Der Japaner im Kofferraum von Frank Fischer

Der Japaner im KofferraumFrank Fischer informiert uns in Der Japaner im Kofferraum über alles rund ums Taxifahren. Aus der Sicht des Taxifahrers erfahren wir, welche Probleme es mit dem Wechselgeld geben kann, dass wieder der beste Zeitpunkt zum Tanken verpasst wurde, genau die gesuchte Seite im Straßenatlas fehlt und der Bahnübergang mit Sicherheit gesperrt ist, wenn man diesen Weg eingeschlagen hat. Der Autor listet die unterschiedlichen Typen von Fahrgästen und der eigenen Kollegen auf und beschreibt die Vorzüge von Stammfahrgästen und Geschäftsreisenden. Er berichtet von den ersten Sänften in Berlin und der Einführung des Taxameters, dass es festgesetzte Preise im „Pflichtfahrgebiet“, nicht aber auf Fernfahrten gibt und die Fahrer nach gültiger Rechtsprechung sogar eine Beförderungspflicht haben.

Hunde muss ein Taxifahrer nicht befördern, wohl aber einen Blindenhund. Wer weiß das schon? Oder dass der Taxifahrer von der Anschnallpflicht befreit ist und alleine der Gast bestimmen kann, ob ein Fenster geöffnet werden oder wie laut das Radio gestellt werden soll. Auch dürfte vielen nicht bekannt sein, dass einem Taxifahrer eine Strafe droht, wenn er den Stadtplan oder Quittungsblock nicht mitführt oder nicht ordnungsgemäß gekleidet ist. Wobei sich hier die Frage stellt, was darunter zu verstehen ist. Der schwarze Anzug?

Der Leser erfährt weiter, dass die britischen Banker das meiste Trinkgeld geben und manch ein Gast mehr von sich erzählt, als sein Ehepartner oder bester Freund von ihm weiß. Es wird von Testfahrten berichtet, die der ADAC 2008 durchgeführt hat und dass es regional große Unterschiede bei den Festpreisen gibt: Im Frühjahr 2010 hat beispielsweise eine Fahrt über 5 km in Erfurt nur 8,55 €, in Karlsruhe stolze 12,30 € gekostet. Der Autor informiert über die Anforderungen, die an einen Taxi-Schein gestellt werden, welche Auflagen gelten und welche Prüfungen abgelegt werden müssen. Die härtesten Bedingungen herrschen hier in London, wo die Vorbereitung zur Prüfung drei Jahre dauert, um jede einzelne der 25.000 Straßen und 320 Standard-Routen auswendig zu lernen!

Frank Fischer ist seit 1984, nunmehr seit 26 Jahren, selbst Taxifahrer und weiß, wovon er spricht. Eigentlich wollte er mit den Fahrten nur sein Soziologiestudium finanzieren, aber ist dann aus Überzeugung dabei geblieben. Wenn es auch nicht immer für ihn einfach war, jeden Kunden freundlich zu bedienen und finanziell über die Runden zu kommen, so sieht er doch auch die Vorteile, die dieser Beruf mit sich bringt. Zumindest, wenn man wie er selbstständig ist, kann man sich die Zeit frei einteilen. Er hat viele bekannte Persönlichkeiten in den Jahren chauffiert und glaubt, dass das Taxifahren ihm die Praxis bringt, die er im Studium als graue Theorie gelernt hat. Sollten Sie also Ambitionen haben, einen Taxi-Schein erwerben zu wollen, dann dürfen Sie Der Japaner im Kofferraum von Frank Fischer nicht im Bücherregal stehen lassen!

Bildquelle: Knaur Verlag

Der Japaner im Kofferraum von Frank Fischer

Der Japaner im Kofferraum von Frank Fischer
  • Knaur Verlag 2011
  • Taschenbuch
  • 208 Seiten
  • ISBN 978-3-426-78355-9
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1 Gedanke zu “Der Japaner im Kofferraum von Frank Fischer

  1. „Die härtesten Bedingungen herrschen hier in London, wo die Vorbereitung zur Prüfung drei Jahre dauert…“, was wohl erklärt warum gerade britischen Banker das meiste Trinkgeld geben.

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