
Ein behütetes, aber kaltes Zuhause
Die achtzehnjährige Alice lebt mit ihrem Vater und dessen Ehefrau – einer ehemaligen Schauspielerin – in einer Villa mit Swimmingpool und einem großen Garten, den sie sich mit ihrem Großvater teilt. Dieser bewohnt die größere Villa nebenan gemeinsam mit einer Hausangestellten.
Eines Tages kommt mit Niko ein neuer Junge in ihre Klasse, in der man Alice – allen voran die boshafte Rosa – seit dem letzten Jahr das Leben zur Hölle macht. Nachdem sie von den anderen auf einer Wiese eingekreist wird, kommt ihr Niko überraschend zu Hilfe. Auf der Klassenfahrt erleidet Alice eine schmerzhafte Ohrentzündung und muss vorzeitig nach Hause. Umso erfreuter ist sie, als Niko plötzlich vor ihrem Haus steht, weil er sie vermisst habe und deshalb ebenfalls zurückgefahren sei.
weiterlesenZwischen Villa und Armut: Alices Flucht in die andere Welt



Per Face-Time-Anruf telefoniert Julian aus New York City mit seiner Grandmère in Paris und bittet sie, für einen Schulaufsatz von ihrer Zeit als Mädchen im Krieg zu berichten. Obwohl die Erinnerungen schmerzen, beginnt sie damit, wie sie mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf in Frankreich aufwuchs: Sara war verwöhnt, hatte hübsche Kleidung, Spielzeug und sogar ein Klavier. Ihr Vater, ein berühmter Arzt, und die als Dozentin an der Universität lehrende Mutter führten ein sorgenfreies Leben, das mit der Kapitulation vor den Deutschen im Jahr 1940 ein jähes Ende nahm. Die Mutter verlor ihre Arbeit, und der gerade zwölfjährigen Tochter wurde der Besuch einer Eisdiele verwehrt.
Nach einem tödlichen Autounfall der Eltern lebt der Highschool-Absolvent Hugh Copper mit seiner Schwester Ellen zusammen, die alles Geld in einen Eiswagen investiert hat. Hugh, der keine Veränderungen in seinem Leben mag und von Enden angetan ist, hat deshalb auf seiner Website fünf Kategorien zur Bewertung von Enden eingerichtet: Bücher, Filme, Fernsehen, Menschen und Vermischtes. Da er auf keinen Fall ein Studium beginnen wollte, verkauft er das von seiner Schwester hergestellte Eis.
Amerikanische Filme vermitteln mit den schicken Eigenheimen, in denen die Darsteller zu sehen sind, den Eindruck, dass alle Menschen in den USA ein luxuriöses Leben führen. Doch ist das nur einer Minderheit vergönnt. Wie in Deutschland rutscht die Mittelschicht immer mehr in die Armut ab. Diese Erfahrung macht auch der siebzehnjährige Protagonist in dem Jugendroman No place, no home: Dan Halprin ist ein guter Schüler, weshalb ihm ein Stipendium an einer Universität in Aussicht gestellt wurde. Als Pitcher trainiert er mit seinem Freund Noah in einem Baseballteam. Seine Eltern Hannah und Paul sind trotz eines Studiums arbeitslos und können den Kredit für ihr Haus in Average nicht mehr abzahlen. Deshalb zieht die Familie zu Hannahs Bruder Ron, der mit Ehefrau und zwei Kindern in einem großzügigen Haus mit Pool und Tennisplatz wohnt.
C. J. Flood nimmt sich in ihrem Jugendroman Wen liebst du, wenn ich tot bin? einem heiklen Thema an, denn es geht darin um den Tod eines jungen Menschen. Schon im Prolog wird das spätere Geschehen vorweggenommen: Ein erst Fünfzehnjähriger liegt im Grab. Zur Handlung: Die noch dreizehn Jahre alte Iris lebt mit ihrem Vater und dem fünfzehnjährigen Bruder Sam auf der Silverweed-Farm im englischen Ashbourne, nachdem sich ihre Mum vor drei Monaten auf unbestimmte Zeit zwecks Selbstverwirklichung verabschiedet hat. Im Gegensatz zu Iris Vater, der mit Entrüstung und voller Abneigung zur Kenntnis nimmt, dass sich Zigeuner auf der Pferdekoppel niedergelassen haben, ist das Mädchen neugierig auf die Menschen. Sie beobachtet einen Jungen, der kaum älter ist als sie und folgt ihm. Mit Trick, der irischer Abstammung ist und für den die Ansässigen Gadschos sind, freundet sie sich an und verbringt fortan ihre Freizeit. Das wiederum gefällt ihrer Freundin Matty gar nicht, die eifersüchtig ist und auf Rache sinnt. 
