Yoga gehört zu den weltweit am schnellsten wachsenden Fitness- und Gesundheits-Aktivitäten. In Deutschland praktizieren mindestens drei Millionen Menschen regelmäßig Yoga und in den USA sind es etwa 20 Millionen, denn die zahlreichen positiven Eigenschaften von Yoga sind allgemein bekannt. Der Wissenschaftsjournalist William J. Broad praktiziert seit 1970 Yoga. Mit seinem Buch The Science of Yoga löste er in den USA eine heftige Kontroverse aus, denn er berichtet darin über verborgene Risiken und Gefahren von Yoga.

In jahrelangen Recherchen hat William J. Broad die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung zusammengetragen, um einige Fragen rund um Yoga zu beantworten. Die erlangten Erkenntnisse unterscheiden sich in mancher Hinsicht von den üblichen Behauptungen und bieten einige positive Überraschungen. So untermauern neuere wissenschaftliche Studien die These, dass Yoga das Sexualleben von Männern und Frauen verbessern kann. Auch die Vorteile für das Wohlbefinden sind beträchtlich, denn jüngere Studien deuten darauf hin, dass durch Yoga körpereigene Substanzen im Gehirn freigesetzt werden, die eine stark antidepressive Wirkung haben. Seit Jahrzehnten wird die Disziplin als eine großartige Methode zum Abnehmen angepriesen, doch nun stellt sich heraus, dass Yoga den Stoffwechsel herunterfährt. Personen, die Yoga betreiben, müssten somit weniger Kalorien verbrennen und Fettpolster anlegen. Wissenschaftliche Studien lassen vermuten, dass eine erfolgreiche Gewichtsreduzierung nicht wegen, sondern trotz der grundlegenden Wirkung von Yoga auf den Stoffwechsel zustande kommt. Einige angebliche Wunderwirkungen des Yoga haben sich als unwahr erwiesen, doch kann es die Stimmung heben, Herzerkrankungen entgegenwirken und möglicherweise die biologische Uhr verlangsamen. Aber auch die Wissenschaft hat nicht alle Antworten.

Wer sich bei einem Friseurbesuch die Haare waschen lässt und dabei den Kopf zu weit in den Nacken legt, begibt sich in Lebensgefahr. Das behauptet zumindest William J. Broad in seinem Buch The Science of Yoga, denn durch den harten Waschbeckenrand wird der Blutfluss in den Arterien verringert, was zu einem Schlaganfall führen kann. Gleiches gilt für einige Yoga-Stellungen, wie der Schulterstand, die Kobra oder der Pflug, die den Nacken stark beanspruchen, was unbestreitbar auch zu einem Schlaganfall führen kann. Allerdings sind die Ausführungen des Autors über Verletzungen und Unfälle beim Yoga, die zu schweren Behinderungen oder zum Tod führen können, reichlich überzogen. Unfälle und Verletzungen sind beim Yoga weniger zahlreich und im Vergleich zu anderen Sportarten seltener. Doch ohne einen wissenschaftlichen Nachweis behauptet der Autor, dass die Verletzungen beim Yoga schwerwiegender wären. Auch für die Behauptung, wer Yoga praktiziert, würde ein anderes Körperbewusstsein entwickeln und deshalb weniger essen, wodurch es zu einer Gewichtsreduzierung kommt, gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Der Frage, ob es durch Yoga-Übungen zu Muskelwachstum und damit zu einer Gewichtsreduzierung kommt, ist der Autor erst gar nicht nachgegangen. Obwohl die wissenschaftlichen Studien sehr zweifelhaft sind. Denn sie wurden nicht, wie bei der Einführung eines neuen Medikaments, an hunderten von Probanden durchgeführt, sondern teilweise haben weniger als ein Dutzend Personen daran teilgenommen. Wenn William J. Broad Material darüber gesammelt hätte, wie viele Menschen einen Schlaganfall in öffentlichen Verkehrsmitteln erleiden, hätte er vielleicht herausgefunden, dass die Benutzung von Bus und Bahn gefährlicher ist als Yoga.

William J. Broad, The Science of Yoga, Herder Verlag 2013, Hardcover, 400 Seiten, ISBN 978-3-451-30685-3, Preis: 22,00 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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