Vom gleichen Blut von Alexander Hartung

Vom gleichen BlutDer ehemalige Kripobeamte Nik Pohl wird durch seinen Freund Jon von einer Entführung in Kenntnis gesetzt. Es handelt sich um die vierzehnjährige Greta Grohnert, deren Eltern sehr vermögend sind. Da es für Jon kein Problem darstellt, sich in die polizeilichen Ermittlungen einzuhacken, wissen die beiden, dass es bisher keine Lösegeldforderung gab, was eher ungewöhnlich ist. Zu einer Erpressung passt auch nicht, dass der Fahrer erschossen wurde.

Als sich die Entführer dann doch bei den Eheleuten Grohnert melden und die Einrichtung eines Fonds über drei Millionen fordern, womit Geschädigte aus einem von Bauingenieur Grohnert zu verantwortenden Bauskandal begünstigt werden sollen, hält Nik das lediglich für ein Ablenkungsmanöver. Seine Recherchen konzentrieren sich auf den Umstand, dass ausgerechnet am Entführungstag ein Ersatzfahrer das verschwundene Mädchen zum Ballett gefahren hat, womit der Fahrer, der sich für diesen Tag frei genommen hat, in den Kreis der Verdächtigen rückt. Dank seiner Programmierfähigkeiten stößt Jon durch einen Algorithmus auf Simon, einen weiteren, von seiner Erzieherin als vermisst gemeldeten Jugendlichen eines Heimes. Doch erst, als mit dem Autisten Hannes ein weiteres Entführungsopfer existiert, entdecken Jon, Nik und der dritte im Bunde, der Pathologe Balthasar, die Gemeinsamkeiten der Fälle.

Der Thriller Vom gleichen Blut ist bereits der zweite Band einer Reihe um Nik Pohl von Alexander Hartung. Doch wer den ersten Band Auf zerbrochenem Glas nicht kennt, wird Schwierigkeiten haben, einige Zusammenhänge zu verstehen. Er weiß zum Beispiel nicht, dass Jon der Auftraggeber von Nik und Balthasar ist. Auch kann er nicht wissen, dass Jon mit der Entwicklung von App-Spielen ein beträchtliches Vermögen erworben hat und damit die Ermittlungen finanziert. An einer Stelle erbittet Nik Geld von Jon, doch wie soll der Leser dies ohne Kenntnis des ersten Teils zuordnen? Über die Vorgeschichte des Protagonisten weiß er nur, dass dieser früher der Kripo in München angehörte und bei Bedarf seine gefälschte Polizeimarke vorzeigt. Jon wird vom Autor als genialer Hacker beschrieben, der in kürzester Zeit in fast alle System eindringen kann. In seinem Loft dominiert ein „Metallkäfig“ mit einem Computer in der Mitte, er zieht wieselflink die richtigen Schlüsse und leistet überzeugende Arbeit, wobei er illegale Wege beschreitet.

Aufschlussreich sind die Ausführungen zu der vom Kolumbianer Miguel Caballero entworfenen kugelsicheren, und dennoch modischen Schutzkleidung, die sowohl namhafte Präsidenten, wie auch Hollywoodstars schätzen. Interessant, weil wohl nur Wenigen bekannt, ist die Erwähnung der äußerst seltenen Erbkrankheit Piebaldismus, die sich schon bei der Geburt an einer weißen Stirnlocke und späteren weißen Hautstellen zeigt.

Erste Spannung kommt bereits im Prolog auf: Eine Frau, die gerade entbunden hat, ist auf der Flucht. Im weiteren Handlungsverlauf kann Alexander Hartung den Leser wohl an den Plot fesseln, doch wer einen echten Thriller erwartet, wird enttäuscht sein. Szenenwechsel, in denen von den Ermittlungen der Kripobeamten berichtet wird oder in denen die Eltern des entführten Mädchens um das Leben ihres Kindes bangen, hätten die Spannung gesteigert. Besonders fällt das Manko ins Gewicht, weil in dem Thriller Vom gleichen Blut an keiner Stelle das Schicksal von Greta thematisiert wird. Insofern kann der Roman nicht überzeugen, auch wenn er in einem flüssigen Schreibstil verfasst ist und den Leser auf die Auflösung neugierig macht.

Bildquelle: bücher.de

Vom gleichen Blut von Alexander Hartung

Vom gleichen Blut
Edition M 2019
Taschenbuch
307 Seiten
ISBN 978-2-91980-649-2

Preis: 9,99 Euro

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2 Gedanken zu “Vom gleichen Blut von Alexander Hartung

  1. Beide Krimireihen von Alexander Hartung sind spannend, unterhaltsam und lassen auf Fortsetzungen hoffen!

  2. Auch wenn die Krimireihen von Alexander Hartung zugegebenermaßen einen gewissen Unterhaltungswert bieten, sind sie doch sehr realitätsfremd und wohl eher der Kategorie „Märchen für Erwachsene“ zuzuordnen.

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