
Ein Hacker, eine Falle und ein globales Projekt
Flynn Darkster, Gründer von Security Consulting in Kanada, ignoriert die Warnungen seiner Stellvertreterin Emily Carter und hackt sich aus purer Herausforderung ins Pentagon. Seine digitale Spur führt über Kapstadt, Riad, Beirut und Ankara bis nach Arlington – doch die Suche nach einem Sicherheitsleck endet abrupt mit der Nachricht: „Wir haben dich.“
Eine Falle! Am nächsten Morgen wird Flynn mit seinem Team von einer Spezialeinheit unter Leitung von Smith festgenommen. Nun sollen Flynn, Emily, der erfahrene Rudy und das vierzehnjährige „Wunderkind“ Arvid russische und chinesische Systeme infiltrieren, um den Quellcode gefährlicher Cyberwaffen zu finden. Wallace, Sonderbeauftragter des geheimen Projekts Laurin in North Carolina, warnt vor einer drohenden globalen Katastrophe durch das Schmelzen des antarktischen Schelfeises.
Zwischen Forschung, Überwachung und künstlichem Bewusstsein
Trotz strenger Kontrolle gelingt den vier Gefangenen ein heimlicher Datenaustausch. Sie entdecken eine Verbindung zu einer Frau, die im selben Institut festgehalten wird – bei ihr glaubt das Verteidigungsministerium, einen mysteriösen „Riss“ gefunden zu haben.
Dr. Hannah Tambey, die Ärztin der Frau, steht unter Druck: Wallace verlangt schnelle Ergebnisse. Für die Suche nach einem Genesis-Algorithmus erhält Hannah Unterstützung von Jota, einer hochentwickelten Maschinenintelligenz mit eigenem Bewusstsein.
Träume, Entführungen und die Nacht von Madrid
Brandhorst beginnt seinen Thriller mit der Geschichte von Alma Salome, die an einem Hallenentwurf in Madrid arbeitet und jede Nacht von ihrem fertigen Gebäude träumt – bis sie im Traum stürzt. Als sie eines Morgens Kratzer im Gesicht entdeckt, wird sie kurz darauf auf der Straße von einer Frau angesprochen und nach einer Berührung am Hals ohnmächtig entführt.
Hier verknüpft der Autor Wissenschaft, Cybertechnologie und übernatürliche Phänomene: transparente Hände, fliegende Menschen, Aircars mit 300 Stundenkilometern – und Visionen, die Realität und Traum verschmelzen lassen.
Zwischen Wissenschaft und Metaphysik
Brandhorst kombiniert physikalische Fakten, Internet- und KI-Wissen mit surrealen Elementen. Während Flynn in Florida in einem dunklen Raum sitzt, wird „aus der Finsternis hinter seinen Lidern die Nacht von Madrid“. Smith beobachtet, wie Angehörigen des Triumvirats Flügel wachsen und sie wie Engel durchs All schweben.
Der Autor verzichtet bewusst auf private Details seiner Figuren – sie bleiben Teil eines größeren Rätsels. Erst später enthüllt sich, wer der geheimnisvolle Mann in Almas Träumen ist, und auch Mermaid, Flynns Konkurrentin, tritt wieder auf.
Realität oder Simulation?
Brandhorst erinnert in Der Riss an reale Ereignisse wie die Massenpanik in der Madrid-Arena 2012. Ein umfangreiches Glossar belegt seine gründliche Recherche. Der Thriller jagt von einem Schauplatz zum nächsten – von Kanada über Florida bis Kolumbien – und lässt den Leser am Ende mit einer existenziellen Frage zurück:
Ist unsere Welt vielleicht nur eine Simulation?
Eine Hypothese, die selbst renommierte Physiker ernsthaft in Betracht ziehen – denn einen Beweis für das Gegenteil gibt es nicht.
Der Riss von Andreas Brandhorst

Heyne Verlag 2024
Hardcover mit Schutzumschlag
640 Seiten
ISBN 978-3-453-27482-2