Hansjörg Küster schreibt in dem Bildband Die Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns von vorgeschichtlichen Gletschern, die sich von Nordeuropa immer weiter ausbreiteten. Durch eine Moränenwelle wurde die Ostsee von der Nordsee getrennt und Hebungen in Nordskandinavien halten sogar bis zum heutigen Tag weiter an. Anders als an der Nordsee gedeihen an der Küste der salzarmen Ostsee Getreidesorten und es fehlen die Gezeiten, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass durch Winde verursachte Sturmfluten auftreten, die mehrere Wochen andauern können. Im Laufe der Zeit verzeichnete das Land verschiedene Zugehörigkeiten, was nach dem Zweiten Weltkrieg zur Vertreibung von Gutsbesitzern und mit dem Ende der DDR zu einer Reprivatisierung führte.

Der Autor erklärt dem Leser, was er sich unter einer Buhne, den Bodden oder einem Haff vorzustellen hat. Er macht verständlich, wie aus den Riffen zuerst Haken, und später Nehrungen werden. Des weiteren sorgt er dafür, dass der Leser die Stadt Lübeck richtig aussprechen kann, denn bedingt durch das Dehnungs-C heißt es korrekt: Lübeek! Nirgendwo auf der Welt sind das Meer und der Wald so nah beieinander, weil es an den Steilküsten mit malerischen Kreidefelsen immer wieder zu Abbrüchen kommt. So stürzen nicht nur einzelne Bäume ins Meer, sondern ganze Orte sind auf diese Weise verschwunden. Da sich der von einem Strandabschnitt fortgespülte Sand an anderer Stelle ablegt, ist die Küste in dauernder Bewegung und formt sich neu. Zahlreichen Zugvögeln, insbesondere den Kranichen, bietet Mecklenburg-Vorpommern eine Rastmöglichkeit.

Neben vielen Orten, die alle ihren Reiz haben, hebt Hansjörg Küster einige Orte in dem Buch Die Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns besonders hervor: Boltenhagen; Wismar, das die größte Werfthalle Deutschlands beherbergt und deren Altstadt zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt wurde; Rostock mit dem Stadtteil Warnemünde; die mittelalterliche Hansestadt Stralsund, die sich ebenfalls zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen darf; die Universitätsstadt Greifswald; Wolgast und Ueckermünde. Was die vielen Inseln und Halbinseln betrifft, widmet er sich hauptsächlich: Poel; der als Geheimtipp geltenden und autofreien Insel Hiddensee; Rügen mit dem beliebtesten Badestrand Binz und Usedom mit den drei Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin, wobei gerade auf Usedom die meisten Seeadler von Mitteleuropa zu finden sind und vieles an den Zweiten Weltkrieg erinnert.

Die aufschlussreichen und interessanten Texte, in die Hansjörg Küster alte Sagen einfließen lässt, finden eine wundervolle Ergänzung durch die farbigen Fotos von Georg Jung, die bei dem großzügig gewählten Buchformat richtig gut zur Geltung kommen. So kann sich der Leser an Aufnahmen von einzigartigen Seenlandschaften und Küstenabschnitten kaum satt sehen oder sich an den schmucken, reetgedeckten Häusern und auch an den mit Zeesenbooten fahrenden Fischern erfreuen.

Hansjörg Küster und Georg Jung, Die Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns, Ellert & Richter Verlag 2012, Hardcover, 144 Seiten, ISBN 978-3-8319-0481-5, Preis: 12,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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