
Wie frühe Klänge unser Denken formen
Der promovierte Musikwissenschaftler und Kabarettist Dr. Pop beginnt sein Sachbuch Macht Musik! mit den erstaunlichen Fähigkeiten eines erst wenige Tage alten Babys, das anhand nachweislich gemessener Gehirnströme bereits auf das Erklingen von Rhythmen reagiert. Wen wundert es da noch, wenn frühzeitig mit Musik bekannt gemachte Kleinkinder in Sprachtests besser abschneiden? Unter Hinzuziehung messbarer Fakten erklärt der Autor die Bedeutung des Vorsingens, das Auswirkungen auf den Schlaf hat. Zudem fördern Wiegenlieder nicht nur das vornehmliche Ziel des Einschlafens, sondern dienen nebenbei der Sprachverarbeitung.
Musikunterricht als Gehirnjogging
Bedauerlicherweise fällt der Musikunterricht, der die Hirnstruktur verbessert und den Dr. Pop als „Gehirnjogging mit Noten“ tituliert, an den Schulen zu oft aus. Diese Aussage begründet er mit dem kausalen Zusammenhang von Trommeln und Schlägen sowie mit der Ausschüttung bestimmter Hormone und Botenstoffe. Weiter wendet er sich mit beispielhaften Songtexten der Verbindung von Musik mit Alkohol und Drogen zu und geht beim Thema Erotik mit zunehmend expliziten, bewusst oder unbewusst gemachten zweideutigen Anspielungen bis in die Zeit vor Christus zurück.
Tanzen gegen Demenz
Auch beim Thema Tanzen wirft der Autor einen Blick in die Vergangenheit und listet diverse Tänze, die von der jeweiligen Generation unterschiedlich bewertet werden. Wie schon zu erwarten, hat auch das Tanzen nicht nur positive Auswirkungen auf das Gedächtnis, sondern senkt sogar das Risiko, wie eine Studie belegt, an Demenz zu erkranken.
Stars, Traditionen und musikalische Rituale
Dr. Pop weiß von aktuellen Stars und bekannten Komponisten, was sie vor ihrer Berühmtheit gemacht haben und was aus ihnen geworden ist. Für jeden Abschnitt einer Hochzeitsfeier macht er musikalische Vorschläge, wobei er die Scheidung nicht ausspart. Er nimmt Stellung zur Musik des Oktoberfestes, gibt Informationen zu dessen Entstehung sowie zur Geschichte der Weihnachtslieder und jener, die zum Geburtstag zum Besten gegeben werden.
Generationen, Konflikte und ein Mixtape der besonderen Art
Mit verblüffenden Phänomenen, die bereits in der Zeit vor Christus Konflikte belegen, widmet er sich dem Umgang von Generationen in der Popmusik. So verschieden die Vorlieben sein können, nennt er eine Aufführung, zu der Gäste im Frack und Abendkleid erschienen, Hippies dagegen in Jeans. Der Autor hat ein „Mixtape“ von Stars erstellt, denen der Erfolg wegen eines Handicaps nicht in die Wiege gelegt wurde, gibt Informationen zur Entwicklungsgeschichte eines Pianos und weiß von ungewöhnlichen, berührenden Geschichten zum Klavier und Flügel.
Klavierspielen als Gehirntraining
Tatsächlich werden „die Nervenbahnen zwischen beiden Hemisphären im Gehirn“ durch das Klavierspielen dicker, was wiederum „eine bessere Kommunikation zwischen beiden Gehirnhälften ermöglicht“. Das führt nicht nur zur Senkung des Cortisolspiegels, sondern verringert auch hier wieder das Demenzrisiko. Dr. Pop geht auf die Wirkung von Musik auf Angst und mit Beispielen auf Filmmusik ein. Zum Thema True Crime in der Musik schreibt er von Vergehen berühmter Personen und von drei in der Haft entstandenen berühmten Werken. Er wendet sich Plattensammlungen und Konzerten zu, deren Preise leider in die Höhe geklettert sind, und listet letztlich Spätzünder unter den Musikern.
Wissenschaft verständlich erklärt – mit Humor
Im Sachbuch Macht Musik! wird der Leser mit einer Reihe von Informationen zur Funktion des Gehirns konfrontiert, die jedoch keinen Laien abschrecken, zumal der Autor seine Ausführungen bewusst verständlich formuliert hat. Mit in jedem Absatz mitschwingenden Umschreibungen, aus denen eindeutig seine kabarettistische Neigung hervorgeht, peppt er die Inhalte amüsant auf. So hält er die Frequenz bei einer Herzdruckmassage beim Titel Highway to Hell tempomäßig zwar für perfekt, den Text in diesem Zusammenhang allerdings für fragwürdig.
Kurioses, Kreativität und musikalische Zufälle
Neben einer Vielzahl eigener Erfahrungen haben Zitate berühmter Personen wie Albert Einstein Eingang gefunden. Der Autor nimmt Stellung zur Musik von ABBA, die bei näherer Betrachtung recht komplex ist, oder zu einem zufällig entstandenen Intro der Beatles, dessen Kreativität neue Perspektiven eröffnete. Neben kuriosen Geschichten – etwa einer aus Teilen von Fahrrad, Brotdose und Stricknadel entstandenen Gitarre, die „einer der erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte“ gehörte – weiß er von einem aufgrund eines Missgeschicks von Louis Armstrong berühmt gewordenen Jazz-Song.
Musik, die neugierig macht
Der Leser wird bei der Lektüre, der eine Auflistung von Anmerkungen folgt, immer wieder das Internet bemühen, um sich das ein oder andere erwähnte Musikstück anzuhören. Dazu zählt sicher auch ein Auftritt des King of Rock ’n’ Roll in Las Vegas. Mit seinem Sachbuch Macht Musik! unterstreicht Dr. Pop unmissverständlich seine Forderung, Musikangebote als festen Bestandteil in Kita, Jugendzentren und Schule aufzunehmen. Da seid ihr, liebe Eltern und Schüler, gefordert und solltet laut dem Satz „Can we have that?“ der Beatles Nachdruck verleihen.
Macht Musik! von Dr. Pop

Ein unterhaltsames Sachbuch über die Kraft der Musik: Dr. Pop erklärt verständlich und humorvoll, wie Klänge unser Gehirn formen, Emotionen steuern und Gesundheit fördern.
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Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsjahr: 2026
Seitenzahl: 336
Genre: Sachbuch