James A. Mitchell hat sich mit seinem Buch Das Walross und die Elefanten an die schwierige Aufgabe gewagt, ein Porträt von John Lennon während der Jahre nach der Trennung von den Beatles und seinem Umzug von London nach New York zu zeichnen. Dieser zur Legende gewordene Musiker hat innerhalb weniger Stunden die Freilassung des Bürgerrechtlers John Sinclair bewirken können. Politiker wollten seinen Einfluss für die Präsidentschaftswahlen nutzen, um Nixon zu stürzen. Doch nach seiner Wiederwahl reagierte man prompt und verweigerte Lennon die Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung. Wie den Ausführungen von James A. Mitchell weiter zu entnehmen ist, drohte man dem verheirateten Lennon sogar mit der Ausweisung, die eine Trennung von seiner Frau Yoko Ono bedeutet hätte, die auf der Suche nach ihrer Tochter in Amerika bleiben wollte. Es war dem Musiker nicht einmal möglich, das Land zu verlassen, weil ihm dann unter Umständen die Wiedereinreise versagt worden wäre, wie es Jahrzehnte zuvor Charly Chaplin passierte.

In einer Show von Mike Douglas soll John Lennon als für ihn wichtige Themen Liebe, Frieden, Kommunikation, Rassismus, den Krieg und die Befreiung der Frau erachtet haben, wobei er bezüglich seiner Achtung vor Frauen Jahre später, als sein Sohn Sean geboren wurde, mit einem guten Beispiel voranging. Lennon arbeitete mittlerweile mit den Elephant’s Memory zusammen, und ihre Single Woman Is The Nigger Of The World soll wie eine Bombe eingeschlagen haben. Der Autor schreibt, dass sowohl die Single, wie auch das Album Some Time In New York City für Lennon ein herber Rückschlag war. Er berichtet vom letzten großen Auftritt mit den Elephants im Madison Square Garden und vom Abschied von der Band. Aber auch das Privatleben von John Lennon kommt nicht zu kurz, wie zum Beispiel seine Trennung von Yoko Ono und die Flucht nach Los Angeles, wo er ein ausschweifendes Leben führte.

Wie in dem Buch Das Walross und die Elefanten zu lesen ist, zog John Lennon Liebe dem Hass und Frieden dem Krieg vor. Er hätte sich in einer Äußerung dafür geschämt, nicht mehr für die Antikriegs- und Bürgerrechtsbewegung getan zu haben und sich mit einem Journalisten verglichen, der lediglich seine Botschaften singt. Der Kopf, der gemäß des Autors als die einflussreichste Kraft in der Geschichte der Unterhaltungsindustrie gilt, durfte noch an einem Tag, nämlich seinem eigenen 35. Geburtstag, die Geburt seines Sohnes erleben und sich auf die Aufhebung seines Ausweisungsbescheides freuen. Wie seine Frau ihre Tochter Kyoko in die Arme schließen konnte, hat Lennon durch seine Ermordung nicht mehr erfahren dürfen.

James A. Mitchell hat für das bestens recherchierte, mit Zitaten gespickte, zuweilen spannende und an Informationen nicht mehr zu überbietende Buch unzählige Interviews mit ehemaligen Freunden und Musikern geführt, wobei ehemalige Mitglieder der Elephant’s der gemeinsamen Zeit mit Lennon erst nach seinem Tod die gebührende Bedeutung beigemessen haben. Die Achtung und Wertschätzung, die der Autor diesem außergewöhnlichen, in jeder Hinsicht revolutionären Menschen entgegenbringt, ist unverkennbar. Er beendet sein Buch Das Walross und die Elefanten mit nur einem Wort, einem Titelsong von Lennon, dem nichts mehr hinzugefügt werden kann: Imagine!

James A. Mitchell, Das Walross und die Elefanten, Edition Nautilus 2015, Hardcover mit Schutzumschlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-89401-816-0, Preis: 24,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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