Bereits in seinem Vorwort des Buches Die weiße Mafia spricht Frank Wittig von mafiösen Strukturen innerhalb der Medizin. Zur Erklärung führt er Bereiche an, in denen die Medizin nicht nur nicht hilft, sondern sogar schadet. Ein verblüffendes Ergebnis hat eine Studie im Zusammenhang mit der Knorpelglättung am Knie erbracht. Demnach ist dieser Eingriff genau so unnötig wie die viel zu häufige Entfernung der Gebärmutter. Symptomlosen Patienten wird ein Stent eingesetzt, der nur dem Arzt Geld einbringt. Denn bekommt dieser Mensch tatsächlich eines Tages Probleme mit seinem Herzen, kassiert die Klinik ein zweites Mal: Jetzt mit einem sinnvollen Bypass. Auch der in Deutschland häufigste medizinische Eingriff an der Bandscheibe hat meistens nur für den Chirurg einen Vorteil, Operationen werden konservativen Behandlungen vorgezogen. Und mit einem Lockvogel konnte der Beweis erbracht werden, dass Bohrer sogar an nicht kariösen Zähnen angesetzt werden. Dass alles haben wir einer Überversorgung zu verdanken, die dem Menschen mehr schadet als nutzt.

Nach Frank Wittigs Meinung gibt es bei uns mehr Operateure als kranke Menschen, weshalb die unbedingt zu kranken gemacht werden müssen. Darüber wurde vom ehemaligen Gesundheitsminister Bahr eine Studie in Auftrag gegeben, die ausgerechnet an die Deutsche Krankenhausgesellschaft erteilt wurde. Jeder kann sich leicht denken, zu wessen Gunsten das Ergebnis ausgefallen ist. Der Autor nimmt das derzeitige Abrechnungssystem der Krankenhäuser kritisch unter die Lupe, wodurch sich zwangsweise aufwendigere Behandlungen mit den sich daraus negativen Folgen für den Patienten ergeben. So unglaublich es klingen mag, aber in Gesprächen will Frank Wittig erfahren haben, dass die Chirurgen einen Bonus bei Steigerung der Anzahl ihrer Operationen bekommen.

Millionen Menschen werden wegen eines angeblich, weil willkürlich festgesetzten, zu hohen Cholesterinwerts behandelt, wobei der Einfluss auf Arteriosklerose bis heute nicht nachgewiesen werden konnte und die Senkung den Menschen sogar schaden kann. Ähnlich verhält es sich mit den synthetisch hergestellten Vitaminen, denn ein Zuviel an Vitamin A oder E ist ebenfalls schädlich. Aber auch hier hält sich durch eine bewusste Fehlinformation der Bevölkerung die falsche Meinung, Vitamine seien immer gut.

Frank Wittig spricht das heikle Thema Chemotherapie, die praktisch keine Lebensverlängerung bewirkt, und ihre enormen Kosten an. Er kritisiert, dass Pharmafirmen doppelt so viel Geld für das Marketing als für die Forschung ausgeben und dass die Grippeimpfung von der WHO empfohlen wird, die ausgerechnet von der Pharmaindustrie großzügig finanziert wird. Er schreibt von der unsinnigen Früherkennung des Prostatakrebs, von sinnloser Hinauszögerung des Sterbevorgangs und davon, dass häufig nur positives Datenmaterial veröffentlicht wird, wobei er die verantwortlichen Behörden nicht aus ihrer Verantwortung nimmt. Dass er sich bei all den unglaublichen Dreistigkeiten sarkastische Töne nicht verkneifen kann, wundert wohl niemanden.

Das Buch Die weiße Mafia endet mit einer Aufzählung unabhängiger Webseiten zur weiteren Information und damit, was für eine Wende in der Medizin für mehr Menschlichkeit getan werden müsste. Wie es bei einem gut recherchierenden Journalisten nicht anders zu erwarten ist, nennt Frank Wittig natürlich auch die Quellen seiner ungeheuerlichen Behauptungen. Er zwingt den Leser geradezu zum Nachdenken, wenn er ihn mit „Was meinen Sie?“ direkt anspricht und leicht provoziert. Für das Buch sind keine medizinischen Vorkenntnisse nötig, alles ist für den Laien verständlich erklärt. Trotzdem schüttelt der Leser am Ende verständnislos den Kopf, weil er die Geldgier vieler Ärzte einfach nicht fassen kann.

Frank Wittig, Die weiße Mafia, Riva Verlag 2015, Broschur, 224 Seiten, ISBN 978-3-86883-584-7, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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