Geschichten aus dem Homeoffice
Fluch und Segen: In der Vorstellung der Menschen, die noch nie im Homeoffice gearbeitet haben, stellt diese Form meist etwas Erstrebenswertes dar, während sich die davon Betroffenen häufig zurück in einen geregelten Berufsalltag sehnen. Mark Spörrle gibt in seinem Buch Unten ohne* Geschichten aus dem Homeoffice zum Besten. Der Ich-Erzähler ist mit Lizzy verheiratet, die sich als berufstätige Frau natürlich auch im Homeoffice befindet. Aber erst in diesen krisengeschüttelten Zeiten macht das Ehepaar eine ganz neue Erfahrung, nämlich dass sie sich den ganzen Tag kaum aus dem Weg gehen können. Als Lizzy eines Tages ebenfalls ganz dringend auf ein Arbeitszimmer in der gemeinsamen Wohnung angewiesen ist, macht sich niemand mehr über einen Börsentrader lustig, dem nur die Stockbetten seiner Kinder als Platz für eine Videokonferenz zur Verfügung standen.
Wie ein HB-Männchen könnte der Ich-Erzähler auch an die Decke gehen, als das Netz eines Tages aufgrund Überlastung komplett zusammenbricht, denn nicht nur Lizzys Ehemann und sie selbst sind auf das Internet angewiesen, sondern, um das Chaos perfekt zu machen, auch die pubertierende Tochter Luise.
Neben einem Brief finden sich in dem Buch
Margit Kruse sucht am Halterner Stausee nach einem passenden Ort, um eine Leiche zu entsorgen. Nein, natürlich ist die Autorin nicht wirklich auf der Suche nach einem Versteck für eine Leiche, sondern es handelt sich dabei um eine Geschichte in ihrem Buch „Dunkle Geschichten aus dem Ruhrgebiet“. In weiteren Episoden geht es um einen verlassenen Reiterhof in Gelsenkirchen-Heßler, um das verfallene Hotel Seestern in Haltern oder das altehrwürdige Stadtbad in Krefeld, das der Schließung zum Opfer fiel. Dasselbe Schicksal ereiferte auch das Opel-Werk in Bochum und machte damit viele Opelaner arbeitslos. Margit Kruse schreibt von der Ölkrise im Jahr 1973, welche Forscher auf die Suche nach Alternativen auf den Plan rief. In Gladbeck belieferte ein Eiermann die Bürger mit „Kartoffeln, Erdbeeren und Eiern“, wie der Eiermann laut gerufen haben soll, wohingegen die Bueraner Stadtteile mit frischer Milch von einem Milchwagen versorgt wurden, vor dem ein Pony gespannt war.
In der Anthologie „Mutterherz“, für die Karoline Adler ganz unterschiedliche Geschichten zusammengestellt hat, geht es in erster Linie um den Stellenwert von Müttern, ihren Alltag, ihre Sorgen oder einfach um Erinnerungen ihrer längst erwachsen gewordenen Kinder an ihre Mutter. So erinnert sich ein Sohn in liebevollen Gedanken an seine verstorbene Mutter, während ein anderer zwar permanent den Muttertag vergessen hat, sich aber seiner Mutter trotzdem zu Dank verpflichtet fühlt. Eine Geschichte hat die Geschenke zum Muttertag zum Thema, wobei es vor der Übergabe durchaus zu einem Malheur kommen kann.
Das Buch „Sommer. Jetzt!“ von Dora Heldt vereint fünf Kurzgeschichten, denen jeweils eine Kolumne folgt. In der ersten Geschichte, die den Titel „Seepferdchen“ trägt, können Charlotte und ihre Schwägerin Inge ihre Ehemänner Heinz und Walter dazu überreden, dem zehnjährigen Enkel ihrer Freundin das Schwimmen beizubringen. In „Der perfekte Sommer“ erinnert sich eine Ich-Erzählerin an Strandtage, die sie als Kind auf Sylt erlebt hat. Eine Überraschung erlebt Daniela mit ihrer Familie, als sie ihrer Cousine Ela zum vierzigsten Geburtstag gratulieren will, denn „Ela heißt jetzt Manu“.
Die mehr oder weniger umfangreichen Kurzgeschichten in dem Buch „Ein Feuer im Garten“ beziehen sich größtenteils auf Erinnerungen von Franz Hohler, ob an seine früheste Kindheit, seine auf einem Gymnasium verbrachte Zeit, von ihm abgehaltene Lesungen oder den Besuch einer Theateraufführung mit seiner Ehefrau. In Ich-Erzählungen beobachtet er alltägliche Begebenheiten. Wenn er beispielsweise mit dem Zug unterwegs oder erst auf dem Weg zum Bahnhof war, durch Minsk auf der Suche nach dem Goethe-Institut irrte oder als er in Teheran aus einem seiner Werke gelesen hat. Er schreibt von den Tücken eines Automaten, der ihm einmal eine benötigte Quittung versagte, von seiner alpinen Expedition auf einen Gletscher und vom Streckenvortrieb für den 57 km langen Gotthard-Basistunnel für den Eisenbahnverkehr, der 2016 in Betrieb genommen wurde.
Peter Coon stellt in seinem Buch „Weltfrieden ist aus“ fünfzehn Erzählungen vor, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da äußert Herr Schulte beim Bäcker einen ungewöhnlichen Wunsch, während jemand anderes von einer ungewöhnlichen Krankheit heimgesucht wird und ebenso ungewöhnlich ist eine Beziehung zwischen Caro und Leander. Anna steht mächtig unter dem Einfluss ihrer Freundin Kerstin, die im Gegensatz zu ihr bereits reichlich Erfahrungen mit Männern gesammelt hat, und Astrid bittet aus gutem Grund Fremde, für sie am Automaten Geld abzuheben. In Ankara kann ein junger Mann im Jahr 1925 die neu erlassenen Kleidervorschriften nicht akzeptieren, ein anderer traut sich nicht aufzubegehren, weil ihn seine Angst zu sehr lähmt, und vom Wunsch beseelt ist jemand, so mutig wie der 1961 nach dem Bau der Mauer über eine Stacheldrahtrolle gesprungene Soldat Conrad Schumann zu sein.
Ein Band mit Kurzgeschichten ist eine Sammlung von spannenden, lustigen und mehr oder weniger anspruchsvollen Geschichten, wobei sich in der Regel auch immer solche darunter befinden, die eher langweilig sind und bei denen das Lesen Zeitverschwendung ist. Völlig anders verhält es sich dagegen mit den elf Kurzgeschichten in dem Buch „Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12“ von Jean-Paul Didierlaurent, die allesamt lesenswert sind. 
Die Anthologie „Wie is? – Muss.“, herausgegeben von Hermann Beckfeld und Werner Boschmann, beinhaltet neben Kurzgeschichten auch einige Gedichte und zwei Autobiografien. Desweiteren beantworten Autoren in insgesamt drei Gesprächen ihnen gestellte Fragen, bei denen es zum einen um den Verein Vfl-Bochum und zum anderen um einen Ruhrgebietsladen in Mülheim geht. Außerdem erklärt eine der Befragten, dass sie sich tatsächlich für einen Umzug vom vornehmen Hamburger Stadtteil Blankenese ins Ruhrgebiet entschieden hat.