den weiteren Stärken des Buches lässt sich auf jeden Fall das fundierte Detailwissen von Brandt nennen. Er besticht durch Interpretationen der Bibel und verkapselt diese in einem Gespräch zwischen Konfirmanden und dem Pfarrer. Des Weiteren zeigt er sein Wissen über die Vorzüge verschiedener Weinbaugebiete und lässt obendrein Zitate von Georg Büchner und Friedrich Nietzsche mit in den Text einfließen. An diesen Stellen beherrscht Brandt die Kunst, diese unscheinbar und nicht lächerlich wirken zu lassen. Die hinzukommende Wahrnehmung des Lesers sich oftmals eher in einer Halluzination des Protagonisten zu befinden, und nicht in seiner realen Welt, rundet das gezeigte Talent Brandts ab.

Am Ende des Romans findet eine 180 Grad Wendung statt, die bewirkt, dass der Leser ziemlich abrupt und unvorbereitet ein Ende vorgesetzt bekommt, das zunächst ziemlich unbefriedigend erscheint, jedoch im Endeffekt genau passend für diesen Roman ist.

Bildquelle: Dumont Verlag

Gegen die Welt von Jan Brandt

  • Dumont Verlag 2011
  • Hardcover
  • 928 Seiten
  • ISBN 978-3-8321-9628-8
Zum Angebot von AmazonPreis 22,99 €
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