Jahrelang hat eine erfolgreiche Berliner Sachbuchautorin vergeblich versucht einen Verlag für ihren Kriminalroman Der 7. Tag zu finden. Unter dem Pseudonym Nika Lubitsch hat sie schließlich ihren Roman als E-Book selbst veröffentlicht, der innerhalb weniger Tage die Kindle-Bestsellerliste eroberte und monatelang anführte. Aufgrund dieses großen Erfolgs ist der Titel nun auch als Taschenbuch erhältlich.

Im August 1999 lernt Sybille durch einen Autounfall den Anwalt Ullrich Henke kennen, woraus sich eine unkomplizierte Beziehung ergibt, bis er ihr seinen Freund Michael Thalheim vorstellt, mit dem er eine gemeinsame Kanzlei betreibt. Sybille und Michael sind beide beruflich erfolgreich, sie als Pressesprecherin eines Weltkonzerns und er als Wirtschaftsanwalt. Nachdem es ihm gelingt eine Zulassung als Notar zu bekommen, wird Sybille schwanger und die beiden freuen sich auf ihr gemeinsames Baby. Doch dann verschwindet Michael plötzlich spurlos und soll Mandantengelder in Höhe von 9,6 Millionen Euro unterschlagen haben. Sybille verliert zunächst ihren Job, danach ihr Baby und als ihre Mutter verstirbt, auch noch ihre Villa. In ihrer Verzweiflung empfindet sie nur noch Hass für ihren Ehemann und als seine Leiche in einem Hotel gefunden wird, gibt es nur eine Verdächtige.

Sybille Thalheim wird angeklagt ihren Ehemann, den Notar Michael Thalheim, mit achtzehn Messerstichen brutal ermordet zu haben. Der Gerichtssaal ist bei dem Prozess gerammelt voll und ihr Strafverteidiger Ullrich Henke hat sie angewiesen, sich ausschließlich zu ihrer Person zu äußern und ansonsten zur Sache zu schweigen. Doch auch, wenn die Indizien und Aussagen der Zeugen gegen sie sprechen, kann sie sich selbst nicht an die Tat erinnern. Ihr Verteidiger fordert am siebten Prozesstag in seinem Plädoyer fünf Jahre für Tötung mit verminderter Schuldfähigkeit, da steht die Angeklagte Sybille Thalheim auf und bekennt sich in allen Punkten der Anklage für schuldig.

Der Kriminalroman Der 7. Tag besteht aus zwei Teilen, die sehr unterschiedlich aufgebaut sind. Im ersten Teil erzählt die Protagonistin Sybille Thalheim, wie sie den Prozess erlebt, wobei ihre Gedanken, während die Zeugen aussagen und die Fakten zusammengetragen werden, immer wieder in die Vergangenheit schweifen. So erfährt der Leser nach und nach, was sich bis zum Beginn der Verhandlung zugetragen hat. Während im zweiten Teil im Stil einer Magazin-Serie die inzwischen zu lebenslänglicher Haft verurteilte Sybille Thalheim über ihre Geschichte berichtet. Die flotten Wechsel zwischen Verhandlung und den Rückblicken der Protagonistin sorgen für eine fesselnde Handlung, die den Leser nicht mehr loslässt. Pressemeldungen am Ende der Kapitel verleihen dem Prozess Authentizität. Am Ende des ersten Teils hat der Leser dennoch Zweifel an der Schuld der Angeklagten und fiebert einer Auflösung im weiteren Verlauf entgegen. Mit Hilfe der Redaktion des Magazins Cosmos gelingt es Sybille Thalheim schließlich, den Fall aufzuklären. Aber auch die Autorin Nika Lubitsch sorgt am Ende ihres Kriminalromans Der 7. Tag noch einmal für eine Überraschung.

Nika Lubitsch, Der 7. Tag, mvg Verlag 2013, Taschenbuch, 186 Seiten, ISBN 978-3-86882-447-6, Preis: 8,99 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

1 Kommentar

  1. Es stellt sich die Frage, warum in den diversen Verlagen, bei denen die Autorin das Manuskript eingereicht hat, niemand das Potential dieses Kriminalromans erkannt hat. Grundsätzlich sollte in den Verlagen einmal über das Vorgehen, das zu einer Ablehnung eines Manuskripts führt, nachgedacht werden. Denn wie die vielen erfolgreichen Bücher in der jüngsten Zeit beweisen, die nur über Self Publishing den Weg zum Leser gefunden haben, ist die Quote der Fehlentscheidungen in den Verlagen sehr hoch und könnte dazu führen, dass sie auf dem Buchmarkt in Zukunft nur noch eine zweitrangige Rolle spielen.

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