Im alltäglichen Leben sind wir überall von Zahlen umgeben und es macht durchaus Sinn, wenn wir bei einem Einkauf schnell im Kopf die einzelnen Positionen zumindest überschlagen können. Um das Kopfrechnen zu perfektionieren, gibt der mehrfache Rechenweltmeister Dr. Dr. Gert Mittring in seinem Buch Fit im Kopf dem Leser einige wertvolle Tipps. Er demonstriert an Beispielen, wie Zahlenreihen sinnvoll zusammengefasst werden können, womit sowohl Additionen als auch Subtraktionen vereinfacht werden.

Wollen wir zweistellige Zahlen im Kopf miteinander multiplizieren, wird es schon schwierig und bei dreistelligen Zahlen fast unmöglich. In dem Fall empfiehlt der Autor eine von ihm entwickelte Fingermathematik anzuwenden, die allerdings Übung voraussetzt und auf den ersten Blick an das Lied „Sie müssen erst den Nippel durch die Lasche ziehen…“ erinnert. Konkret bedeutet das, dass man sich schon recht eingehend mit dieser Fingermathematik beschäftigen muss, um die richtigen Finger einer Hand nach oben oder unten zu strecken, was konsequente Praxis und Routine erfordert. Im Buch sind die einzelnen Schritte immerhin sehr ausführlich anhand nachvollziehbarer Aufgaben erklärt und abgebildete Hände demonstrieren ergänzend den Text dazu.

Dr. Dr. Gert Mittring weist darauf hin, wie wichtig es ist, keine Lücken beim Lernen entstehen zu lassen. Um sich Zwischenergebnisse besser merken zu können, nennt er verschiedene Methoden und jeder Mensch muss herausfinden, welche für ihn die am besten geeignete ist. Ermittelte Ergebnisse einer Multiplikation können mit einer Neuner- oder Elfer-Probe kontrolliert werden. Doch verlangen auch diese Proben, dass sich der angehende „Rechenkünstler“ eingehend mit ihrer Anwendung auseinandersetzt und ein gewisses Restrisiko für ein richtiges Ergebnis, wenn auch deutlich vermindert, besteht auch hierbei.

Der Autor hat selbst oft genug beobachtet, wie Supermärkte mit falschen Rabatten werben, so dass es sich für den Verbraucher lohnt, die angebliche Ersparnis zu überprüfen. Dem Kapitel über die Prozentrechnung folgt die Berechnung von Zinsen und Zinsenszins und beim Dreisatz müssen die aufgezeigten Kopfrechenwege von Multiplikation und Division kombiniert werden. Das Buch schließt mit Methoden zur Teilbarkeit von Zahlen, wovon zumindest einige den meisten Lesern bekannt sein dürften.

Dr. Dr. Mittring stellt in dem Buch Fit im Kopf bei allen Aufgaben einen Praxisbezug her. So addiert er Zeiten der Fahrt zum Arbeitsplatz, vergleicht zwei Angebote miteinander oder stellt eine Urlaubsplanung vor. Am Ende eines Kapitels gibt es Übungsaufgaben mit Lösungen. Ziel des Buches ist es das Gedächtnis zu trainieren und es zeigt auf, wie das jeder in seinen Alltag einbauen kann. So wichtig es auch ist, dass wir unser Gehirn stets aufs Neue fordern, so sollte auch hier nicht ausgeblendet werden, dass es noch andere Möglichkeiten zur Schulung unseres Gedächtnisses gibt. „Die Dosis macht das Gift“ ist ein alter Ausspruch, der nie unbeachtet bleiben sollte. Denn wer von morgens bis abends bei jeder sich bietenden Gelegenheit, wie es der Autor empfiehlt, nur noch mit Zahlen operiert, wird es sicher auf dem Gebiet der Mathematik zu herausragenden Leistungen bringen, aber vielleicht auf den Genuss des Lebens verzichtet haben. Deshalb ist das Buch auch nur bedingt einer interessierten Leserschaft zu empfehlen.

Dr. Dr. Gert Mittring, Fit im Kopf, Fischer Verlag 2013, Taschenbuch, 240 Seiten, ISBN 978-3-596-18936-6, Preis: 8,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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