Elli ist elf Jahre und wohnt bei ihrer geschiedenen Mutter in der Nähe von San Francisco. Ihre frühere Babysitterin Nicole beaufsichtigt sie, wenn ihre Mom der Arbeit als Schauspiellehrerin nachgeht. Eines Tages bringt sie einen dreizehnjährigen Jungen mit nach Hause, der von der Polizei aufgegriffen wurde, weil er sich unerlaubt Zugang zu einem Labor verschaffen wollte. Doch ist dieser Junge eigentlich Ellis sechsundsiebzigjähriger Großvater, der ein Mittel gegen das Altern entdeckt hat.

Der Großvater, Melvin Herbert Sagarsky, erzählt seiner Enkelin Elli, dass er seit vierzig Jahren Quallen erforscht, bereits zwei Doktortitel und einen Nobelpreis bekommen hat und seinen Jungbrunnen an Mäusen testete, bevor er das Mittel an sich selbst ausprobierte. Ihm gefiel es nicht, immer schlechter sehen und hören zu können und auch immer häufiger auf die Toilette zu müssen. Dummerweise muss er jetzt mit dreizehn Jahren wieder eine Schule besuchen, bekommt Akne und darf nicht mehr Auto fahren. Das wird zum Problem, weil er unbedingt in sein Labor muss, um an die besondere Quallenart, die den Alterungsprozess umkehrt, zu kommen.

Elli wird in dem Kinderbuch Der vierzehnte Goldfisch von Jennifer Holm im Verlauf der Handlung klar, dass das Leben nicht unbedingt besser wird, wenn man plötzlich wieder jünger ist. Denn wenn das eigene, erwachsen gewordene Kind dem Vater, der wieder zum Kind wurde, Vorschriften machen kann, dann stellt sich die Frage, wer wofür die Verantwortung trägt. Durch die verrückte Situation in der Geschichte, dass der Großvater, der sich zum dreizehnjährigen Kind zurück entwickelt hat, der Mutter von Elli Vorschriften macht, wird Elli bewusst, dass sich ihr Erzieher im Kindergarten etwas dabei gedacht hat, als er allen Kindern einen Goldfisch schenkte, der jedoch nicht lange leben würde. Erst nach sieben Jahren beichtet ihr die Mutter, in den Jahren die verendeten Tiere durch neue ersetzt zu haben, womit der Plot beginnt.

Positiv sind die Hinweise, dass Interessen bei Kindern geweckt werden müssen und Wissenschaftler sowohl zum Nutzen, als auch zum Schaden der Menschheit etwas entwickeln können. Als Beispiel hat die Autorin Jonas Salk für den Entdecker eines Impfstoffes gegen Polio angeführt und Julius Robert Oppenheimer als Entwickler der Atombombe. Es ist sicher auch nicht schlecht, wenn Kinder ab einem Alter von elf Jahren, für die das Buch empfohlen wird, von Marie Curie und den von ihr entwickelten Röntgenstrahlen, von Louis Pasteur, der die nach ihm benannte Pasteurisierung entdeckte oder vom Physiker Isaac Newton gehört haben. Doch hat es wahrscheinlich wenig Sinn, viele dieser Namen aufzuführen, wenn man letztlich mit keiner Person etwas verbinden kann.

Überhaupt hat Jennifer Holm zu viele und dazu unwichtige Dinge in dem Kinderbuch angesprochen. Dass die Babysitterin Nicole einen Job bekommen hat oder die Erwähnung von Brianna, einer Freundin von Elli, die ein hartes Volleyballtraining begonnen hat, sind Beispiele dafür. Ein geschiedener Mann mag seiner ehemaligen Frau noch handwerklich unter die Arme greifen. Allerdings ist fraglich, warum die Autorin ausgerechnet das mit dem umstrittenen Geschmacksverstärker Glutamat gewürzte chinesische Essen als die Lieblingsspeise des Großvaters wiederholt angeführt hat. Unter einem Taco oder Burrito können sich die jungen Leser vielleicht etwas vorstellen, aber was sollen Quesadilla, Fajitas oder Guacamole sein? Was ist ein Corn-Dog-Tag? Oder was soll sich ein Kind unter einem binokularen Mikroskop vorstellen, wenn es in dem Buch nicht erklärt wird? Außerdem stellt sich die Frage, ob Kinder schon den Fachbegriff Seneszenz für den Alterungsprozess kennen müssen. Wenn Wissen für eine entsprechende Altersgruppe transparent gemacht wird, dann ist das sehr zu begrüßen. Doch das ist in dem Roman Der vierzehnte Goldfisch leider absolut nicht der Fall.

Jennifer Holm, Der vierzehnte Goldfisch, Heyne Verlag 2015, Hardcover, 176 Seiten, ISBN 978-3-453-27022-0, Preis: 12,99 Euro.

Wie bewerten Sie dieses Buch? schrecklichschlechtdurchschnittlichgutausgezeichnet 4 Stimme(n) | Bewertung 4,25 | Sie müssen sich registrieren, um am Leservoting teilzunehmen.
Loading...

Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *