Mord im Schrebergarten – Omma Emma zwischen Strickkurs und Spurensuche

Cover von Omma Emma und die Toten vom Schrebergarten von Astrid Plötner

Ein Hilferuf und ein plötzliches Verschwinden

Seit Emma Henning mit dreiundsechzig Jahren in den Vorruhestand ging, bessert sie ihre Rente mit einem Strickkurs auf. Nichts Böses ahnend pocht es an ihrer Wohnungstür, und ihr hilfsbereiter türkischer Nachbar Demir Özgür, der sie schon lange „Omma Emma“ nennt, bittet verzweifelt um Unterstützung: Von seinem Schwager Philip weiß Demir, dass dessen Ehefrau und seine Schwester Selma seit gestern nach einem Streit verschwunden sind.

Da Selma häufig mit Hund Bosko um den Pleckenbrinksee einer Kleingartenkolonie läuft, liegt es nahe, dort nach ihr zu suchen. Beide machen sich sofort auf den Weg und treffen im Schrebergarten Philip mit der kleinen Tochter Alina an. Selbst bis zu den Knöcheln im Schlamm steckend entdeckt Emma zunächst einen pinken Flipflop, gefolgt von einem Frauenkörper im Wasser.

Eine Tote am See und erste Verdächtigungen

Als Kriminalhauptkommissar René Vieth gerade seine Füße vor dem Fernseher ausstrecken will, klingelt sein Diensthandy. Notgedrungen fährt er zum See, wo sich für Demir glücklicherweise herausstellt, dass es sich bei der Toten nicht um seine Schwester handelt. Allerdings kann er die Leiche als das Model Sara Winter identifizieren, die ebenfalls einen Garten in der Kolonie besitzt.

Am nächsten Morgen hämmert Demir erneut an Emmas Tür, da seiner Meinung nach wegen der Unterbesetzung der Polizei Eigeninitiative gefragt ist. Emma lässt sich breitschlagen, zumal sie inzwischen selbst neugierig geworden ist. Bei der Befragung der Kleingärtner hören sie immer wieder, dass die „Alte“, die „Hexe“ oder die „Zicke“ endlich das bekommen habe, was sie verdient habe. Dann meldet das Bäckerehepaar Schütt, dass sie von ihrer Tochter seit vier Tagen nichts mehr gehört haben, nachdem sie mit einem Fotografen – Jay‑Ti oder so ähnlich – wegging, der sie groß herausbringen wollte.

Spuren, Motive und ein wachsender Verdacht

Emma und Demir sprechen unter anderem mit der Pächterin des Schrebergartens Ulrike Klinger und erfahren, dass der Fotograf Sven auf einen Auftrag von Sara gehofft hat, der jedoch ausblieb, weil diese sich stattdessen Jan Tilman Musig anvertraut hat. Wenig später wird nicht nur dessen Mercedes im Wald gefunden, sondern auch der Fotograf Jan selbst. Zum Entsetzen von Emma gerät Philip unter Verdacht und wird abgeführt, weshalb sie sich mit Demir auch noch um die kleine Alina und den Hund kümmern muss. Doch damit nicht genug: Unter ihrem Scheibenwischer findet Emma einen Zettel mit einer unmissverständlichen Drohung.

Ein Ruhrpott‑Krimi mit doppeltem Spannungsbogen

Astrid Plötner beginnt ihren Ruhrpott‑Krimi Omma Emma und die Toten vom Schrebergarten* mit einer nebulösen Szene, bei der die Leser lediglich ahnen, dass zwei Personen nichts Gutes im Schilde führen und eine Frau in großer Gefahr ist. Interessanterweise greift sie diese Szene am Ende des Plots erneut auf, nun mit Namen und zusätzlichen Details für ein besseres Verständnis.

In ihrem Plot gibt die Autorin Informationen zum Stricken von Socken und zur Strumpfwolle sowie zur Anfertigung eines Ponchos. Nur kurz streift sie die Themen Loverboys und kleine, durch Bergbauabsenkungen entstandene Seen. Auch wenn der Handlungsort Hellwegsheim fiktiv ist, gibt es doch den Pleckenbrinksee in Dortmund‑Wickede.

Ein Ermittlerduo wider Willen

Was ihre Protagonisten im Auftakt der neuen Ruhrpott‑Serie um die Privatermittlerin Emma Henning betrifft, so identifiziert sich diese gerne mit ihrer neuen Rolle und geht stets mit Bedacht vor. Ganz anders Demir Özgür, der sich nicht im Griff hat und schnell ausfallend wird. Kriminalhauptkommissar René Vieth, der obendrein noch mit seiner geschiedenen Ehefrau über den Verkauf des gemeinsamen Hauses diskutiert, wird von beiden nicht ganz ernst genommen – Emma sagt es ihm ruhig und direkt, während Demir ihn eher beschimpft.

Spannung bis zum Schluss

Auch wenn der Leser wegen der Vielzahl an Namen erhöhte Konzentration walten lassen muss, wird es am Ende richtig spannend, und er fühlt sich durch Astrid Plötners angenehmen, flüssigen Schreibstil gut unterhalten. Man darf gespannt sein, was der Rentnerin Emma noch alles widerfährt und ob sie dem polizeilichen Ermittler weiterhin eine Nase voraus sein wird.

Omma Emma und die Toten vom Schrebergarten von Astrid Plötner

Cover von Omma Emma und die Toten vom Schrebergarten von Astrid Plötner
Gmeiner Verlag 2026
Taschenbuch
304 Seiten
ISBN 978-3-8392-8098-0

Bildquelle: Gmeiner Verlag

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