Die beiden Journalisten Brent Schlender und Rick Tetzeli arbeiten seit ihrer gemeinsamen Zeit bei dem Magazin Fortune schon seit vielen Jahren zusammen. Für ihre Biografie Becoming Steve Jobs haben sie drei Jahre lang recherchiert und zahlreiche Freunde und Weggefährten des Mitbegründers von Apple interviewt, um ein tieferes Verständnis für die Persönlichkeit hinter der Legende Steve Jobs zu vermitteln. Nach ihrer Ansicht wird in den zahlreichen, bisher veröffentlichten Biografien ein falsches Bild gezeichnet, das bereits in den achtziger Jahren immer wieder in der selben Weise verbreitet wurde.

Fast fünfundzwanzig Jahre lang hat Brent Schlender für seine Berichte im Wall Street Journal und im Magazin Fortune zahlreiche Gespräche mit Steve Jobs geführt. Im Prolog des Buches berichtet er über die erste Begegnung, die 1986 in der Zentrale von NeXT Computer in Palo Alto stattfand. Zu diesem Zeitpunkt war Jobs einunddreißig Jahre alt und bereits weltberühmt, er galt als Superstar der Hightech. Dem Mitbegründer von Apple Computer war es gelungen, mit den ersten Schaltkreisen, die er und Steve Wozniak in einer Garage in Palo Alto entwickelten, die Voraussetzungen für ein milliardenschweres Unternehmen zu schaffen, denn das Potential des Personal Computers schien praktisch unbegrenzt zu sein. Wie Brent Schlender weiter erzählt, hatte sich Jobs ein Jahr zuvor von Apple getrennt, um in seinem neuen Unternehmen NeXT Workstations zu bauen.

Doch bevor die Autoren sich dem Thema NeXT Computer zuwenden, berichten sie über den jungen Steve Jobs sowie die Entstehung von Apple Computer und die weitere Entwicklung des Unternehmens. Über NeXT Computer schreiben sie, dass es für Jobs eine Zeit des Scheiterns war, in der er als Unternehmerpersönlichkeit gereift ist. Das Startup war für einen Umsatz von einer Milliarde Dollar ausgelegt, erzielte aber nur wenige Millionen Jahresumsatz. Eine weitere Gelegenheit, etwas Neues anzufangen, bot sich Jobs mit der Graphics Group Pixar, die er von Lucasfilm kaufte. In der Technologie zur Bearbeitung dreidimensionaler Bilder sah er ein großes Potential. Wie sich herausstellte, hatte Jobs recht, denn mit dem Film „Toy Story“ gelang Pixar ein erster Erfolg, und der Börsengang des Unternehmens machte ihn zum Milliardär.

In der zweiten Hälfte der Biografie erzählen Brent Schlender und Rick Tetzeli ausführlich von den Ereignissen, nachdem Apple Computer NeXT von Jobs gekauft hatte. Er kehrte zunächst als Berater in das Unternehmen zurück und wurde Mitglied des Vorstandes. Um den angeschlagenen Konzern zurück in die Gewinnzone zu bringen, machte Apple ihn zum Geschäftsführer. Unter seiner Führung wurde der iMac entwickelt. Mit dem Musikplayer iPod und der Software iTunes sowie dem iTunes Music Store drang Apple erfolgreich in den Bereich der digitalisierten Musik vor, und Jobs erkannte, dass mit der Verschmelzung von Verbraucherelektronik mit dem Computer ein neuer Wachstumsmarkt entstehen würde. Er änderte die Unternehmensstruktur, und Apple entwickelte das iPhone und das iPad.

Die Ereignisse werden von Brent Schlender in der Ich-Perspektive geschildert, wobei der Leser auch viel Uninteressantes über den Journalisten, seine Arbeit und seine Familie erfährt. Der chronologische Verlauf der Biografie wird oft durch Rückblicke auf bestimmte Begebenheiten oder Aussagen von Zeitzeugen unterbrochen. Dabei kommt es zu häufigen Wiederholungen, die immer wieder die Entwicklung, die Steve Jobs im Laufe der Jahre vollzogen hat, zum Thema haben. Die Theorie, die Brent Schlender und Rick Tetzeli daraus entwickelt haben, lautet, dass Jobs erst durch sein Scheitern mit NeXT Computer zu dem Visionär herangereift ist, der mit neuen, innovativen Produkten Apple zu einem milliardenschweren Unternehmen gemacht hat. Wer bereits die Biografie von Steve Jobs kennt, kann aus diesem Buch nur wenig Neues erfahren. So ist das Buch Becoming Steve Jobs über weite Strecken nicht nur sehr langatmig, sondern auch extrem langweilig!

Brent Schlender und Rick Tetzeli, Becoming Steve Jobs, Siedler Verlag 2015, Hardcover mit Schutzumschlag, 512 Seiten, ISBN 978-3-8275,0078-6, Preis: 26,99 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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