Ein Frauenkörper im Sand – Ambra Santoro gerät in ihren brisantesten Fall

Cover von Ciao Jesolo von Nadia Weiss

Ein grausiger Fund am Strand

Ambra Santoro, Chefreporterin von Jesolo 24, stößt beim Joggen auf eine Menschenansammlung. Schnell erfährt sie den Grund: Bademeister Marco hat beim Reinigen des Strandabschnitts mit seiner Raupe einen halben Frauenkörper zerquetscht. Verzweifelt beteuert er, nicht der Mörder zu sein. Kurz darauf treffen Commissario Vincenzo Vialli und sein Assistent Giannino ein. Der Gerichtsmediziner stellt überraschend fest, dass die Frau bereits Stunden zuvor durch Ertrinken – genauer: Wassereintritt in die Lunge – gestorben ist.

Die Tote und ein Klassentreffen mit Schattenseiten

Der Campingplatzbesitzer Arturo Varese identifiziert die Leiche als Annina Ponti, eine bekannte Beauty-Ärztin. Sie hatte am Vorabend an einem von ihm organisierten Klassentreffen teilgenommen. Ungünstig nur, dass die Überwachungskameras ausgefallen waren. Als einzige Zeugin bleibt die Küchenhilfe Moira Gantini, die beobachtet haben will, wie ein Mann Annina auf dem Weg zum Strand folgte.

Ein Foto, eine Insel und ein Anwalt mit Geheimnissen

Ein Küchenmädchen findet im Müll Anninas Tasche – samt Papieren, Handy, Schlüsseln und einem Foto zweier sich paarender Flamingos in der Lagune von Venedig. Sie erinnert sich an einen Anwalt, der auf genau dieser Insel ein Anwesen besitzt. Da sein Name auf der Gästeliste steht, fahren Ambra und Vialli zu Alessandro Marchese, der sie am Bootssteg bereits missmutig erwartet.

Während Vialli den Anwalt befragt, durchsucht Ambra heimlich das Anwesen und entdeckt eine Skizze, die exakt dem Flamingo-Foto aus Anninas Tasche entspricht. Marcheses Ehefrau, Contessa di Albone Å Montesanti, gesteht später, selbst ein Motiv gehabt zu haben – sie zeigt Ambra eine Narbe, die von einer missglückten Behandlung der Toten stammt.

Komplikationen, Erpressung und ein weiterer Mord

Nach einer kurzen Ohnmacht wird Ambra im Ospedale von Dottor Braccio behandelt und erfährt, dass dieser die Contessa nach den Komplikationen versorgt hatte. Zudem wird klar: Mehrere Personen hatten Anwalt Marchese beauftragt, Annina wegen „dubioser Behandlungsmethoden“ zu verklagen. Ambra kombiniert, dass Annina den Avvocato vermutlich mit dem Flamingo-Foto erpresst hat – einem Foto, das ihn beim Schießen auf die Tiere zeigt. Elisa, die Tochter der Zeugin Moira, bestätigt sein merkwürdiges Verhalten. Dann stehen Ambra und Vialli plötzlich vor einer weiteren Leiche.

Viele Namen, viel Italien – und viel Konzentration

Der Italien-Krimi Ciao Jesolo von Nadia Weiss verlangt dem Leser einiges ab: zahlreiche italienische Namen, die leicht verwechselt werden können. Arturo oder Varese – beides dieselbe Person. Marchese oder Avvocato – ebenfalls identisch. Dazu kommen Dottor Braccio, Dottor Gentile und Irene Marchetti. Aufmerksamkeit ist also gefragt.

Der Mörder spricht – und Ambra kämpft mit der Liebe

In kursiv gesetzten Kapiteln kommt der Täter selbst zu Wort, geprägt von christlichen Wertvorstellungen und dem Wunsch, auch den „Trottel“ von Commissario zum Schweigen zu bringen. Parallel dazu ist das Verhältnis zwischen Vialli und Ambra von Missverständnissen und Eifersucht geprägt. Ein geplantes Picknick scheitert schon vor dem Beginn, Ambra stürzt in ein „tiefschwarzes Loch des Liebeskummers“. Ihre Eifersucht flammt auf, als sie erfährt, dass Vialli die Schauspielerin Benedetta Mancini besucht hat – die ihn im Bikini und transparentem Kaftan empfing.

Ein Krimi ohne Action, aber mit viel italienischem Flair

Ambra schreckt nicht davor zurück, durchs Fenster einzusteigen und sich im Bad zu verstecken, als plötzlich Personen das Zimmer betreten, in dem sie am PC recherchiert. Rasante Action oder Schusswechsel sucht man in diesem zweiten Teil der Reihe jedoch vergeblich. Stattdessen legt Nadia Weiss Wert auf italienisches Lebensgefühl, atmosphärische Schauplätze und vielschichtig gezeichnete Figuren.

Ciao Jesolo von Nadia Weiss

Cover von Ciao Jesolo von Nadia Weiss
Gmeiner Verlag 2026
Taschenbuch
208 Seiten
ISBN 978-3-8392-8011-9

Bildquelle: Gmeiner Verlag

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