Nikos Reise durch Raum und Zeit von Sonia Fernández-Vidal

Nikos Reise durch Raum und Zeit
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Wer bei dem Wort „Physik“ nur an einen Schaltkreis aus dem Schulunterricht denkt oder glaubt, dass die wissenschaftliche Erforschung von Naturerscheinungen lediglich etwas mit dem „Saft“ zu tun hat, der aus unseren Steckdosen kommt, ist „schief gewickelt“. Denn um beispielsweise den vorliegenden Text auf einer Webseite veröffentlichen und somit für jeden lesbar machen zu können, setzt das einen Austausch von Daten über das World Wide Web voraus, den der Physiker Tim Berners-Lee 1989 mit der Entwicklung von HTML im weltweit größten Forschungszentrum CERN ermöglicht hat.

Nikos Reise durch Raum und Zeit ist ein Roman, in dem Sonia Fernández-Vidal ihren Protagonisten Abenteuer erleben lässt, die jungen Lesern physikalische Zusammenhänge anschaulich erklären. Niko, der eigentlich auf dem Weg zur Schule ist, entdeckt ein zuvor nicht existierendes Haus. Neugierig tritt er ein und nachdem er eine gefundene Schachtel öffnet, gibt es eine gewaltige Explosion. Ein Elfe, der sich Niko als Wissenschaftler Eldwen vorstellt, erklärt ihm, dass es sich dabei um den Urknall gehandelt hat und Niko blickt erstaunt auf einen Kampf zwischen Materie und Antimaterie. Mit der schönen Fee Quiona, die einen Doktortitel als Quantenfee anstrebt, geht er durch eine Wand, was die Elfen als „tunneln“ bezeichnen und der Uhrmacher Kronos klärt Niko darüber auf, dass Raum und Zeit von der Geschwindigkeit der eigenen Bewegung abhängen. Doch Eldwen und Quiona werden vom Vizedirektor Anred des Quanten-Geheimdienstes und von den Schwarzen Spektren gejagt, weil sie ein seit 1700 Jahren bestehendes Gesetz gebrochen haben, das den Kontakt zu Menschen untersagt. Helfen kann nur noch der Meister-Zen-O, der ihnen tatsächlich eine geheime, kryptografisch erstellte Botschaft sendet.

Den Roman Nikos Reise durch Raum und Zeit empfiehlt der Verlag für 12 bis 15-Jährige, was jedoch nicht ausschließt, dass es selbst noch für Erwachsene interessant sein kann. Sonia Fernández-Vidal hat ihre Doktorarbeit über die Quanteninformation und –optik geschrieben und hält seit einigen Jahren Einführungsveranstaltungen in die Quantenphysik vor wissenschaftsfremdem Publikum. Die Autorin führt dazu einfache Vergleiche aus dem Alltagsleben an, die jeder kennt. Materie und Antimaterie kämpfen beispielsweise auf einem Fußballfeld gegeneinander und bei der von Einstein aufgestellten Relativitätstheorie bedient sie sich zur Erklärung einer Eisenbahnfahrt. In die Geschichte bindet Sonia Fernández-Vidal geschickt Wissenswertes über den Aufbau der Atome, der Teleportation, des Superpositionsprinzips und über das Paralleluniversum ein. Sie erläutert die Heisenbergsche Unschärferelation, die Entstehung der Schwarzen Löcher durch kollabierende Sterne und auch die Funktion eines Teilchenbeschleunigers.

Dem Leser wird nach der Lektüre klar, dass wir Menschen im Allgemeinen viel zu viel als gegeben voraussetzen, was die Autorin mit einfachen, aber verblüffenden Rätseln aufzeigt. Indem wir oftmals unsere Fragen falsch formulieren, erhalten wir nie neue Antworten. Alles auf der Welt ist eine Frage der Perspektive und wenn sich etwas ändern soll, dürfen wir nicht immer das Gleiche tun. Ein beachtenswertes Buch! Auch die Arbeit der Übersetzerin Kristin Lohmann ist eine Leistung, denn spätestens beim angehängten „Wörterbuch für Fortgeschrittene“ dürften ihr die Neutronen, Protonen und Tauonen durch den Kopf geschwirrt sein.

Sonia Fernández-Vidal, Nikos Reise durch Raum und Zeit, Carl Hanser Verlag 2013, Hardcover, 208 Seiten, ISBN 978-3-446-24311-8, Preis: 14,90 Euro.

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