In Finnland lebt der elfjährige Nikolas mit seinem Vater Joel, einem Holzfäller, in ärmlichsten Verhältnissen. In ihrem Haus gibt es nur ein einziges Zimmer und ein Loch hinter ihrem Haus dient ihnen als Klo. Nikolas hat keine Geschwister und sein einziger Besitz sind ein Schlitten und eine Steckrübenpuppe, die er von seiner verstorbenen Mutter bekommen hat. Da er am Weihnachtstag geboren wurde, nennt ihn sein Vater auch Weihnacht.

Eines Tages kommt der Jäger Anders zu ihnen und überbringt dem Vater eine Bitte des Königs: Wer ihm den Beweis erbringt, dass es Wichtelgrund tatsächlich gibt, soll eine hohe Belohnung erhalten. Obwohl Nikolas seinen Vater anfleht, nicht mit den anderen Männern zu ziehen, ist dieser entschlossen, seinen Sohn ein paar Monate für ein zukünftig besseres Leben zu verlassen. Weil er auch den Schlitten mitnehmen muss, bleiben dem traurigen Jungen nur noch die Steckrübenpuppe und der Mäuserich Miika. Doch für Nikolas kommt es noch schlimmer. Tante Carlotta, die überhaupt keine Kinder mag, zieht ins Haus und denkt gar nicht daran, sich um ihn zu kümmern. Von nun an muss er trotz Kälte draußen auf der Wiese schlafen. Als er die Schikanen seiner Tante nicht mehr aushält, will er dem Vater in eine ungewisse Zukunft folgen.

Nikolas hat in dem Roman Ein Junge namens Weihnacht von Matt Haig noch viele Abenteuer zu bestehen. So begegnet er einem verletzten Rentier, dem er hilft und dessen Sprache er immer besser versteht. Auf dem Rücken des Tieres gelangt er schneller an sein Ziel, weshalb er ihm den Namen Blitz gibt. Natürlich findet Nikolas auch Wichtelgrund, doch sind die Wichtel nicht so freundlich, wie er gehofft hatte. Nur mit Hilfe einer Art Zauberei, bei der Nikolas ganz fest an das Gute glauben muss, kann er die Freundschaft der Wichtel gewinnen.

Wenn das Weihnachtsmärchen letztlich auch einen guten Ausgang hat, so lässt die traurige und anrührende Geschichte wohl kein Auge der jungen Leser trocken. Sie werden auf eine spannende Reise mitgenommen, von der ihnen zum Beginn versprochen wird, dass es die einzig wahre Geschichte des Weihnachtsmannes ist, der selbst nur Ein Junge namens Weihnacht war und Hunger am eigenen Leib erfahren musste. Weil seine habgierige Tante Carlotta nur wegen der versprochenen Belohnung ihres Bruders Joel zur Hilfe bereit war, hat Nikolas auch noch diese niederträchtigen Eigenschaften der Menschen kennengelernt und hofft gerade deshalb auf Wunder.

Sobald Kinder ab der dritten oder vierten Schulklasse in der Lage sind selbst zu lesen, kann das Buch von Matt Haig ihre Erwartungen im Hinblick auf Spannung und Sehnsüchte in jeder Hinsicht erfüllen. Eine wundervolle Ergänzung findet der Text durch Illustrationen von Chris Mould, die die kindliche Fantasie noch weiter beflügeln. Das schließt aber nicht aus, dass auch ältere Generationen Gefallen an dem Weihnachtsmärchen haben können und sich vielleicht auf die Aussage in dem Buch besinnen, nach der Güte besser als Reichtum ist.

Matt Haig, Ein Junge namens Weihnacht, Deutscher Taschenbuch Verlag 2016, Hardcover mit Schutzumschlag, 269 Seiten, ISBN 978-3-423-28088-4, Preis: 18,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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