Iris Hadbawnik wollte dem Mythos Mount Everest nachgehen und hat sich daher intensiv mit diesem höchsten Gipfel auseinandergesetzt. Seit den ersten Pionieren George Mallory und Andrew Irvine, die 1924 ein bis heute ungeklärtes Schicksal ereilte und der Erstbesteigung durch Edmund Hillary und Tenzing Norgay im Mai 1953 hat sich vieles geändert. In den Basislagern lauern zuweilen einige hundert Bergsteiger auf ein Schönwetterfenster. Ihnen wird zwar der Aufstieg durch Sauerstoff und jedes Jahr neu angebrachte Fixseile erleichtert, doch vor Erfrierungen, plötzlich aufkommende Winde und Schneefälle, Erschöpfung und nachlassende Kräfte aus Selbstüberschätzung sind sie nicht gefeit. Interessant sind in diesem Zusammenhang erwähnte neueste Erkenntnisse über unsere modernen Synthetikfasern im Vergleich zu der altertümlichen Kleidung der Pioniere.

Die Autorin verweist mit einer Statistik auf die Toten, die der Mount Everest jedes Jahr fordert und listet die Ursachen. Ein eigener Beitrag geht auf die Höhenkrankheit ein, ihre Auslöser und Verhaltensregeln. Eine Akklimatisierung, die deutlich über acht Wochen liegen sollte, ist unbedingt nötig. Für die Sherpa, die sowohl eine Expedition leiten können und als Träger oftmals unverzichtbar sind, ist die sofortige Umkehr dringend geraten, wenn der Gipfel nicht bis 11 Uhr erreicht ist. Doch leider kommt es immer wieder vor, dass ihre Warnungen nicht befolgt werden. Die vom Gipfelsieg Besessenen steigen alleine weiter auf, was sie meistens mit ihrem Leben bezahlen.

Iris Hadbawnik hat Russell Brice interviewt, der als verantwortungsvoller Expeditionsleiter beste Erfolge vorweisen kann und auch Jochen Hemmleb, der zum Team gehörte, das auf die sterblichen Überreste von Edmund Hillary gestoßen ist. Sie zitiert Gerlinde Kaltenbrunner und Reinhold Messner, der zusammen mit Peter Haberle im Mai 1978 ohne Sauerstoff den Gipfel erreicht hat. Weiter stellt sie mit Junko Tabei die erste Frau auf dem Mount Everest vor und auch die ältesten und jüngsten Gipfelstürmer. Der Leser erfährt, wer am häufigsten und wer in kürzester Zeit auf dem Dach der Welt stand, wer der erste Blinde war, welche Familie es als erste geschafft hat und wer sich sogar oben „getraut“ hat. Das Thema Müllentsorgung wird von der Autorin angesprochen, das Für und Wider zusätzlich zugeführten Sauerstoffs und welche Veränderungen die Besteigung bei den Betroffenen ausgelöst hat.

Das Buch Mythos Mount Everest bietet jede Menge interessantes Hintergrundwissen, das Iris Hadbawnik zusammengestellt hat. Außer umfangreichen statistischen Daten liefert das Buch viele spektakuläre und spannende Geschichten unternommener Expeditionen, wie beispielsweise ein Bericht über Alison Hargreaves und seinen Sohn Tom Ballard. Darüber hinaus glänzt das Buch mit vielen grandiosen Aufnahmen, die jedes Bergsteigerherz höher schlagen lassen. Doch die Autorin verschweigt auch nicht, dass neben einer absoluten Fitness eine Genehmigung zur Expedition eingeholt werden muss, die nur begrenzt ausgegeben wird und dass die Kosten für einen dieser begehrten Expeditionsplätze zwischen 14.000 und 86.000 Euro betragen.

Iris Hadbawnik, Mythos Mount Everest, Verlag Die Werkstatt 2013, Paperback, 224 Seiten, mit zahlreichen Farbfotos, ISBN 978-3-7307-0007-5, Preis: 19,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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