In bestem Ruhrpott-Deutsch schreibt Volker Kosznitzki Geschichten über Günner Mambrallek, der sich als bekennender Gewerkschafter den Titel eines Dipl.-Cholerikers zugelegt hat. Obwohl Günner an seinem Wohnort die Innenstadt nicht gefällt, ist er stolz auf das „Berchbaumuseum“. Verheiratet ist er mit „Lissbett“, die ihm sogar Vorschriften macht, wie er zu pinkeln hat. Vergeblich sucht er in einem Biergarten bei ein paar „Pilskes“ Entspannung, zieht sich einen Bandscheibenschaden zu, als er gegen Wildtauben vorgehen will und kommt einem Zeitschriftenwerber bei einer Urkundenfälschung auf die Schliche. Günner versteht nicht, wieso die „Verschönerung“ eines Wahlplakats Sachbeschädigung sein soll, hält nur eine Abgeordnetendiät für eine wahre Diät, wird von einer früheren Schulkollegin über „Traumfänger“ aufgeklärt und sammelt Erfahrungen als Patient im Krankenhaus.

Volker Kosznitzki gibt in dem Buch Günner Mambrallek: So isset! Ruhrpott-Geschichten zum Besten, von denen einige eher zum Heulen sind, als zum Lachen. Denn Günner Mambrallek nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um politische, gesellschaftliche oder soziale Missstände in unserem Land geht. Unserer Kanzlerin unterstellt er Schwachsinn und sieht in ihr eine Vogelscheuche, während er mit einem schwulen Milchbubi von der blau-gelben Partei hart ins Gericht geht. In kabarettistischer Manier stellt er fest, dass Politiker sogar noch die Zeit für einen fünfstelligen Nebenverdienst finden, Reiche sich einen Doktortitel kaufen können und wie die Misere von Hartz IV zu Stande kam. Am lautesten jammern die, die am meisten haben und marode Banken werden mit Steuergeldern unterstützt. Günner geht mit offenen Augen durch die Welt und ärgert sich im Kaufhaus über die nicht funktionierende Leergutannahme, über unbesetzte Polizeiwachen am Abend und die Internetmafia. Die Bahn ist schon mit drei Schneeflocken überfordert, die uns drohende Klimaerwärmung sucht er vergeblich, ein Kraftwerk wird einfach ohne Baugenehmigung gebaut und alte Menschen fordern Rücksichtnahme, aber nur von anderen.

Bei so viel Ärger schickt Volker Kosznitki in den Ruhrpott-Geschichten Günner Mambrallek: So isset! seinen Protagonisten lieber in die Kneipe zu Jupp Stratmann. Günner denkt gerne an die alten Zeiten mit Manni Breuckmann, als noch niemand an die heutige „Abzocke durch Unitymedia“ dachte. Anstelle teurer Medikamente gegen Vergesslichkeit empfiehlt er lieber ein „Pilsken“ und alle „Weet-Wottschers“ sollten lieber das Auto gegen ein Fahrrad tauschen. Zu den sich durch das komplette Buch ziehenden Anrufen von Call-Centern gibt er dem Leser wirkungsvolle Ratschläge, wie er damit umgehen sollte. Volker Kosznitzki hat ergänzend zu den lustig-bissigen Geschichten Karikaturen gezeichnet, von denen eine das Cover ziert. Wenn auch nur Insider wissen, wer mit Frau Hoffelmann gemeint ist, die an ihrer Marktbude schon immer gesalzene Preise gefordert hat, so dürften trotzdem alle Leser Spaß an den Geschichten haben, die gerade die kleinen Dinge des Alltags aufs Korn nehmen. Um mit Günner Mambralleks Worten zu schließen: Glückauf!

Volker Kosznitki, Günner Mambrallek: So isset!, Edition Paashaas Verlag 2011, Paperback, 152 Seiten, ISBN 978-3-9813928-7-6, Preis: 11,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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