Agnes zwischen Meer, Macht und Moral – ein Roman als Zeitzeugnis

Cover von Agnes im Meer von Ulrike Dotzer

Ein neues Leben auf Trischen

Agnes Nagel lebt mit ihrer Mutter und den Schwestern Ida und Hermine in Marne in der Region Dithmarschen und steht im Dienst des Rentmeisters Nikolaus Möller. Dieser hat dafür gesorgt, dass sein Freund Butz Brand neuer Pächter der vor Büsum gelegenen Insel Trischen wird. Er teilt Agnes mit, dass sie im Herrenhaus Luisenhof bei Brand eine Stelle als Wirtschafterin antreten soll. Mit diesem Schachzug erhofft sich Möller, Kontrolle über das lebensfrohe Paar Brand zu gewinnen, das zu Champagnergelagen neigt. Der Pachtvertrag sieht vor, dass Brand die landwirtschaftlichen Erträge für den von ihm zu errichtenden Deichbau nutzen darf – ein Projekt, das Möller besonders am Herzen liegt.

Während der Überfahrt lernt Agnes den Vogelwart Walter Fierling kennen, der die Vogelnester verteidigt, deren Eier die hungrigen Arbeiter lieber in der Pfanne sehen würden. Agnes übernachtet im zugigen ehemaligen Schäferhaus und soll auf Möllers Bitte hin die Dünen pflegen und Strandhafer pflanzen. So erhält sie bald den Beinamen „Agnes im Meer“.

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Zwischen Absturz und Konfetti: Max Steinbachs wilde Reise

Cover von Konfetti-Blues von Lutz van der Horst

Ein Comedian zwischen Rausch und Realität

Max Steinbach träumt von einer Karriere als Comedian und moderiert seine eigene Show. Für den jungen Mann, der über einem Pornokino in Köln wohnt, und seinen besten Freund Markus gehören Wodka Red Bull, Ecstasy und einige Lines Kokain zum Alltag. Mit dem soliden Danny, der sich mit Isi verloben will, teilt Max sich ein Büro. Als Markus ihn dort abholen möchte und auf Danny trifft, ist der Crash der ungleichen Typen vorprogrammiert. Bereits auf dem Weg zu einer multisexuell orientierten Party glühen die beiden Freunde vor und begegnen später Elmar, der mit seiner Nina Probleme hat.

Liebe, Lust und Ernüchterung

Auf der Party hat der bisexuelle Max nur Augen für den Japaner Yuma, den er als den „schönsten Menschen des Planeten“ bezeichnet. Im siebten Himmel schwebt er, als Yuma ihn nach Hause begleitet.

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Mehr Lametta für Oma – Ein herzerwärmender Weihnachtsroman von Regine Kölpin

Cover von Mehr Lametta für Oma von Regine Kölpin

Ein verschneites friesisches Dorf und zwei neugierige Kinder

Die achtjährigen Zwillinge Jonte und Jelda leben mit ihrer Mutter Julia de Fries in Tjardswarf, einem kleinen Ort im friesischen Wangerland. Ihr Vater ist Kapitän auf einem Containerschiff und kann auch das bevorstehende Weihnachtsfest wieder nicht bei ihnen sein. Endlich hat es geschneit, und die Kinder beobachten, wie Jugendliche eine alte Frau – die sie eine „Toversche“ schimpfen – mit Schneebällen bewerfen.

In Tjardswarf hält sich das Gerücht, dass es sich bei der Alten mit den schulterlangen roten Haaren und der bunten Kleidung, die hinter dem Deich eine Kate bewohnt, um eine Hexe handelt. Verdächtig erscheint zudem, dass sie sich mit Tieren unterhält. Obwohl die Kinder wissen, dass es keine Hexen gibt, haben sie Angst vor Feline Kramer. Nur zögerlich nähern sie sich der Frau, die von einem Schneeball an der Nase getroffen wurde.

