Kurz vor drei Uhr in der Nacht wird Markus Steinfelder von einem Anruf seines Bruders Thomas geweckt, der vor fast zwei Jahren den Kontakt zu ihm abgebrochen hatte. Seitdem hat er von Thomas und dessen Frau Tanja nichts mehr gehört. Nun teilt ihm sein Bruder mit, dass Tanja nach einem Selbstmordversuch in die Notfallambulanz eingeliefert wurde. Und weil Thomas in den Augen von Markus immer noch der kleine, zehn Jahre jüngere Bruder ist, steht Markus sofort auf, zieht sich an und macht sich mit dem Auto auf den Weg zur Klinik. Am Abend zuvor war in der Wettervorhersage eine arktische Kaltfront angekündigt worden. Nach einem nächtlichen Regenschauer und dem darauf folgenden Temperatursturz sind die Straßen spiegelglatt. Bereits nach der ersten abschüssigen Kurve hat Markus seinen Wagen nicht mehr unter Kontrolle und landet selber als „Eispatient zweihundertvier“ in der Unfallchirurgie.

Tanja liegt im künstlichen Koma auf der Intensivstation und die Ärzte wissen nicht, ob sie durchkommt. Ihr Mann Thomas glaubt, dass sie vor einiger Zeit vergewaltigt wurde, und sie das Geschehene verdrängt hat. Er will den Dreckskerl finden, der ihr das angetan hat und bittet seinen Bruder Markus ihm dabei zu helfen. Doch Markus ist davon überzeugt, dass sich sein Bruder eine Vergewaltigung nur einbildet und in Wahrheit einen Schuldigen sucht, der für sein Unglück verantwortlich ist. Außerdem gefällt Markus das Leben in der Upperclass, denn in der Kunstgalerie, die er gemeinsam mit seiner Frau Claudia betreibt, geht die bessere Gesellschaft ein und aus. Doch als ihn seine Vergangenheit einzuholen droht, geschieht ein weiteres, tödliches Verbrechen.

In dem Psychothriller Kaltfront von Manfred Koch wird das Leben der beiden Brüder Markus und Thomas Steinfelder von erlittenen Verlusten geprägt. Der zehn Jahre jüngere Thomas wird nicht damit fertig, dass sie ihre Eltern durch einen Autounfall verloren haben, als er dreizehn Jahre alt war. Er glaubt, sie hätten ihn als Kind gehasst und wären deshalb abgehauen. Sein Bruder Markus kann den Verlust seiner Freundin Roswitha nicht verkraften, die ihn ausgenutzt hat und nach ihrem Examen mit dem Schmuck seiner Mutter verschwunden ist. Woraus sich im Verlauf der Handlung ein emotionsreiches Drama entwickelt. Doch zunächst plätschert die Geschichte nur vor sich hin, ohne dass der Leser eine Ahnung hat, wohin das führen soll. Fast satirisch muten die Schilderungen der sogenannten besseren Salzburger Gesellschaft an, die ihren Kontostand nur auf die Million genau kennt und bei Vernissagen ihr Geld für Werke verschwendet, die mit Kunst überhaupt nichts zu tun haben. Im weiteren Verlauf entwickelt sich dann eine langsam ansteigende Spannung, die den Leser fesselt und vor den menschlichen Abgründen erschaudern lässt, die sich wie eine Kaltfront vor ihm auftun.

Manfred Koch, Kaltfront, Molden Verlag 2013, Hardcover mit Schutzumschlag, 336 Seiten, ISBN 978-3-85485-323-7, Preis: 19,99 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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