Henrik May ist 1998 nach Namibia ausgewandert, um dort ein neues Leben zu beginnen. In Wüstenskifahren schildert er seine Erlebnisse. Bereits in seiner Kindheit war das Skifahren sein Hobby, was er bis zum Schanzenspringen perfektionierte. Mit dem Zusammenbruch der DDR freut er sich auf die Freiheit, lernt in Abendkursen Englisch und fasst den Entschluss, aus Deutschland auszuwandern.

In Namibia lernt er Angeln, wie man Haie vom Strand aus fängt und wie man Tiere schlachtet und ausnimmt. Er muss seine Post von einem Postfach holen, weil es keine Briefträger gibt und er nimmt erstaunt zur Kenntnis, dass hier sogar im Juni mit einem Umzug Karneval gefeiert wird! Er schreibt aber auch von den Gefahren, die von den Krokodilen ausgehen und der Angst vor Malaria. Das Gesundheitssystem entspricht natürlich nicht dem westlichen Standard. Das stark salzhaltige Grundwasser zerstört die Aluminiumwände der Pumpen und damit sind große finanzielle Verluste vorprogrammiert, wenn die Rohre platzen und mit dem wertvollen Wasser die Wüste bewässert wird. Er berichtet von den Schwierigkeiten mit den Behörden, wenn man eine Aufenthalts- oder Arbeitsgenehmigung benötigt. Und auch von der Gefahr zu verdursten, wenn man mit dem PKW in der Savannenlandschaft liegen bleibt.

Henrik May baut für sich und seine Gäste Pfahlbauten aus Naturmaterialien im Bungalowstil, wobei Riet als Deckmaterial verwendet wird. Das Abwasserproblem löst er mit Hilfe einer Wasserleitung von einer geschlossenen Mine, wobei er erste Bekanntschaften mit der dort vorherrschenden Korruption macht. Aber auf der anderen Seite gewinnt er auch Freunde aus einem anderen Kulturkreis, die für ihn oft Retter in der Not sind.

Seine Eltern sind ihm mittlerweile nach Namibia gefolgt. Nach drei Jahren Aufenthalt geht ihm das Geld für weitere Bauten und Einrichtungen aus und er nimmt einen Job am Fließband in Deutschland an. Gerade, als er einen Festvertrag für die Feriensaison bekommen soll, erreicht ihn die Nachricht von einem tödlichen Unfall seines Vaters. Niemand in der Familie weiß, wie es weitergehen soll, aber Henrik May verliert nicht sein Ziel vor Augen: In einem fernen Land zu leben, wo ein Mann noch ohne schriftlichen Vertrag zu seinem Wort steht.

Eines Tages macht er sich mit seinem Bruder auf zu den größten Dünen der Welt und begibt sich auf unbekanntes Terrain. Er will das Dünenskifahren ausprobieren! Ob das funktionieren kann? Seit fünf Jahren hat er nicht mehr auf Skiern gestanden, die Düne ist doppelt so groß und viel steiler als sein letzter Skihang! Das Erlebnis übersteigt seine Vorstellungskraft und der Beweis, dass es funktioniert, ist erbracht!

Henrik May bringt uns in Wüstenskifahren die Abenteuer des Wüstenlebens ins Wohnzimmer! Dank der vielen Fotos, die auf dem Hochglanzpapier auch gut zur Geltung kommen, kann man sich die Bauweise der Bungalows auch besser vorstellen. In anschaulicher und einfacher Sprache erfährt der Leser, dass es den Wüstenbewohnern nicht um ein schmackhaftes Essen wie in Europa geht, sondern lediglich ums nackte Überleben. Der Autor hat in Deutschland eine Tendenz entdeckt, die ihn zum Auswandern veranlasst hat. Er sieht Neid, Konsumüberdruss, immer weniger Zusammenhalt unter den Mitmenschen sowie eine Ich-Gesellschaft und bedauert nach zwölf Jahren des Lebens in Namibia, dass sich dort ähnliche Parallelen zeigen. Einmal abgesehen von den teilweise zu langatmigen Ausführungen über das Skispringen und einiger anderer unnötiger Details, die nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun haben, ist Wüstenskifahren von Henrik May interessant zu lesen. Das Buch bietet Hintergrundinformationen aus erster Hand vom Leben und den sich ergebenen Schwierigkeiten auf dem afrikanischen Kontinent. Zum Schluss empfiehlt er jedem, sich nicht von seinen Ideen abbringen zu lassen und seinen Weg zu gehen.

Henrik May, Wüstenskifahren – Ausstieg nach Namibia, Engelsdorfer Verlag 2011, komplett farbiger Festeinband, 202 Seiten, ISBN 978-3-86268-337-6, Preis: 12,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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