Zwischen den Zweigen: Wie Jambu Singad die Vogelwelt seiner Heimat sichtbar macht

Cover von Zweiggezwitscher von Jambu Singad und Gita Wolf

Ein Künstler aus dem Herzen Madhya Pradeshs

Der Gärtner Jambu Singad stammt aus Balwon, einem Bhil‑Dorf im Jhabua‑Distrikt des indischen Bundesstaates Madhya Pradesh. Wie er Gita Wolf erzählte, beobachtet er leidenschaftlich gern Vögel in den Bäumen seiner Umgebung. Die traditionelle Bhil‑Malerei, geprägt von mit Punkten gefüllten abstrakten Formen, erlernte er von seiner Schwester.
Für sein Buch Zweiggezwitscher, aus dem Englischen übersetzt von Barbara Brennwald, schuf er Illustrationen in dieser Technik. Die begleitenden Texte verfasste Gita Wolf auf Grundlage zahlreicher Gespräche mit ihm.

Vögel in Bäumen – ein Streifzug durch die Natur

Den Auftakt bilden zwei Vögel auf dem Tendu, einem Ebenholzbaum, dessen Blätter verkauft und medizinisch genutzt werden. Ein Schwarm lässt sich im Vahadi, einem Bambuswäldchen, nieder; Rebhühner sitzen im Mangobaum, und nachts sucht ein Spatzenschwarm Schutz im Bambus.

Im Neembaum, dessen Teile vielfältig verwendet werden, ruhen zwei Vögel. Ein Rebhuhnpaar sitzt im Tendubaum, und in einem Pohri aus Bambuszweigen – einem traditionellen Getreidespeicher – suchen Vögel nach herabgefallenen Körnern.
Verschiedene Arten versammeln sich im Oomi, der nur im tiefsten Urwald wächst. Ebenfalls dort findet sich der mächtige Leelgar, vor dessen Schatten zwei Pfauen stehen.

Zuflucht, Schatten und Enttäuschung: Szenen aus dem Wald

Im Jangal Jalebi, einem Tamarindenbaum, hat Singad zwei blaue Vögel dargestellt, die dort Zuflucht suchen, während andere wegen fehlenden Schattens weiterziehen.
In einem Wald junger Bäume sitzt eine Gruppe der Koels, einer Kuckucksart.

Ein Buch, das Form und Inhalt verbindet

Der Verlag entschied sich aufgrund der schlanken Baumdarstellungen für ein hochformatiges Buch, das den Illustrationen Raum gibt.

  • Rechts: die farbintensiven Bilder
  • Links: die erklärenden Texte

Jambu Singad ergänzt diese Texte um zahlreiche Hintergrundinformationen:

  • wie seine Bilder entstehen
  • wie die Spitzen des Vahadi früher als Pinsel dienten
  • warum der Leelgar mit seinem extrem harten Holz nur im Urwald vorkommt

Wissen, Beobachtung und persönliche Vorlieben

Singad verrät, dass der Sadi, ein Vogel mit schönen Liedern, zu seinen Favoriten gehört. Er berichtet vom Mangobaum, den Blättern des Tamarindenbaums, die für Ziegen geerntet werden, und vom Spatzen, der in seiner Heimat Sarakli heißt.
Als aufmerksamer Beobachter nutzt er die Rufe der Vögel als wichtige Hinweise auf ihre Aktivitäten.

Für wen ist „Zweiggezwitscher“ geeignet?

Der Verlag empfiehlt das Buch Kindern ab sechs Jahren. Zwar können die Texte bereits jüngeren Kindern vorgelesen werden, doch die Illustrationen wirken trotz ihrer Schönheit eher abstrakt und sprechen vermutlich eher Kunstinteressierte an.
Da die Texte keine klassischen Geschichten enthalten, sondern reich an fundierten Informationen über Bäume und Vögel sind, dürfte das Interesse jüngerer Kinder begrenzt sein.

Ab etwa acht bis zehn Jahren jedoch – besonders bei Interesse an Kunst oder Biologie – entfaltet das Buch seine volle Wirkung. Eine Einleitung von Gita Wolf sowie ein zusätzlicher Text am Ende des Buches liefern weitere Einblicke in Singads Leben und seine Heimat.

Zweiggezwitscher von Jambu Singad und Gita Wolf

Cover von Zweiggezwitscher von Jambu Singad und Gita Wolf
Übersetzung von Barbara Brennwald
Baobab Books 2025
Hardcover
36 Seiten
ISBN 978-3-907277-33-1

Bildquelle: Baobab Books


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