
Ein scheinbar harmloser Stopp mit fatalen Folgen
Seit einem Jahr lebt Arno Früh mit Irina Kiteishvili zusammen und freut sich nach einem Eishockeyspiel auf einen Abend mit ihr. Auf der Heimfahrt sieht er am Straßenrand ein Auto und einen Mann mit einer schwenkenden Taschenlampe. Arno hält an und entdeckt erst jetzt neben einem verunglückten Motorrad eine offensichtlich verletzte Person.
Plötzlich wird er überwältigt und mit einer Pistole bedroht. Als sich ein weiteres Fahrzeug nähert, erkennt er das Auto seines Nachbarn Pavel Jaskin. Doch mit der Pistole am Kopf darf er ihm kein Zeichen geben und behauptet, alles sei in Ordnung.
Sein Pech: Ausgerechnet heute hat er viel Bargeld für ein neues Auto in seiner Sporttasche. An ein Schild gefesselt und um seine Ersparnisse erleichtert, lassen ihn die Täter zurück. Als er endlich von der Kantonspolizei befreit wird, teilt man ihm mit, dass seine Freundin an diesem Abend einen Einbruch gemeldet hat.
Privatdetektiv Milan Sommer wird eingeschaltet
Milan Sommer arbeitet halbtags in einer Werbeagentur und hat sich als Privatdetektiv niedergelassen. An einem Bratwurststand kommt er mit Arno ins Gespräch, der ihm von dem Überfall erzählt und froh ist, dass Milan den Fall übernehmen will.
Arno hat inzwischen selbst Irina im Verdacht:
- Sie will sich mit einer ihm unbekannten Freundin getroffen haben.
- Sie trägt dieselbe Nagellackfarbe wie die angeblich verunglückte Motorradfahrerin.
- In der Wohnung liegt plötzlich ein Motorradkatalog, obwohl Irina nie Verständnis für seinen Harley‑Wunsch hatte.
- Und neuerdings geht sie joggen, ohne ins Schwitzen zu geraten.
Auch Pavel verhält sich merkwürdig und behauptet, nicht an der Unglücksstelle vorbeigekommen zu sein. Arno, der herausfinden will, ob er zufällig überfallen wurde, als er so viel Geld bei sich hatte, stattet der Bankangestellten Nina Andermatt in Zürich einen Besuch ab.
Neue Spuren, neue Fragen – und ein Toter
Unterdessen ist Milan mit seiner Band aufgetreten, in der auch der Polizist Ruben spielt. Nach dem Auftritt, bei dem Milan nur Augen für eine Besucherin hat, bittet er Ruben um Hilfe.
Er überwacht Nina und sucht Irina in Verkleidung an ihrer Arbeitsstelle auf, wo sie allerdings nicht anzutreffen ist. Kurz darauf wird eine verdächtige Person tot aufgefunden, und die Überfälle im Zürcher Unterland häufen sich. Die Täter schrecken dabei nicht davor zurück, einen Mann kaltblütig zu erschießen.
Konstruiert wirkende Figuren und fragwürdige Entscheidungen
Der Kriminalroman Blutrote Leidenschaft von Stefan Roduner wirkt stellenweise sehr konstruiert, und dem Leser fallen Dinge auf, die im realen Leben kaum vorkommen würden.
So ist es merkwürdig, dass Arno seine Freundin Irina nicht fragt, wo und mit wem sie die Abende verbringt. Wer ein Jahr mit jemandem zusammenlebt, möchte dessen Freunde kennenlernen und würde kaum akzeptieren, dass diese niemals vorgestellt werden.
Während Arno seinen eigenen Geburtstag vergisst und sich wundert, dass man ihm gratuliert, gesteht Milan seinem Freund Ruben, eine Frau zu lieben, die er ein einziges Mal während eines Bandauftritts gesehen hat. Das wirkt wenig lebensnah.
Viele Verdachtsmomente – aber wenig echte Ermittlungsarbeit
Roduner streut zwar eine Reihe von Verdachtsmomenten, die den Leser neugierig machen:
- Nina wirkt verdächtig, nachdem Milan einem bärtigen Mann begegnet, der einem der Täter ähnelt.
- Irina humpelt plötzlich, und einer der Täter hat sich bei einem Überfall eine Knieverletzung zugezogen.
- Auch Milans „Traumfrau“ vom Bandauftritt sowie Ninas Exfreund Ben Bissig, der eine kriminelle Vergangenheit hat, gehören zum Kreis der Verdächtigen.
Doch warum suchen Arno und Milan die Täter ausschließlich im eigenen Umfeld? Nur, weil sich einige Personen verdächtig verhalten? Warum wird nie ein Alibi überprüft, indem man die Personen ausfindig macht, mit denen man sich angeblich getroffen hat?
Lokalkolorit allein reicht nicht
Stefan Roduner, der selbst im Zürcher Unterland wohnt, thematisiert sogar den unbedeutenden Besuch von Ben Bissigs Mutter im Gefängnis – just in dem Moment, als sich endlich eine Aufklärung abzeichnet.
Auch wenn der Plot in flüssigem Schreibstil gehalten ist, kann der mit Lokalkolorit versehene Kriminalroman Blutrote Leidenschaft leider nicht überzeugen.
Blutrote Leidenschaft von Stefan Roduner

Neptun Verlag 2024
Klappenbroschur
323 Seiten
ISBN 978-3-85820-347-2