Knut Jansen, Kommissar aus Valandsiel, wird zu einer Leiche gerufen, aus deren Mund Sand rieselt. Es besteht kein Zweifel, dass Robert Jäger ermordet wurde und Knut fordert zur Unterstützung Helen Henning an, eine ehemalige Profilerin vom FBI, die ihm bereits vor drei Monaten bei einem Fall geholfen hat. Während des Mordes muss sich die völlig verstört wirkende Melanie Roth, Geliebte von Robert Jäger, in seiner Wohnung befunden haben, weshalb sie nicht vernehmungsfähig ist. Gemeinsam mit Johann Maas vom LKA bilden Knut und Helen eine Soko und stellen sich die Frage, wie der Täter einen Zugang zur Wohnung finden konnte und wer die Polizei benachrichtigt hat.

Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergibt, dass Jäger seinen Tod bei vollem Bewusstsein erlebt haben muss und ihm mit einem Laryngoskopspatel gewaltsam eine enorme Menge Sand eingetrichtert wurde. Als die Architektin Anneke Goldmann vermisst wird, ahnen die Ermittler schon einen Zusammenhang und ihre schlimmsten Befürchtungen werden wahr, als eine weitere Leiche aufgefunden wird. Überraschend nimmt Knut einen Anruf mit einer verzerrten Stimme an, in dem weitere Morde angekündigt werden und ihnen ein Ultimatum gestellt wird. Da alles auf einen alten Fall vor fünfundzwanzig Jahren hindeutet, fragt Knut seinen Vater Thor um Rat, der die Revierleitung an seinen Sohn erst kürzlich abgegeben hat und der über ein erstaunliches Gedächtnis verfügt.

Wie in seinem Thriller Der Jungfrauenmacher hat Derek Meister auch mit der Fortsetzung Die Sandwitwe wieder eine Figur mit einer äußerst krankhaften Persönlichkeit geschaffen. Bereits auf den ersten Seiten hält der Leser den Atem an. Glücklicherweise verschafft ihm der Autor mit privaten Problemen der Profilerin Helen, die in Valendsiel ein Restaurant von ihrem Vater geerbt hat und noch einiges aus ihrer Vergangenheit bewältigen muss, eine Verschnaufpause. So wechseln sich Abschnitte ab, in denen sie in Gedanken abschweift mit Szenen, wo ein Opfer um sein Leben bangt oder mit Momenten, in denen sich die Ermittler mutig in ein Abenteuer stürzen und sogar in Lebensgefahr begeben. In Rückblicken erfährt der Leser immer wieder nur ein Puzzleteil einer alten Geschichte um eine Bande von Kinderpiraten, die sich Black Dogs nannten.

Derek Meister lässt seinen Protagonisten Knut Jansen nicht, wie bei Kommissaren üblich, selbstsicher auftreten, sondern hat ihn im Gegenteil mit einem Minderwertigkeitskomplex ausgestattet. Seinem Vater Thor, der sogar vom Bürgermeister hoch geschätzt wird, kann er, zumindest aus seiner Sicht, nicht das Wasser reichen. Schnell fühlt er sich als Versager, wenn nicht alles so läuft, wie es hätte laufen sollen und ist verärgert, wenn sich sein Vater dauernd in seine Arbeit einmischt. Auch privat ist er unsicher und weiß nicht so recht, ob er weiterhin mit seiner Kollegin Birthe zusammen sein will, oder doch mehr für Helen empfindet. Derek Meister hat für sein spannendes Werk Die Sandwitwe in medizinischer Hinsicht eine gute Recherche betrieben, denn „seine Morde“ sind alles andere als gewöhnlich. Mit psychologischer Raffinesse präsentiert er dem Leser einen Mörder, der nicht nur die Ermittler überrascht, und mit den letzten Sätzen entfacht er auch noch die Neugier des Lesers auf eine Fortsetzung des sich prima ergänzenden Duos Knut und Helen.

Derek Meister, Die Sandwitwe, Blanvalet Verlag 2016, Taschenbuch, 384 Seiten, ISBN 978-3-7341-0061-1, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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