Dreierblues von Barbara Schwarzl

DreierbluesDrei völlig verschiedene Menschen begegnen sich in einem Klinikum in Österreich: Der Ex-Junkie Richie, der aus Verantwortung für seine beiden Söhne seit zwei Jahren clean ist; der an Prostatakrebs im Endstadium erkrankte Hans, dessen Ehefrau Poldi seit zwei Jahren tot ist; und schließlich die von ihrem Ehemann verlassene Karin, die von Kopfschmerzen geplagt wird und an einem Burnout leidet. Drei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ihre Krankengeschichten vereinen sie zu einer gemeinsamen Komposition, dem Dreierblues.

Eines abends ist Hans traurig, denn wäre seine Poldi nicht verstorben, könnte er den sechzigsten Hochzeitstag feiern. Auf Richies Frage, wie er denn seine früheren Hochzeitstage begangen hätte, erzählt er mit Begeisterung von den unternommenen Urlaubsreisen. Als Karin bei dem Stichwort Urlaub auch noch sagt, dass sie immer schon mal in die Karibik wollte, entschließt sich Richie zunächst, mit Haus einen kleinen Ausflug in ein Lokal zu Freunden zu unternehmen. Wenig später macht er den beiden zu Weihnachten den nicht ganz uneigennützigen Vorschlag, eine vierwöchige „megageile, megacoole Reise“ in die Karibik zu unternehmen, quasi für den sterbenskranken Hans. Doch bevor es losgeht, benötigt Richie noch die Hilfe von Karin, denn noch fehlt das nötige Geld.

Die Idee, dass Todgeweihte noch einen letzten Urlaub am Meer verbringen, hatte bereits Thomas Jahn und Til Schweiger, die das Drehbuch für den Film „Knockin‘ on Heaven’s Door“ geschrieben haben. Tatsächlich knackt auch Richie mit Hilfe von Karin ein Auto, um an Geld zu kommen. Doch damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten. Barbara Schwarzl schreibt in einem recht rasanten Schreibstil und macht den Leser auf das weitere Handlungsgeschehen neugierig. Doch zu hoch sollte dieser seine Erwartungen nicht schrauben. Nachdem das Dreiergespann in einem Resort bestens untergekommen ist, besuchen sie einen Wunderheiler, bestaunen die Buckelwale und machen eine Reihe von Ausflügen, darunter nach Santo Domingo. Es gibt zwar reichlich Hintergrundinformationen, wodurch allerdings das eigentliche Geschehen vernachlässigt wird.

In kurzen Erwähnungen weist Barbara Schwarzl auf das Schicksal der zumeist aus dem Ostblock stammenden jungen Frauen hin, die zur Prostitution gezwungen werden und auf die Folgen einer Vergewaltigung. Ihre Handlungspersonen beschweren sich über die geringe Beinfreiheit und den „Fraß“, der ihnen in der Economy-Class während eines Fluges serviert wird und ihnen missfällt, dass ihnen im Pool-Bereich ihres Resorts nur Plastikbecher gereicht werden. Außerdem macht die Autorin lobenswerterweise auf die Diskrepanz zwischen den luxuriösen Hotelanlagen für Touristen und der in äußerst ärmlich lebenden Verhältnissen der Bevölkerung aufmerksam.

Richie, der eine kriminelle Vergangenheit hat, muss sich nicht nur um Hans sorgen, sondern auch noch Xavier fürchten, der just an dem Tag aus dem Gefängnis entlassen wird, an dem die drei ihre Reise antreten. Zudem traut ihm Karin nicht, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit vermutet, dass er wieder rückfällig geworden ist. Das Verhältnis der drei untereinander so verschiedenen Menschen könnte annäherungsweise mit Hass-Liebe bezeichnet werden, denn so sehr sie immer wieder anderer Meinung sind und kleine Konflikte austragen, so steht im Notfall jeder für den anderen ein. Der Roman Dreierblues, dem ein besseres Korrektorat wegen falscher Kommata-Setzung und Grammatikfehlern gutgetan hätte, ist eine kurzweilige Unterhaltung und ein Plädoyer gegen illegale Drogen.

Dreierblues von Barbara Schwarzl

Dreierblues
epubli 2019
Broschur
380 Seiten
ISBN 978-3-7485-1466-4

Preis: 12,99 Euro

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