Wenn das Schlachten vorbei ist von T. C. Boyle

Wenn das Schlachten vorbei ist
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Die Umweltschützerin Alma Boyd will auf den kalifornischen Kanalinseln, auf denen schon ihre Großmutter heimisch war, das Ökosystem wiederherstellen. Als promovierte Ökologin kämpft sie für die Ausrottung der Ratten auf Anacapa, die 1853 durch ein Schiffsunglück auf die Insel gelangten und sich seitdem zügellos vermehrten. Almas Lebensgefährte Tim ist Vogelkundler und unterstützt sie bei ihrer Arbeit. Um anderen bedrohten Tierarten wieder einen Lebensraum bieten zu können, werden die Ratten mit Brodifacoum getötet, was einen langsamen Tod durch innere Blutungen hervorruft.

Dave LaJoy ist ihr ärgster Gegner und unternimmt alles in seiner Macht stehende, um die Tiere vor diesem grausamen Tod zu retten. Während eines Vortrages von Alma droht er ihr, erst damit aufzuhören, Wenn das Schlachten vorbei ist. Seine Freundin Anise leidet noch heute an einem Trauma aus Kindheitstagen und schließt sich daher seinem Vorhaben an. Gemeinsam ignorieren Dave und Anise mit weiteren Tierschützern immer wieder die aufgestellten Hinweisschilder, nach denen das Betreten der Inseln für alle Besucher verboten ist. Doch ist er wild entschlossen, das Schlachten und Leid der Tiere zu dokumentieren. Es kommt zu immer größeren Anfeindungen der beiden Parteien, denn jede Gruppe will ihre Interessen durchsetzen.

T. C. Boyle hat in seinem aufrüttelnden und sehr nachdenklich stimmenden Roman Wenn das Schlachten vorbei ist seine außergewöhnliche Beobachtungsgabe unter Beweis gestellt. Obwohl er mit der wörtlichen Rede äußerst sparsam umging, ist das Ergebnis ein fesselnder und an keiner Stelle langatmiger Roman. Mit seinen Detailbeschreibungen fühlt sich der Leser als Zuschauer des Geschehens und empfindet sowohl für die Umweltschützerin Alma, als auch für den Tierschützer Dave Sympathien. T. C. Boyle hat mit dem vorliegenden Werk eine Familienchronik über drei Generationen verfasst, wobei es ihm aber vordergründig darum ging, die Wechselwirkungen in einem bestehenden Ökosystem aufzuzeigen. Denn dieses empfindliche Ökosystem, dessen Ineinandergreifen unvorhersehbar ist, wird durch kleinste Eingriffe gestört. Als Folge des Einsatzes von DDT nahm in seinem Roman sekundär die Population der Schafe überhand. Die Schafe wurden eliminiert, was den Fenchelstauden ungebremstes Wachstum ermöglichte. Das wiederum bot den Schweinen eine ideale Deckung, die sich so in der Folge rasant vermehren konnten. Nun begann die Jagd auf die Schweine, die nach den Tierschutzgesetzen „sauber“ getötet wurden und die Kadaver hat man einfach liegengelassen, weil das Einfangen der Tiere zu gefährlich gewesen wäre.

Bei der Beschreibung der Maßnahmen zur Ausrottung der Tiere sowie generell zum Schlachten zwecks Verzehr oder bei den üblicherweise durchgeführten Tierversuchen ist T. C. Boyle sehr deutlich geworden. Manch empfindlicher Leser wird auch schockieren, wenn eine Schlange seziert wird. Da der Autor selbst in Kalifornien lebt, konnte er wohl auch den für die Kanalinseln so typisch auftretenden Wind und die Nebel so authentisch beschreiben und tatsächlich leben auf den Inseln heute seltene Tiere, die es nur noch dort gibt.

T. C. Boyle, Wenn das Schlachten vorbei ist, Carl Hanser Verlag 2012, Hardcover mit Schutzumschlag, 461 Seiten, ISBN 978-3-446-23734-6, Preis: 22,90 Euro.

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