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Der Honigmann: Zerfall einer Nachbarschaft

von Peter Huth

Idylle in Fischbach

Fischbach ist für seine Bewohner ein Kleinod, in dem sich besonders drei Familien wohlfühlen: Der im Homeoffice arbeitende Programmierer Tim Klugmann, seine Lebensgefährtin Fine Burg, eine Schauspielerin, und die gemeinsame Tochter Carla. Die stellvertretende Chefredakteurin Katja und ihr Ehemann Robert, der als Layouter keine Anstellung mehr findet und deshalb zu Hause die Kinder Nick und Justus versorgt. Controller Albert und seine Ehefrau Louisa mit den Kindern Juno, Merle und Kitta. Die drei befreundeten Paare grillen und feiern gerne zusammen und frönen dabei ausgelassen ihrer Lebensfreude.

Der Skandal um den Honigmann

Doch eines Tages deckt die Mutter eines Schulkindes einen Skandal auf, und ein ominöser Brief macht die Runde: Dietmar Köhler, den alle nur den „Honigmann“ nennen, weil er einen kleinen Laden mit Honig, Tee und Dekorationsartikeln eröffnet hat, soll ein vorbestrafter Pädophiler sein.

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Rezension: „Der Aufbruch“ von Ingeborg Arvola – Eine Reise ins raue Nordland

Cover von Der Aufbruch von Ingeborg Arvola

Ein Leben unter moralischer Anklage

Der Aufbruch ist der Auftakt zur Eismeer-Trilogie von Ingeborg Arvola. Die Handlung des historischen Romans spielt im äußersten Norden Norwegens, genauer gesagt in der Region Finnmark, und beginnt im Jahr 1859 zunächst in Nordfinnland. Brita Caisa muss wegen ihrer beiden unehelichen Söhne eine Kirchenstrafe über sich ergehen lassen. An vier Sonntagen wird sie vom Pfarrer wegen ihres „unsittlichen Lebenswandels“ vor der versammelten Gemeinde angeprangert.

Ihr erster Sohn, der zwölfjährige Aleksi, stammt aus einer Liebesbeziehung mit einem verheirateten Mann. Der Vater des dreijährigen Heikki ist bereits verstorben. Brita muss deshalb zurück in das Haus ihrer Eltern ziehen. Doch sie möchte nicht, dass ihre Söhne mit ihrem Vater als männlichem Vorbild aufwachsen, da sie befürchtet, sie könnten sonst zu Trunkenbolden und Taugenichtsen werden.

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„Auf dem Gräftenhof“ – Ein Roman über Heimat, Verantwortung und Wandel

over vvon Auf dem Gräftenhof von Arnold Pesch

Die Höfe im Münsterland und ein besonderes Erbe

Franziska, die mit Johannes verheiratet ist und mit ihm die Kinder Ludger, Barbara und Alexa hat, erbt nach dem Tod ihres Vaters den Bawinkelschen Hof im Münsterland. Als ihre Nachbarn Maria und Wilhelm Schulze-Westhoff vom bedeutend größeren Gräftenhof nach zwei Fehlgeburten endlich einen Sohn bekommen, schwindet mit dem am Down-Syndrom leidenden Paul alle Hoffnung auf einen Hoferben. In kluger Voraussicht bitten sie Johannes, die Patenschaft für Paul zu übernehmen – für den Fall, dass ihnen etwas zustoßen sollte, würden sich ihre Nachbarn um den kranken Jungen kümmern.

Ein Angebot aus Verantwortung

Als Wilhelm zunehmend seine Kräfte schwinden sieht, beschließt er gemeinsam mit seiner Frau Maria, den Gräftenhof den Nachbarn zum Kauf anzubieten, um ihn in guten Händen zu wissen.

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Unsere Liebe war unerhört – Ein Roman als Zeugnis des Überlebens und der Erinnerung

Cover von Unsere Liebe war unerhört von Eva Müller

Die letzten Tage des Krieges und eine ungewöhnliche Begegnung

Am Ende des Zweiten Weltkriegs ist die einundzwanzigjährige Marga verpflichtet, in der niederbayerischen Außenstelle des Konzentrationslagers Flossenbürg auf dem Fliegerhorst sämtliche Unterlagen vor dem Eintreffen der Amerikaner zu vernichten. In Mairing trifft sie auf den ehemaligen Häftling Henryk Stattler, den sie während ihres Dienstes mehrfach beobachten konnte. Wie viele andere überlebende Juden ist auch Henryk gesellschaftlich isoliert und versucht sich durch den Handel mit Altwaren mehr schlecht als recht durchzuschlagen.

