
Ankunft in Craster und ein kühner Plan
Der erste Teil Hedley Mill – Wohin der Weg dich führt* einer Weberei‑Trilogie setzt im Jahr 1954 an, als Laura Hedley nach einer Schneiderlehre und dem Besuch einer Modeschule mit dem Zug aus London ins Fischerdorf Craster reist. Dort möchte sie die seit den zwanziger Jahren stillgelegte Weberei ihres Großvaters wiederaufbauen, um Tweed zu produzieren. Ihre Tante Jane empfängt sie herzlich, bevor Laura sich die Webstühle ansieht, die – wie erwartet – in einem erbärmlichen Zustand sind.
Alte Meisterinnen, neue Verbündete
Auf den Rat ihrer Tante hin besucht Laura die ehemalige Weberin Penelope Fenwick, die zwar nicht mehr gut sehen kann, aber das richtige Einfädeln ertastet und sogar ein Notizbuch mit Mustern und deren Umsetzung aufbewahrt hat. Anschließend besucht Laura Sam Birkby, dessen Ehefrau Edith ein weiteres Kind erwartet. Sie möchte ausschließlich die Wolle seiner Cheviot‑Schafe verarbeiten und lehnt fertigen Zwirn aus Spinnereien ab. Erleichtert ist sie auch über die Unterstützung des tauben Charles Whitehouse, der den defekten Dampfkessel repariert.
Misstrauen im Dorf und erste Gefühle
Die Dorfbewohner reagieren wenig begeistert auf Lauras Ankunft, die mit ihrem roten Mantel sofort auffällt. Man fürchtet, sie könne Frauen aus der Räucherei abwerben. Während Ronan Armstrong, der eines Tages die Fischereiflotte seines Vaters übernehmen soll, Interesse an Laura zeigt, missfällt seiner Schwester Carol, dass Laura seine Avancen nicht erwidert. Stattdessen kann Laura den Blick kaum von Frederick (Fred) Barrington lassen, der später die Heringsräucherei leiten soll. Mit seiner Schwester Millie freundet sie sich rasch an und erfährt von deren bevorstehender Verlobung mit Patrick.
Konflikte, Küsse und gefährliche Gerüchte
Tatsächlich wendet sich Alice Rogers an Laura, weil sie das kalte Wasser in der Räucherei nicht länger erträgt. Auch Diana Owen möchte zur Weberei wechseln. Fred macht Laura deshalb Vorwürfe, es kommt zum Schlagabtausch, bei dem beide den anderen eine „unerträgliche Person“ nennen. Dennoch küssen sie sich kurz darauf – Lauras Herz schlägt längst schneller, wenn Fred in ihrer Nähe ist. Im Dorf spricht sich das schnell herum, und Carol greift zu Lügen, um Laura als Flittchen hinzustellen.
Bedrohung und ein zerstörter Traum
Noch kann Laura nur wenige Frauen einstellen, die Webstuhl, Walkmaschine und Tenterrahmen bedienen können müssen, bevor die erste Produktion verkauft ist. Doch als Freds Vater Tom Barrington mit mehreren Männern vor ihrer Tür steht, ziehen dunkle Wolken auf. Von Carol und Ronan erfährt Laura nur noch Hass – und plötzlich steht sie nach einer Drohung vor den Trümmern ihrer Weberei. Was soll nun werden?
Liebe, Intrigen und historische Details
Sophie Oliver setzt in ihrem flüssig geschriebenen Roman auf die bewährte Kombination aus Liebe und Intrige. Dass es zwischen Fred und Laura knistert, zeigt sich früh. Selbst Tante Jane verändert sich: Mit Lauras Tipps färbt sie ihr graues Haar und legt sich einen modischen Haarschnitt zu, was Charles Whitehouse nicht verborgen bleibt. Und dass Carol reichlich Erfindungsgabe für Bosheiten besitzt, ist im Dorf kein Geheimnis.
Atmosphäre, Handwerk und ein Hauch Legende
Dass eine kleine Bootshütte am Strand bei einem plötzlich aufziehenden Gewitter Raum für romantische Momente bietet, mag klischeehaft wirken, doch wird damit dem informativen Plot nicht gerecht. Der Roman listet zahlreiche historische Begebenheiten, reale Orte an der englischen Nordseeküste Northumberland sowie Details über Legenden, Aberglauben und Traditionen. Auch technische Informationen zur Waschanlage der Stoffbahnen, zur Spannung auf dem Trocknungsrahmen, zum Walkprozess und zum Unterschied zwischen faser‑ und garngefärbten Stoffen fließen ein.
Ein offenes Ende und der Blick nach vorn
Im Nachwort verweist die Autorin auf historische Vorbilder und reale Parallelen. Wie es mit Laura und Fred weitergeht – und wie es der am Ende verunglückten Tante Jane ergeht – wird der Leser erst im zweiten Band der Familiensaga um die Tweed‑Weberei erfahren, die sicher erneut spannende und berührende Momente bereithält.
Hedley Mill – Wohin der Weg dich führt von Sophie Oliver

Bastei Lübbe Verlag 2026
Taschenbuch
320 Seiten
ISBN 978-3-404-19669-2