Philip J. Dingeldey, der davon überzeugt ist, dass Nürnberg – einfach Spitze! ist, beginnt sein Buch mit der Aufzählung von Superlativen. Dazu zählen die älteste Buchhandlung sowie das größte Kino von Deutschland, in dem auch Silvesterpartys gefeiert werden. In Nürnberg steht die älteste Kettenbrücke Europas, die Stadt beherbergt den größten europäischen Figurenbrunnen und einzigartig auf der Welt ist auch ein riesiger Kessel für eine Feuerzangenbowle.

Der Autor weiß von mittelalterlichen Traditionen zu berichten und bis in diese Zeit zurückreichenden Festen. Er gibt Hintergrundinformationen zur Kaiserburg, dem Wahrzeichen von Nürnberg, schreibt von Fußball und Trachtenmode sowie vom fränkischen Dialekt. Natürlich widmet er auch dem weit über die Grenzen hinaus bekannten Christkindlesmarkt und den berühmten Nürnberger Lebkuchen einen Abschnitt und vergisst dabei nicht, ein weiteres Markenzeichen zu erwähnen: Die Nürnberger Rostbratwurst.

In die Rubrik der Legenden, von denen Philip J. Dingeldey schreibt, reiht sich die Figur des Kaspar Hauser ein. Bis heute konnte nicht geklärt werden, wer dieser Mann war und woher er kam. Über die Bedeutung der Meistersinger klärt der Autor auf und auch, dass das Tempo Taschentuch in Nürnberg seinen Ursprung hat. Nicht nur er selbst, sondern kein Geringerer als Albrecht Dürer ist in dieser Stadt geboren, die über ursprüngliche und romantische Naherholungsgebiete verfügt. Das Bierbrauen hat hier Tradition und beim fränkischen Bierfest, so ist zu lesen, sind über 40 Brauereien vertreten. Man feiert Volksfeste, erfreut sich jährlich eines zweiwöchigen deutsch-türkischen Filmfestivals, das Bardentreffen hat bereits Kultstatus erlangt und wird nur noch von dem Open-Air-Musikfestival Rock im Park getoppt.

Kaum vorstellbar ist ein Restaurant, in dem das Essen auf Rädern zu den Gästen „angesaust“ kommen soll und wo nicht nur das Servieren automatisch abläuft, sondern auch die Bestellung voll automatisiert über die Bühne geht. Die Stadt, in der nach dem Kriegsende die Nürnberger Prozesse stattfanden, bezeichnet sich als Stadt des Friedens und der Menschenrechte. So unterstützt eine Stiftung Menschenrechtsprojekte, und die Bewohner sind stolz auf Petra Kelly, die viele Jahre in Nürnberg gelebt hat und der zu Ehren sie einen Platz gewidmet haben.

Das Buch Nürnberg – einfach Spitze! von Philip J. Dingeldey lässt bestimmt die Brüste der Nürnberger vor Stolz anschwellen und ihre Herzen höher schlagen. Doch für Auswärtige ist das Buch nicht weniger interessant, zumindest dann, wenn sie einen Städtetrip dorthin planen. Zwar ist kein Kartenmaterial beigefügt und es werden keine Eintrittspreise genannt, doch man bekommt schon einmal eine Übersicht über die wichtigsten und interessantesten Gebäude und Denkmäler, die es aufzusuchen gilt. Wenn auch einige wenige Sätze unglücklich ausformuliert sind und es bei der Person Albrecht Dürers über sein Todesjahr zu einem Missverständnis aufgrund eines fehlenden Wortes kommt, so ist das Buch mit zahlreichen Fotos nicht zu verachten und macht neugierig auf einen Besuch in Nürnberg.

Philip J. Dingeldey, Nürnberg – einfach Spitze!, Wartberg Verlag 2016, Hardcover, 95 Seiten, ISBN 978-3-8313-2921-2, Preis: 14,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

1 Kommentar

  1. Gustavo Woltmann

    Nürnberg ist auf jeden Fall eine interessante Stadt, und definitiv einen Besuch wert. Ich reise gerne außerhalb von irgendwelchen Festen, sei es Christkindlmarkt oder Bierfest, da ist es etwas ruhiger und ich kann gut auf Gedränge verzichten.

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