Die Orangen des Präsidenten von Abbas Khider

Die Orangen des Präsidenten
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In seinem Roman Die Orangen des Präsidenten schreibt Abbas Khider von den Erfahrungen, die der 8-jährige Mahdi Muhsin während des Irak-Iran-Krieges macht. Seinen Vater verliert er im Krieg, als er 9 Jahre alt ist. Mit 18 Jahren bricht der letzte Tag seiner Abiturprüfung an und er macht mit seinem Freund Ali einen Ausflug. Unterwegs werden sie ganz überraschend festgenommen und kommen in Untersuchungshaft. Mahdi soll aussagen, welcher Organisation er angehört, doch er weiß nicht, wovon die Rede ist. Er wird mit Stromschlägen gefoltert, mit Stockschlägen grausam misshandelt und muss die „Erziehungsmethoden“, wie sie es nennen, über sich ergehen lassen. In den dunklen Verliesen, in denen niemals die Sonne scheint, quälen ihn die Wanzen und Krätzmilben. Hinzu kommt sein durch Hunger ausgezehrter Körper.

Einzige Lichtblicke sind die immer wiederkehrenden Erinnerungen an glückliche Tage mit seinem Freund Sami, der wie er selbst Taubenzüchter war. Er hofft auf eine Amnestie zu Ehren Saddams Geburtstag, doch die Hoffnung wird enttäuscht. Stattdessen bekommt jeder Häftling eine Blutorange. Neue Hoffnung auf Befreiung keimt erst in den Häftlingen auf, als sie die Kampfflugzeuge der Alliierten hören. Als Mahdi endlich befreit wird, sieht er im Spiegel nur noch einen Fremden, bestehend aus Haut und Knochen. Doch noch ist er nicht in Sicherheit und muss das Flüchtlingslager an der irakisch-kuwaitischen Grenze erreichen.

Abbad Khider vermittelt in Die Orangen des Präsidenten einen guten Einblick in das Leben im Irak. In Erzählungen unter den Häftlingen wird der Leser mit den Giftgasangriffen auf die Städte konfrontiert. Es geht nicht nur darum aufzuzeigen, dass Tausende ums Leben kamen. Abbad Khider geht es um ein tieferes Verständnis. Er schreibt, der Fernseher und die Diktatur besitzen die Macht der Lüge. Und als Mahdi einem seiner Peiniger gegenübergestellt wird, sind zwei Persönlichkeiten in ihm: die eine sagt, dass er Gewalt verabscheut, die andere will sich rächen. Der Autor, der selbst zwei Jahre aus politischen Gründen im irakischen Gefängnis eingesessen hat, sieht an diesem Beispiel, dass der Engel im Menschen getötet wurde. In aller Offenheit berichtet er von Tausenden, die von einer Sekunde auf die nächste Fremde im eigenen Land wurden, als im März 1991 die irakische Armee die Aufständischen ohne Prozess hingerichtet hat und massenweise in der Wüste vergraben. Und was heißt Hunger, nur zwei Stücke Brot am Tag? Wer weiß schon, dass dann nur noch alle zwei Wochen ein qualvoller Stuhlgang möglich ist?

Geschickt informiert Abbad Khider in Die Orangen des Präsidenten den Leser über die politischen Zustände in einem Land, das viele nur mit dem harmlos klingenden Begriff „Golfkrieg“ in Verbindung bringen. Seine Geschichte bekommt durch die Wahl der nicht chronologisch aufeinander aufbauenden Kapitel eine Lebendigkeit. Ganz nebenbei erfährt man, dass ein Taubenzüchter in der irakischen Gesellschaft ganz unten angesiedelt ist, die Töchter nicht gerne mit ihnen verheiratet werden und ihre Aussage vor Gericht keine Anerkennung findet.

Abbad Khider, Die Orangen des Präsidenten, Edition Nautilus 2011, gebunden mit Schutzumschlag, 160 Seiten, ISBN 978-3-89401-733-0, Preis: 16,00 Euro.

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