Zwischen Nähe und Zweifel – Der Beginn einer besonderen Beziehung

Aus anfänglichen Spaziergängen entsteht eine Einladung zu Margas Eltern, die zwar den Altersunterschied von zwölf Jahren zur Sprache bringen, jedoch keine Einwände gegen Henryks jüdischen Glauben haben.

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Zwischen Parkbank und Perspektivwechsel – Mac Conins bissiger Roman über Hoffnung am Rand der Gesellschaft

Cover von Nirgendwann von Mac Conin

Perspektiven einer gescheiterten Flucht

Johanna, die von ihren Freunden nur Jo genannt wird, kann trotz eines Jobs im Café Moloko die Miete nicht aufbringen. Eine Rückkehr zu ihren Eltern kommt für sie nicht infrage – ihr Vater hatte sie wiederholt vergewaltigt, und von ihrer alkoholabhängigen Mutter war keine Hilfe zu erwarten. Naiv glaubte sie, in Köln eine solide Basis für ihre zwölfjährige Schwester Hella und ihren sechzehnjährigen Bruder Pete zu schaffen und sie bald zu sich holen zu können. Um ihren Hunger zu stillen, bediente sie sich gelegentlich an den Vorräten im Café, wenn ihr Chef Freddi nicht hinsah. Nun hat ihr auch noch ihr Vermieter Jörg Triebel „dieses kleine, beschissene, teure Apartment“ gekündigt.

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Eine Liebe in Indien – und ein Zufall, der alles verändert

Cover von Der Zufall eines Sommers von Saskia Sarginson

Ein magischer Beginn unter Palmen

Die aus Cambridge stammende Summer Blythe erhält zu ihrem sechsundzwanzigsten Geburtstag von ihrem Vater eine Rundreise nach Südindien. Dort begegnet sie dem seit Monaten durch Indien reisenden Hobbyzeichner Kit Appleby – und das ausgerechnet in dem Moment, als er ihr in einem Lokal zur Hilfe eilt. Kit ist überrascht, wie stark seine Gefühle für die junge Frau sind. Noch erstaunter ist er, als sie nach nur einem gemeinsamen Essen einwilligt, mit ihm nach Varkala zu reisen, wo er Tänzer bei einem Festival zeichnen soll.

Vor Ort stellen beide fest, dass es keine freien Zimmer mehr gibt. Summer, überwältigt von ihren Gefühlen, wagt es, sich mit Kit eine Strandhütte zu teilen. Dass diese äußerst einfach ist und nicht einmal ein überdachtes Bad besitzt, stört sie nicht – sie genießt den Blick auf den traumhaften Strand.

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Eine Radtour zurück ins Leben – und in die eigene Vergangenheit

Cover von Als Simon Brown sich ein Herz fasste von James Bailey

Ein unerwarteter Verlust und eine Reise in die Erinnerung

Nach dem Tod seiner Ehefrau vor zehn Jahren führt Simon Brown die Bed‑and‑Breakfast‑Pension Castle Cottage im südwestenglischen Dorset allein mit seiner Tochter Anna. Als er inmitten des Alltags endlich seine E‑Mails öffnet, trifft ihn die Nachricht wie ein Schlag: Raj, mit dem er fünf Jahre lang im Internat ein Zimmer teilte, ist plötzlich verstorben.

Von Erinnerungen übermannt, stöbert Simon auf dem Dachboden in einer Kiste mit alten Schulsachen. Dabei findet er ein Foto, das ihn mit Raj und Ian auf einer Radtour nach Bordeaux zeigt. Damals wollte er dort seine Brieffreundin Sylvie treffen – und belog dafür seine Eltern, um statt eines Schulausflugs mit seinen Freunden nach Frankreich zu radeln. Doch Sylvie war nicht anzutreffen, der Schwindel flog auf, und Simon wurde von der Schule verwiesen. Seit vierundvierzig Jahren hat er nichts mehr von seinen Freunden gehört.

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