
Ein unerwünschter Heiratsplan
Seit eine Influenza die Eltern von Miss Lydia Hanworth dahingerafft hat, ist ihre mit Edmund verheiratete Tante Agatha für sie und ihren Bruder Philip, genannt Pip, der Vormund. Als Lydia erfährt, dass sie mit dem zukünftigen Duke of Ancaster, dem Marquess of Ashford, einem der hochrangigen Adligen Englands, verheiratet werden soll, lehnt sie dies strikt ab – zumal sie von einer Verbindung mit Captain von Prett träumt. Doch da sie bereits alle heiratswürdigen Gentlemen abgelehnt hat, käme ein Nein einem sozialen Absturz gleich, und Onkel Edmund wäre gezwungen, sie zu Tante Mildred zu schicken, was Lydia unbedingt vermeiden will.
Ein Antrag ohne Gefühl
Bei der darauffolgenden Konfrontation mit Ashford willigt Lydia in die Verlobung ein, obwohl ihr zukünftiger Ehemann den Antrag ohne jede Gefühlsregung während einer Prise Schnupftabak formuliert. Die Verlobung soll jedoch erst in zehn Tagen öffentlich bekannt gegeben werden, nachdem Lydia durch Lady Phoebe Henley, einer wohlhabenden Cousine Ashfords, in die entsprechenden gesellschaftlichen Kreise eingeführt wurde – mit Ausritten, Dinnern und einem Maskenball.
Neue Bekanntschaften in Hawkscroft
Mit Pip reist Lydia von London nach Hawkscroft, wo sie im Haus von Phoebe deren Ehemann Sir Waldo, seinen Zwillingsbruder Lord Dacre sowie weitere Freunde der Gastgeberin kennenlernt. Heimlich belauscht Lydia ein Gespräch, aus dem sie erfährt, dass in der Vergangenheit entweder Ashford oder sein Vater alle Londoner Damen abgelehnt hat. Das bestärkt sie darin, alles daranzusetzen, dass Ashford selbst die Verlobung löst. Zum Entsetzen ihrer Zofe Jane trifft Lydia eine unangemessene Kleiderwahl, was Empörung hervorruft. Zudem zeigt sie schlechtes Benehmen und vertauscht absichtlich Adelstitel im Gespräch.
Mitgift, Missgeschicke und ein verschwundener Diamant
Ein weiteres belauschtes Gespräch offenbart Lydia, dass sie nur wegen ihrer Mitgift geheiratet werden soll, da das Herzogtum in Geldnöten steckt. Ihre Rachegelüste wachsen. Plötzlich bittet Jane um Hilfe für Elspeth, die Zofe Phoebes, da eine äußerst wertvolle Diamanthalskette verschwunden ist. Für Pip, der angehender Detektiv ist, ein gefundenes Fressen. Doch als Captain von Prett einer Einladung Phoebes folgt, gerät Lydia in Bedrängnis – denn ihm möchte sie gefallen, was ihren Plan der fortlaufenden Fauxpas erschwert.
Historischer Rahmen ohne Jahreszahl
Sophie Irwin lässt in ihrem Roman How to Lose a Lord in Ten Days*, übersetzt von Hannah Brosch und Kristina Koblischke, das Handlungsjahr unerwähnt. Dennoch lässt sich die Zeit einordnen: Der seit dem 18. Jahrhundert entwickelte Cotillon wird getanzt, und die Figuren reden sich in der dritten Person an.
Zwei Hauptfiguren unter Druck
Lydia hält an ihrem Traum einer Romanze fest und schmiedet unaufhörlich neue Rachepläne, um einer ungeliebten Verbindung zu entgehen. Sie nimmt sogar Demütigungen in Kauf, wenn sie mit geweiteten Augen angestarrt wird. Im Verlauf des Plots wird deutlich, dass auch Ashford unter Druck steht: Sein Vater verlangt eine Liebesheirat. Ashford glaubt, mit Lydia eine Braut zu präsentieren, die er aufgrund ihrer niederen Herkunft aus Liebe gewählt hat – und damit seine Probleme zu lösen.
Spannung, Überraschungen und ein Hauch von Krimi
Sophie Irwin gelingt es, von Beginn an das Interesse des Lesers zu wecken. Sie baut eine kontinuierliche Spannung auf, die am Ende sogar an einen Krimi erinnert, bei dem es um Leben und Tod geht. Der Plot hält zahlreiche Überraschungen bereit, denn nicht alle Figuren sind das, was sie zu sein scheinen. Der Roman unterhält bestens – die Unverfrorenheiten der rachsüchtigen jungen Frau und die zynischen Bemerkungen von Lydia und Ashford sorgen für ein beständiges Schmunzeln.
How to Lose a Lord in Ten Days von Sophie Irwin

Übersetzung von Hannah Brosch & Kristina Koblischke
Knaur Verlag 2026
Klappenbroschur
432 Seiten
ISBN 978-3-426-56511-7