
Kindheit, Krankheit und die erste „außerkörperliche Erfahrung“
Lea L. schildert in ihrem Buch Nichts weiter – staunen, träumen, sterben eindrücklich ihre frühen Erinnerungen an die Großeltern und eine Operation am kranken Auge. Während der Narkose erlebt sie sich selbst wie von außen – eine Erfahrung, deren Bedeutung sie erst später einordnen konnte. Als „Anschauungsobjekt“ für interessierte Studenten eingesetzt, wandte sie sich zunehmend Astrologie und Horoskopen zu und kam zu dem Schluss, dass deren Anhänger „keine abgehobenen Spinner“ seien.
Verlust, Krankheit und der Weg zur Meditation
Ausführlich beschreibt die Autorin den Tod ihrer Großmutter und die Beerdigung. Eine geplante Flugreise mit ihrem Freund musste sie abbrechen, da sie wegen eines erhöhten Augeninnendrucks – verursacht durch ein Glaukom – stationär behandelt wurde. Ein Arzt riet ihr dringend von einer geplanten Operation ihres Naevus flammeus ab. Über ihre Bettnachbarin fand sie Zugang zur Meditation und schloss sich einem Meditationskreis an.
Reinkarnation, Rückführungen und die Suche nach Erklärungen
Lea L. beschäftigte sich intensiv mit Psychokybernetik und Reinkarnationstherapien. Unter Hypnose tauchten bei ihr Erinnerungen an ein vermeintliches früheres Leben im Mittelalter auf. In einer weiteren Rückführung erlebte sie sich als Fötus im Mutterleib; die Tonbandaufnahmen dieser Sitzung gibt sie im Buch wörtlich wieder. Erst Jahre später fand sie im Gespräch mit ihren Eltern eine rationale Erklärung für diese Eindrücke.
Familie, Krankheit und neue Wege
Mit zweiundzwanzig beschloss sie, ihren langjährigen Freund zu heiraten. Augenärzte hatten sie früh darüber aufgeklärt, dass Glaukom und Naevus flammeus mit einem Blutschwamm im Schädelinneren zusammenhängen können – eine mögliche Vererbung beschäftigte sie sehr. Dennoch wagte sie eine Schwangerschaft, und ihre Tochter Kati kam gesund zur Welt.
Eine andere Frau führte später zur Trennung. Lea verbrachte Weihnachten mit Kati bei ihrem Bruder. Ihre Mutter, an Brustkrebs erkrankt, lehnte Chemotherapien ab. Lea selbst zog sich zu Meditationstagen ins Kloster zurück und ließ schließlich ihren Naevus in einem Laserinstitut behandeln.
Schamanismus, Telepathie und die Hoffnung auf Zeichen
Die Autorin beschreibt schamanisches Gedankengut, wonach Spontanheilung möglich sei, „wenn es gelingt, sich in der rechten Geisteshaltung und ohne Zweifel den heilen Zustand kraftvoll zu vergegenwärtigen“. Sie spricht von „drei unterschiedlichen Selbst“, die im Menschen wirken, und davon, dass Telepathie durch Unter- und Überbewusstsein entstehen könne. Während der Reanimation eines Freundes und Mentors hörte sie eine Stimme und spürte eine Berührung am Genick. Seither hofft sie auf Botschaften des Verstorbenen.
Trauerarbeit, Nahtoderfahrungen und der Tod der Mutter
Lea L. absolvierte eine Ausbildung zur „Trauererschließung“ in einer katholischen Einrichtung und gibt Nahtoderfahrungen anderer Menschen ausführlich wieder. Minutiös schildert sie den Tod ihrer Mutter sechs Jahre nach deren Erkrankung in einer ganzheitlich arbeitenden Klinik. Als Wunder empfindet sie, dass das befürchtete Sturge-Weber-Syndrom bei ihr trotz Glaukom und Naevus flammeus nicht nachgewiesen wurde. Später heiratet sie ein zweites Mal. Abschließend hält sie für möglich, „dass da ein uns Menschen weit überlegenes, lenkendes Gefüge existiert“.
Zwischen persönlicher Erzählung und fehlender wissenschaftlicher Einordnung
Die Autorin, ausgebildete Psychologin, veröffentlicht ihr in großen Lettern gedrucktes Buch unter dem Pseudonym Lea L. Wenn sie von der „überwältigenden Mehrzahl an Gehirnforschern“ spricht, bleiben Quellenangaben aus. Auch bei Aussagen über Halluzinationen nach Todesereignissen oder Erkenntnisse der Sterbeforschung bleibt unklar, worauf sie sich stützt. Lediglich ein einziges Zitat ist belegt.
Da das Werk keinen Sachbuchanspruch erhebt, sind Quellenangaben nicht zwingend – dennoch bleibt die Frage, welche Zielgruppe Lea L. erreichen möchte. Weder medizinisch Interessierte (Glaukom, Naevus, Sturge-Weber-Syndrom) noch Leserinnen und Leser spiritueller Themen wie Meditation, Radiästhesie, Geomantie, Psychokybernetik, Reinkarnation oder Schamanismus dürften hier wirklich fündig werden.
Ein persönliches Buch – aber für wen?
Dass jemand das Bedürfnis verspürt, über das eigene Leben und das der Angehörigen zu schreiben, ist nachvollziehbar. Doch vermutlich werden nur Verwandte und Bekannte echtes Interesse daran haben. Andere Leser dürften das Buch wohl nach wenigen Seiten zur Seite legen – auch wenn es in einer flüssigen, angenehmen Sprache verfasst ist und manche Passagen durchaus zum Nachdenken anregen, gerade wegen der mysteriös anmutenden Erlebnisse, die viele Menschen als Spinnerei abtun.
Nichts weiter – staunen, träumen, sterben von Lea L.

Books on Demand 2025
Broschur
308 Seiten
ISBN 978-3-8192-3990-8