
Vier Ex‑Partner, eine Yacht und ein gewagtes Experiment
Alma ist seit über zwanzig Jahren mit Lutz verheiratet und führt mit ihm gleichberechtigt seine drei in die Ehe eingebrachten Hotels. Für ein ungewöhnliches Experiment lädt sie ihre vier Verflossenen – Paul, Rick, Martin und Holm, der auf der Begleitung von Helene besteht – zu einer Segelfahrt in die Ägäis ein. Die Crew verbringt eine erste Nacht in einem Hotel in Athen, bevor sie an Bord der gecharterten Yacht Kallisti gehen.
Nach dem gemeinsamen Einkauf für die zweiwöchige Tour teilt Alma als Skip die Kabinen ein. Rick und Paul sowie Holm und Helene müssen sich jeweils eine äußerst beengte Bugkabine teilen. Helene, die sich gut mit Alma versteht, schläft häufig lieber an Deck. Martin, mit dem Alma früher schon gesegelt ist, übernimmt als Smut die Küche und sorgt für abwechslungsreiche Mahlzeiten.
Wind, Übelkeit und erste Konflikte
Während eines Landgangs setzt sich Paul für einige Zeit ab, was Alma missfällt. Bei Windstärke 5 kämpfen die ersten mit Übelkeit, und die Frage nach Rettungswesten kommt auf – besonders für nächtliche Fahrten, bei denen diese üblicherweise getragen werden. Rettungsmanöver werden geübt, und erste Konflikte aufgrund unterschiedlicher Ansichten bleiben nicht aus. Unter Alkoholeinfluss kommt es nach Beleidigungen sogar zu Handgreiflichkeiten.
Holm feiert an Bord einen runden Geburtstag, doch kurz darauf verschwindet Paul samt Seesack. Alma beschließt dennoch weiterzufahren. Die Erleichterung ist groß, als Paul wieder auftaucht.
Dann erscheint plötzlich ein riesiges Kreuzfahrtschiff – ein „Seeungeheuer“, das sich nur langsam fortzubewegen scheint. Die Wellen des vorbeiziehenden Schiffes wirbeln die Kallisti heftig durcheinander. Alma hört die Worte „Mann über Bord“. Trotz aller Bemühungen bleibt Paul verschwunden. Alma gerät in Panik: Soll sie die Polizei alarmieren? Gibt es Zeugen auf dem Kreuzfahrtschiff? Oder hat jemand die Situation genutzt und nachgeholfen?
Segeltechnik, Pannen und nautische Details
Die Protagonisten des Romans Poseidons Zorn* kämpfen mit zahlreichen Unwägbarkeiten: Obwohl Alma eine Yacht mit Elektrowinsche gebucht hat, müssen sie darauf verzichten. Paul, ehemaliger Pilot, kann das Problem mit der Kalibrierung des Navigationssystems nicht lösen. Während der Reise schlingt sich zudem die Mooringleine um die Schraube. Diese Beispiele zeigen, wie viele Begriffe und Situationen aus dem Segelsport in den Plot eingeflossen sind.
Mythologie, Philosophie und griechische Inselwelten
Wolfgang Herles lässt seine Figuren über griechische Mythologie und Götterwelten sprechen, ebenso über philosophische Themen wie Leben und Altern. Aus eigener Erfahrung berichtet er detailliert über Inseln wie Serifos, Milos, Folegandros, Santorin und Kreta. Der Kolona Beach auf Kythnos wird mit farbenprächtigem Sonnenuntergang und schimmerndem Wasser eindrucksvoll beschrieben.
Orte, Attraktionen und kritische Beobachtungen
Neben dem Geschehen an Bord – und dem zunehmend angespannten Verhältnis zwischen Holm und Paul – gibt es immer wieder eingestreute Informationen zu Orten und Attraktionen der Inseln: den Höhlen von Matala, einer App zur Identifikation aller Schiffe, der Kykladenviper oder der Gefahr durch herabgefallene Container.
Der Autor nennt wiederholt das Kreuzfahrtschiff Mein Schiff 5, dessen Wellen im Roman eine Katastrophe auslösen, und bezeichnet es als „Mein Monsterschiff 5“, einen Riesen der TUI‑Flotte. Kritisch äußert er sich über den „unerträglichen“ Massentourismus auf Santorin. Zudem berichtet er vom Untergang des Hospitalschiffes Britannic, einer Schwester der Titanic, das 1916 nahe der Insel Kea auf eine deutsche Seemine lief und – anders als die Titanic – nur wenige Todesopfer forderte.
Ein weiteres, kaum zu glaubendes Schicksal betrifft eine Stewardess, deren Geschichte man nach der Lektüre des informativen und unterhaltsamen Romans Poseidons Zorn* kennen wird.
Poseidons Zorn von Wolfgang Herles

Langen Müller Verlag 2026
Hardcover mit Schutzumschlag
280 Seiten
ISBN 978-3-7844-3813-9