Wie der Titel Wir sind die Kinder der 80er bereits vermuten lässt, geht es in diesem Buch von Philip J. Dingeldey um alles, was sich in diesem Jahrzehnt in der Welt ereignet hat, erfunden wurde oder gerade „in“ war. Mädchen spielten nach Recherchen des Autors mit einer Baby Born Puppe, und Jungen liebten Matchbox- und Siku-Autos. Das Rutschauto Bobby Car fand reißenden Absatz und Kinder sahen die Sesamstraße, lauschten den Hexereien von Bibi Blocksberg und lasen neben Büchern von Astrid Lindgren, Die unendliche Geschichte oder „Janoschs Traumstunde“. Für die Schule musste es ein Scout oder Amigo Schulranzen sein, die Poesiealben waren entweder blau oder rosa und beliebte Spiele waren das „Flaschendrehen“ oder die „Reise nach Jerusalem“. Die Geburtstage feierte man gerne bei Burger King oder McDonald’s, die Mädchen gingen zum Ballett und die Jungen spielten Fußball. Auf der Kirmes lockte der Auto-Skooter und leidenschaftlich wurden Figuren aus Überraschungseiern gesammelt.

Es war die Zeit des Kalten Krieges, als die Sowjets auch in Afghanistan einmarschierten. Die iranische Revolution führte zur Entmachtung des Schah von Persien und an seine Stelle trat Ajatollah Chomeini. Im Irak brach ein Krieg aus und in Peking fand ein Massaker auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ statt. Philip J. Dingeldey erinnert an das Unglück von Tschernobyl und die Reden von Heinrich Böll, Petra Kelly und Willy Brandt sowie an die Friedensdemonstrationen. Helmut Kohl löste Helmut Schmidt als Bundeskanzler ab, und die Berliner Mauer fiel.

Der Musikmarkt wurde von der Neuen Deutschen Welle dominiert und Nena, die Bee Gees, Madonna, Nicole, Phil Collins oder Michael Jackson setzten neue Akzente. Die Plastikwanne vertrieb die Zinkbadewanne, die Haarmode veränderte sich wie auch der Kleidungsstil, und Punks bevölkerten das Straßenbild. In der Erziehung wurden wieder Grenzen gesetzt, die Studenten saßen in überfüllten Hörsälen und erstmals tauchten Begriffe wie HIV und Aids auf. Fast jeder kannte Katharina Witt und Boris Becker und Deutschland bejubelte 1990 die Fußballweltmeister.

Philip J. Dingeldey schreibt in der Wir-Form, um dem Leser so die Identifikation mit den Personen zu erleichtern, die er in dem Buch Wir sind die Kinder der 80er vom Babyalter über die Kindergarten- und Schulzeit bis zum Eintritt in ein Studium begleitet. Allerdings sind fast alle diesbezüglichen Aussagen Plattitüden. Denn auch die Kinder in den darauf folgenden Jahrzehnten wurden bis heute mit Spielsachen überhäuft und auch in unserer Zeit müssen Eltern ihre Kinder auf der Schaukel anschubsen. Frische Luft tat nicht nur den Kindern der 80er Jahre gut und immer noch sind sie stolz, endlich ein Schulkind zu sein. Kinder haben zu allen Zeiten Tiere geliebt, und zur Vorbeugung von Unfällen werden die lieben Kleinen natürlich auch heute noch in ein Gitterbett gelegt.

Das Buch, das auf edlem Hochglanzpapier gedruckt wurde, ist auf jeder Seite mit farbigen, zum Text passenden Fotos ausgestattet, so dass sich der Leser beispielsweise ein Bild von der damaligen Frisurmode machen kann. Mit der Erinnerung an zahlreiche politische und gesellschaftliche Ereignisse der 80er Jahre, die der Autor im Wechsel zum Heranwachsen der Kinder dieser Zeit eingefügt hat, leistet das Buch zwar einen wichtigen Beitrag, doch wer an den Hintergründen interessiert ist, muss in anderen Quellen nachschlagen.

Philip J. Dingeldey, Wir sind die Kinder der 80er, Wartberg Verlag 2014, Hardcover, 72 Seiten, ISBN 978-3-8313-2487-3, Preis: 15,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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